Wer ist das Vorbild? Wir oder die Geschwister?

Vorbild

Manchmal frage ich mich ernsthaft, warum ich mich eigentlich so verrenkte. Als Eltern hat man einfach ein gutes Vorbild für die Kinder zu sein, oder? Wie oft ertappt man sich dabei, dass einem ein blödes Wort (in meinem Fall oft und gerne „Scheiße“) oder eine ungünstige Handlung herausrutscht (auf der Tischkante sitzen) und prompt wird es einem vom Kind nachgemacht. Verdammt, wieder nicht aufgepasst.

Aber die wirklich wichtigen Dinge, die schnappen die Kinder nicht so einfach auf…

Den ganzen Tag versuche ich alles richtig zu machen. Meinen Kindern vorzumachen, wie die Dinge getan werden sollten, was guter Umgang mit anderen Menschen und was der richtige Ton ist. Ich achte auf Haltung, ordentliches Essen, stehen bleiben an der Straße und und und… kurz gesagt: Ich versuche ein gutes Vorbild zu sein. 

Und dann betritt der große Bruder den Raum und schwups… Kennt ihr das? Der Miniheld läuft den Gehweg entlang und schießt alle paar Meter gegen das hoch gewachsene Unkraut, als wäre es ein Fußball. Der Kleine wie ein Schatten an ihm dran und hinter ihm her und macht alles nach, was er bei ihm sieht.

Und ich hinten an, mit einem leicht kritischen Blick und der Frage im Hinterkopf: Warum strenge ich mich eigentlich so an.

Schauen kleine Geschwister zu ihren großen Geschwistern auf?

Ich würde sagen ja. Man erzählt sich ja nicht umsonst, dass die zweiten Kinder häufig alles ein bisschen schneller lernen, als die großen. Eben weil sie den großen Geschwistern alles nacheifern und mit ihnen auf einem Level sein wollen.

Da kann ich das Heldenkind noch so oft bitten eine Mütze aufzusetzen und einen Schal umzumachen, die Zähne zu putzen oder sich ins Bett zu legen. Sobald der große Bruder es macht, fordert der kleine es regelrecht von mir ein. Und in meinem Kopf höre ich dabei immer ein imaginäres leises „Ich will das auch“, als ob der Kleine mir das in die Gedanken einpflanzen würde.

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Das hat alles seine Vor – und Nachteile. Immerhin kann man das gut ausnutzen, in dem man sich den großen Bruder zum Verbündeten macht („Komm, setzt doch schon mal deine Mütze auf, dann macht er dir das sicher gleich nach“ oder „Nimmst du ihn mit zum Zähne putzen?“). Ja, so tricky können wir Eltern dann doch manchmal sein, nicht wahr?

Ich würde mir nur manchmal wünschen, der große Bruder wäre sich dieser Verantwortung ein bisschen mehr bewusst.

Kinder sind nicht ohne Grund Kinder und das sollen sie auch auf jeden Fall sein. Mit all ihren Verrücktheiten und Macken. Das Leben wäre sicher langweilig, wenn uns unsere Kinder nicht regelmäßig vor neue Herausforderungen stellen würden. Dementsprechend finde ich es absolut legitim, dass der Große dem Kleinen dann und wann auch mal nicht so das perfekte Vorbild gibt und ihm einfach auch mal Quatsch zeigt. Sie dürfen Geheimnisse vor mir haben und sich auch mal gegen mich verschwören. Sind wir doch mal ehrlich: Jeder von uns hat seinen Kindern sicher auch schon mal etwas gezeigt, was absolut nicht vorbildlich ist, oder? Mein Favorit übrigens der feuchte Futzi. Kennt Ihr den? 

Und trotzdem. An manchen Tagen würde ich es herrlich finden, wenn der große Bruder sich etwas mehr darauf beschränken würde, dem Kleinen einfach mal ruhige und gesittete Dinge zu zeigen. Eben nicht im Wohnzimmer Fußball spielen oder die dreckige Wäsche von einem Ende des Zimmers quer durch den Flur in den Wäschekorb zu werfen  (und natürlich nicht zu treffen). 

Immerhin kann das Heldenkind vom Minihelden so viel mitnehmen, so sehr von ihm profitieren. Das kann ich nämlich auch schon beobachten. Wenn der Miniheld zum Beispiel auf dem Sofa sitzt und dauert es keine fünf Minuten und das Heldenkind sucht sich ein Buch, setzt sich daneben und blättert konzentriert darin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er die Liebe für Bücher von seinem großen Bruder übernommen hat.

Wer ist nun eigentlich das Vorbild? Wir oder die Geschwister?

Ich glaube jeder von uns leistet seinen Beitrag, jeder von uns gibt dem Heldenkind ein Stück von sich mit und formt es für die Zukunft. Jeder von uns steht in der Verantwortung eines ausgewogenen und wichtigen Vorbild für das Heldenkind. Daran sollte man immer denken. Aber eben auch, dass ein Vorbild auch an manchen Tagen mehr als das sein muss, an anderen Tagen aber auch weniger sein darf.

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Aber ich glaube immer noch, dass der Miniheld wohl (eher ungewollt) den größten Einfluss auf unser Heldenkind nimmt und das ist gut so, denn der Miniheld ist gut geraten und kann dem kleinen Bruder wertvolle Dinge mit auf seinen Lebensweg geben.

Einiges hat es ja jetzt schon. Das Lesen, Fußball, das Lachen, die kleinen Pokémon. Der Kleine sieht zu seinem großen Bruder auf, vergöttert ihn regelrecht und ich bin froh und dankbar darum, dass es sich so entwickelt hat. Denn jeder weiß, das hätte auch ganz anders laufen können. Außerdem hat sich so der Wunsch vom Minihelden, nach jemanden, mit dem er immer Fußball spielen kann, definitiv erfüllt.

Und wie ist das bei euch so?

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