Die Fantasie und die Wirklichkeit eines Kindes sollte man nie unterschätzen.

unterschätzen

Könnt ihr euch noch erinnern? Neulich bastelte ich mit dem Minihelden aus Kaffeefilter und Tusche wunderschöne Herbstblätter für unser Fenster. Da es mir wichtig ist, dass meine Kinder sich voll entfalten können, versuche ich so gut wie gar nicht in ihren kreativen Prozess einzugreifen. Da muss ich mir schon manchmal echt auf die Finger beissen, damit ich da nicht drin rumwurschtel.

Man hat da ja so seine Idealvorstellungen.

Immerhin macht man sich Gedanken. Überlegt sich, wie sich eine Idee am besten umsetzen lässt und hat natürlich ein Bild vor dem inneren Auge, wie das Ergebnis am Ende (idealerweise) aussehen könnte / sollte. In meinem Fall damals hatte ich natürlich Blätter vor Augen, die in den schönsten Herbstfarben leuchteten.

Dazu gehören für mich die Farben Rot, Orange und Gelb. Ganz klar. Ein bisschen Braun und Grün darf auch sein, aber das sind nicht unbedingt die Farben, die ich zum Indian Summer zähle. Versteht ihr mich? 

Kaffeefilter

Und was macht das Kind? Es malt seine Blätter (zumindest einige) in den Farben Schwarz, Rot und Gelb (Gold) an. „Schau mal Mama, ich mache die Deutschlandfahne“, erklärt es dabei stolz. In mir drin schreit es laut „AAAAARGH“, welche Herbstblätter sehen denn bitte aus wie Deutschlandfahnen?

Nun ja, man sollte den Blick eines Kindes wirklich niemals unterschätzen!

Ich wurde eines besseren belehrt. Und zwar am Donnerstag, als ich den Minihelden von der Schule abholte. Mit Regenschirm in der Hand (Sturmwarnung, wir erinnern uns) und Heldenkind auf dem Rücken. Froh um die dicken Gummistiefel, die ich mir letzten Monat gekauft hatte. Ich lief also den Weg entlang und redete mit dem Kleinen da hinten auf meinem Rücken, der mir aufgeregt von seinem neuesten Lieblingspokémon erzählte, da sah ich es… 

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Aus dem Augenwinkel entdeckte ich ein leuchtendes Herbstblatt. Immer, wenn ich eines sehe, sammle ich es ein und nehme es mit nach Hause, damit wir es pressen und damit basteln können. Dieses Blatt war aber nun ganz speziell, denn es erinnerte mich an etwas. Könnt ihr es sehen? Könnt ihr sehen, woran es mich erinnert?

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Genau, es erinnert stark an das Deutschland – Herbstblatt des Minihelden, nicht wahr?

Meine Kunstlehrerin erzählte mir damals eine ähnliche Geschichte.

Ihr Sohn saß zu Hause und tuschte ein Bild. Dabei malte er den Himmel lila und die Lehrerin belehrte ihn (haha, was für ein Satz): „Der Himmel ist doch nicht lila. Warum malst du ihn lila?“. Der Sohn war ziemlich betroffen und traurig. Das war ja doch irgendwie Kritik an seinem Bild, nicht wahr?

Die Tage vergingen und der Sohn war zu Besuch bei einem Freund. Er wohnte wohl im Nachbarshaus und der Sohn durfte dort zu Abend essen. Es war Abend und die Sonne ging unter. Langsam wurde es dunkel draußen und auf einmal wurden die Augen des Sohnes groß. Aufgeregt sprang er auf, verabschiedete sich schnell und rannte nach Hause zu seiner Mutter, der Lehrerin.

„Was ist, warum bist du schon da“, fragte sie ihn. „Mama“, rief er wohl aufgeregt, nahm ihre Hand und zog sie zum Fenster, „Mama, schau doch mal!“. Und was sie sah, das ließ sich überrascht nach Luft schnappen. Der Himmel war… lila! 

Ich liebe diese Geschichte. Sie hat mich sehr geprägt und immer, wenn ich das Bedürfnis habe, meinen Sohn beim kreativ sein in eine andere Richtung zu lenken, rufe ich sie mir ins Gedächtnis. 

Denn man kann nie wissen, was Kinder unbewusst wahr genommen, was sie gesehen und mit ihren kindlichen Augen abgespeichert haben. Man sollte das wirklich niemals unterschätzen.

sari-unter

8 Kommentare

  1. das wohl sehr sehr wahr und ich hab auch erst neulihch so ein erlebnis gehabt, und auch auf dem krümelmonster channel drauf gebloggt. ich hab dem kind, wie du herbst-wassertfarben gegeben. viel gelb und rot, etwas pink und etwas grün. nur leider ist es noch in der übereinander mal phase also wurden alle bilder sehr braun. da musst ich mir echt auf die zunge beissen und hab halt für mich ein paar blatt kunterbunt getupft. und ein paar tage später habe ich aus unseren blättern herbstlaub gestanzt und siehe da, des kindes blätter sehen zehnmal natürlicher und echter aus als meine.
    so ist das. da sind echt tolle kunstwerke bei aus denen wir eine tolle herbstgirlande zaubern werden. soo toll.

  2. „Wir Erwachsenen glauben, dass Kinder auf die Welt kommen, damit wir ihnen helfen. In Wirklichkeit kommen Kinder, um uns zu helfen.“ Maria Montessori
    Ging mir durch den Kopf während ich deinen Text gelesen habe. Schön wenn es immer wieder gelingt sich das zu vergegenwärtigen.

  3. Ich glaube, ich müsste mich auch sehr zusammenreißen um nicht alles besser zu wissen bzw. „einzugreifen“. Dabei glaube ich, dass es für das Selbstbewusstsein und vielleicht die eigene Kreativität des Kindes besser ist, es einfach machen zu lassen. Andererseits haben diese Schlüsselerlebnisse, wie der Lila Himmel oder die Deutschlandfahnenblätter auch etwas tolles ans sich.
    Übrigens an einem Kirschbaum bei mir in der Nachbarschaft wächst seit Jahren ein Deutschlandfahnenpilz. Mein Neffe, der bei der Entdeckung knapp 10 Jahre alt war, war damals echt begeistert. 🙂

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