Gedankenwelt

Anders als andere „Mädchen“? Grenze ich mich damit aus?

Vielleicht kennt Ihr das ja? Eigentlich egal wo man hinkommt, es finden sich dort Gruppen an. Manche kennen sich schon lange, andere eher seit kurzer Zeit. Manche verstehen sich auf Anhieb. Andere brauchen so ihre Zeit, um mit ihrem Umfeld warm zu werden. Ich gehöre in dem Fall übrigens eher zu Kategorie zwei. Wie auch immer – Es gibt in jedem Fall immer Orte, an denen man dieses Phänomen beobachten kann. Besonders, wenn man Kinder hat. Zumindest ist es für mich erst ab diesem Zeitpunkt zum Thema geworden.

Ich hatte immer einen Freundeskreis.

Ich bin ein sehr geselliger Mensch und ich brauche immer Menschen um mich herum. Bisher ist mir das auch eigentlich gelungen. In jeder Phase meines Lebens kann ich mich an liebe Freunde erinnern, mit denen ich eine tolle Zeit verbracht habe. In der Schule, auf dem Spielplatz, in der Ausbildung, auf der Arbeit… es gelang mir immer ein paar wenige aber wichtige Menschen um mich zu versammeln, mit denen ich eine tolle Zeit hatte und teilweise auch heute noch habe.

Erst letztens zum Beispiel traf ich eine Freundin aus Kindertagen. Wir haben so viel Zeit miteinander verbracht, dass man uns eine Zeit lang sogar als siamesische Zwillinge bezeichnete *lach*. Selbst unsere Eltern wurde gute Freunde und so machte man gemeinsam Urlaub, wir schliefen ständig bei dem einen oder anderen und waren tatsächlich irgendwie wie Schwestern. Es war eine wirklich tolle Zeit und ich denke gerne daran zurück. Nun ja… irgendwann kommt dann so eine Phase des Umbruchs. In unserem Fall war es die Oberschule. Alleine die Tatsache, dass wir auf zwei vollkommen verschiedene Schulen gingen trug dazu bei, dass der Kontakt etwas abnahm. Und irgendwann schlief er irgendwie ein.

Das Gute an solchen Freundschaften: Sie lassen sich immer wieder aufwecken und wenn man sich dann trifft, ist es, als ob man nie getrennt war. Und das sind in meinen Augen wahre Freundschaften. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel mit dem Schokoschaf und Maru. Wir sehen uns nur selten, aber wenn, dann ist es so als ob niemals eine längere Zeitspanne dazwischen gewesen wäre. Und man hat sich dann auch irgendwie immer etwas zu erzählen…

Aber manchmal habe ich das Gefühl, ich bin anders als andere „Mädchen“…

Es fiel mir eine Zeit lang wirklich schwer neue Kontakte zu knüpfen. Sei es nun auf dem Spielplatz, in der Krabbelgruppe oder später in der Turngruppe. Ich bin an sich ein sehr kommunikativer und ich würde auch meinen lustiger Mensch, mit dem man Spaß haben kann, aber ich brauche manchmal sehr lange, um mit meinem Umfeld warm zu werden.

So sitze ich oft lange Zeit nur neben an und beobachte, rutsche Stück für Stück näher, wenn ich das Gefühl habe, da könnte ich mich wohl fühlen und dann kommt auf einmal der Tag, wo ich mitten drin sitze.

Aber was ich zum Beispiel gar nicht mag, das ist Tratschen. Geht gar nicht. Da fühle ich mich unwohl und ich merke häufig im Nachgang, dass mich das Getratsche noch lange beschäftigt. Nun ist es aber so, dass es irgendwie genau das ist, auf das ich vordergründig auf Spielplatz und Co. treffe. Vielleicht geht es auch nur mir so, aber ich empfinde es als nicht angenehm. Klar klage auch ich mal über Haushalt, Kinder und Co., aber das kann ja kein Dauerthema sein, oder? Und wenn dann eigentlich auch nur wenn ich mich unter Menschen befinde, denen ich vertraue und denen ich gerne einfach mal mein Herz ausschütten möchte. Aber manche tragen das alles auf der Zunge und erzählen es jedem. Egal, ob er es wissen möchte oder nicht. Und ich möchte es eigentlich nicht.

anders

Und so sitze ich manchmal einfach am Rand.

Ich sitze da, lausche und denke mir meinen Teil. Hole ein Buch hervor oder ja, auch mal das Handy, mein Zeichenbuch oder spiele einfach mit meinem Kind und ich glaube manchmal Grenze ich mich damit aus. Mache mich ein wenig zum Aussenseiter und wirke auf andere sicher auch sehr verschlossen, wenn nicht gar grimmig.

Vielleicht bin ich da einfach auch zu kritisch oder zu wählerisch, aber es ist nicht die Art von Umgang, die ich für mich suche oder brauche. So blöde es klingt, aber manchmal finde ich es einfacher mit Männern befreundet zu sein als mit Frauen. Und ich komme ja bekanntlich aus einem Beruf, der eine hohe Frauenquote hat, in der sich das Zicken-Klischee manchmal mehr als mir lieb ist bestätigen lässt. Sicher hängt das auch stark mit dem Umfeld zusammen, aber die Erfahrungen sind nun mal so. Männer sind da irgendwie einfacher gestrickt.

Ich kann mich noch an eine Zeit in meiner Ausbildung erinnern, wo meine Klasse ausschließlich aus Mädchen bestand. Nicht ein einziger Junge. Das hat sich deutlich am Klima bemerkbar gemacht und wir waren froh, wenn wir in unseren Wahlkursen saßen, die dann doch etwas mehr durchmischt waren. Mir fehlte zum Beispiel nur schon der Bass der Stimme, der für etwas Abwechslung sorgte. Es klingt banal, aber Männer sind in vielen Dingen einfacher gestrickt und für so etwas kompliziertes wie mich ist das ein wichtiger Ausgleich im Alltag.

Und so sitze ich manchmal einfach nur da und überlege…

Überlege, was ich jetzt tun soll. Setze ich mich dazu, damit ich eben nicht ausgegrenzt bin oder ist es mir egal. Wie bereits erwähnt: Ich brauche Menschen um mich herum. Aber diese Menschen müssen mir auch gut tun und es muss Spaß mit ihnen machen. Und sie müssen mir die Zeit geben, die ich brauche, um mich zu akklimatisieren. Denn wenn mir das gelungen ist und man mit mir geduldig war, dann ist das Eis durchbrochen und man kann in mir einen tollen Freund finden.

Vielleicht kennt Ihr das ja…

sari-unter

4 comments

  1. Melanie von Lalemie

    Es geht mir da sehr ähnlich. Ich will nicht sagen, dass ich kein richtiges Mädchen war oder bin, aber mit Jungs und Männern kam ich immer besser zu recht. Ich konnte dieses Getratsche auch nie leiden, wusste nie so wirklich was damit anzufangen. Mädchen und Frauen, vor allem mehr als eine auf einmal, sind für mich schwer zu ertragen.
    Mittlerweile habe ich aber seit fast 3 Jahren eine wirklich gute Freundin, eben weil sie genauso ist. 😉

    Liebe Grüße Melanie

    1. Sarah Kroschel Post author

      Ich habe auch dennoch im Laufe der Jahre wirklich gute Freundinnen gefunden, aber wie du sagst: Ich würde sie etzt auch nicht als „normale Mädchen“ bezeichnen, sondern es sind für mich ganz besondere Menschen.

  2. Olga

    Du sprichst mir aus der Seele. Schon als Teenager fühlte ich mich bei einer Gruppe Mädels immer irgendwie unwohl. Bis heute hat sich das nicht grossartig verändert. Ich habe zwar einige wenige gute Freundinnen aber neue Frauenfreundschaften zu knüpfen fällt mir sehr schwer.

    1. Sarah Kroschel Post author

      Wichtig ist ja vor allem am Ende, dass man eine Gruppe findet, in der man sich wohl fühlt ^^

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