Wie ihr euch denken könnt, sind wir im Laufe der Jahre durch das Hobby der Jungs schon des Öfteren mit Auszeichnungen in Berührung gekommen. Daher fällt die Umsetzung dieses Themas für das Projekt 52 heute wohl eher leichter, auch wenn ich ein Stück weit am abwägen war, welche man da am Besten nimmt, denn nicht jeder Pokal, jede Medaille oder Urkunde ist gleich vom Wert her und manchmal hat ein 3. Platz eine viel spannendere Geschichte zu erzählen, als zum Beispiel ein leicht verdienter 1. Platz. Nicht hinter jeder Auszeichnung steckt auch gleiche eine ernst gemeinte Wertschätzung und deshalb wollte ich genauer hinschauen…
Projekt 52 im Februar: Auszeichnung
Im Regal des großen Sohnes steckt ein Pokal, den sein Team mal in einem Halbfinale gewonnen hatte. Mit diesem qualifizierten sie sich für ein richtiges großes Turnier, das wiederum im Olympiapark stattfand, wo auch Hertha BSC trainiert und agiert. Was für eine Ehre und ein wirklich aufregendes Erlebnis, denn als sie als Gewinner auch das Finale bestritten, wurden sie anschließend im Olympiastadion geehrt und durften eine Ehrenrunde durch dieses vor einem offiziellen Bundesliga-Spiel drehen. Das ist natürlich ein absolut unvergesslicher Moment. Dennoch wähle ich diesen Pokal für heute nicht aus.

Ich bin grundsätzlich kein Fan von Einzelauszeichnungen in einer Sportart, die sich vor allem durch Teamgeist auszeichnet. Wie man in einer Teamsportart Pokale für den besten Torwart oder den besten Spieler vergeben kann, das ist mir ein Rätsel. Noch schlimmer finde ich den besten Torschützen, denn Tore entstehen nicht durch Einzelleistung (oder sagen wir mal in den seltensten Fällen), sondern weil mehrere Spieler auf dem Feld gut zusammenarbeitet haben und finden gerne auch schon mal in einer starken Abwehrleistung ihren Anfang.
Warum zeige ich euch heute also trotzdem ausgerechnet so einen Torschützenpokal? Weil er mich in anderer Weise sehr stolz gemacht hat auf meinen Sohn. 6 Jahre lang wurde er grundsätzlich in die Abwehr gestellt, weil er da eine gewisse Stabilität geboten hat. Und er hasste diese Position. Er war wirklich nicht gerne dort, hatte es aber irgendwann akzeptiert, dass er vernünftig genug war diese Position ernst zu nehmen und sich nicht ständig nach vorne ziehen zu lassen, wie es viele andere gerne machen. Ein Abwehrspieler wird aber niemals eine Ehrung erhalten, weil alle immer nur auf die genialen Tore vorne achten. Das kommt wirklich selten vor. Aber es gab ein Turnier in Dresden, das wir spielten und es kam tatsächlich dazu, dass er am Ende diese Auszeichnung bekam.

Doch was tat er in dem Moment?
Nicht nur, dass sein Team, als sich abzeichnete, dass seine Chancen gut standen, mehr und mehr im zugearbeitet hatten. Als er die Auszeichnung überreicht bekam, ging er damit zu seinem Team und sagte “Der ist nicht für mich, der ist für uns als Team, denn ohne euch hätte ich die Tore nicht schießen können”. Und deshalb ist diese Auszeichnung für mich so besonders. Nicht weil da “Bester Torschütze” drauf steht, sondern weil mein Kind so sehr den Teamgedanken in dem Moment gelebt und diesen Pokal geteilt und nicht für sich behalten hat…
Weitere Beiträge zu den Themen vom Projekt 52 im Februar findet ihr hier.



Bei mir im Blog hätte ich ein paar animierte Smilies mit Jubel und Applaus, hier geht’s nur statisch, also: Bravo! 🙌😀
Oh das spricht aber wirklich für ein tolles Team!
Spannend. Eine schöne Geschichte. Generell kann ich deinen Gedanken nur zustimmen.
Mir fällt das Thema noch schwer. Hier steht da nicht so “offensichtlich” (wobei es das durch deinen Kontext ja gar nicht mehr ist) was im Haus.
Oh, was für eine tolle und reflektierte Reaktion von deinem Sohn. Das ist wirklich voll schön. Davon könnten sich ganz viele Personen einige Scheiben abschneiden. Kann gut nachvollziehen, warum du diese Auszeichnung ausgewählt hast. Klasse!