Gedankentagebuch
Gedankenwelt

Gedankentagebuch #52 – Kopfkarussell und mehr

Schon lange schrieb ich kein richtiges Gedankentagebuch mehr. Seit Oktober, um genau zu sein. Und bis dato war mein Alltag vielleicht stressig, aber nicht so durcheinander gewirbelt, dass ich das Gefühl hatte es würde in meinem Kopf unaufhörlich schreien. Ich weiß nicht, vielleicht kennt ihr das ja. Das war auch einer der Gründe, warum ich damals, während Corona, anfing diese Gedankentagebücher zu schreiben. Ganz ohne Schwerpunkt. Ganz ohne roten Faden. Einfach ein Platz, wo ich unsortiert alles raus lassen konnte, um diesem Wirrwarr in meinem Kopf Luft zu machen, Raum zu schaffen und dann vielleicht wieder ein wenig Ruhe zu finden.

Wenn dein Kopf unaufhörlich Dialoge mit sich selbst führt…

Und die Erschöpfung ist dabei groß, denn es verhindert, dass man zur Ruhe kommt. Dass so eine Art von Regenration einsetzen kann. Man liegt abends im Bett, unendlich müde, aber man kann nicht schlafen, weil im Kopf die Sätze rum spuken, die unausgesprochen bleiben. Die einem auf der Zunge liegen, aber ihren Weg raus nicht finden. Unmut und Unzufriedenheit. Unverständnis gegenüber mancher Sachen. Aktuell kochen so viele Emotionen in mir und die innere Ruhe setzt aus. Ich laufe (naja rutsche eher) die Gehwege entlang, still für meine Außenwelt, aber unglaublich laut in mir drin. Kurz vor dem Platzen. Das ist so unglaublich erschöpfend.

Man merkt, dass überall der Lagerkoller einsetzt

Seit Wochen können wir kaum richtig raus. Zu Beginn war es noch ganz lustig mit dem Schnee. Wir konnten rodeln gehen, Schneemänner bauen. Es war akzeptabel, dass deswegen die Sportplätze gesperrt waren und die eine oder andere Alternative fand man auch für die Kinder. Und dann war der Schnee plötzlich von einen Tag auf den anderen weg und man konnte den Dingen wieder gewohnt nachgehen. Man merkt oft erst, wie sehr man doch diesen geordneten Alltag manchmal braucht, wenn man ihn eine Zeit lang nicht zur Verfügung hat.

Und dann kam der Eisregen. Erst nur einmal kurz und die Schulen wurden gesperrt. Umsonst, denn das angekündigte massive Unwetter blieb (zumindest hier in Berlin) aus. Und dann kam noch mehr Eis. Und zwar so richtig viel. So viel, dass man sich nicht mehr vor die Türe wagen konnte. Seit nun mehr bald drei Wochen herrscht hier Ausnahmezustand. Die Wege sind kaum gestreut, das Vorankommen jeden Tag abenteuerlich und ich bin für jeden Tag dankbar, an dem meine Kinder sicher zu Hause angekommen sind. Mag übertrieben klingen, aber tatsächlich sind schon einige gestürzt und auch in unserem Umfeld gab es schon gebrochene Knochen.

Seit Tagen sitzen wir also mehr oder weniger zu Hause fest und versuchen krampfhaft kreative Alternativen für die Kinder zu finden. Fitnesstraining in den Vereinsräumen, Testspiele zu den Hallenzeiten anderer Teams. Denn unsere Hallenzeit ist praktischerweise auch gerade ausgesetzt, weil unsere Halle einen Schaden hat, der repariert werden muss. Was für ein Timing. Man spürt die Unruhe in jedem. Überehrgeizige sorgen sich, dass die Kinder zu wenig spielen können… aber nun gut. Fakt ist, wir haben nicht viele Möglichkeiten und wir sind gerade in sowas wie einem Ausnahmezustand.

Ein langer Winter war immer irgendwann spürbar

Deshalb nehmen wir den Frühling, wenn er endlich kommt, immer so dankbar an und merken, wie wir selbst auch wieder mehr aufblühen. Ein langer Winter ist immer nicht einfach. Wenn er dann auch noch massiv kalt und dunkel ist, dann erst recht. Der natürliche Drang nach Bewegung ist eingeschränkt. Wir Menschen können viel weniger in den direkten Austausch gehen und im Kontrast dazu steigt die Reizbarkeit bei vielen mehr und mehr an. Man merkt den Stimmungswechsel direkt, wenn es auf einmal milder und heller wird. Und darauf hoffe ich gerade inständig. Das und dass der Lagerkoller bis dahin nicht den einen oder anderen Schaden hinterlassen hat.

Versteht mich nicht falsch: Es ist Anfang Februar und NATÜRLICH ist der Februar ein Wintermonat und damit absolut legitim noch winterlich kalt. Dennoch ist es nur menschlich, dass wir alle irgendwann spüren, dass es immer anspruchsvoller wird den eigenen Akku noch vernünftig aufzuladen. Und ja, ich werde sicherlich auch bald wieder darüber klagen, dass der Sommer so gar nicht meine Jahreszeit ist. Aber auch ich brauche Licht. Und diese Unzufriedenheit, der Stress und das Chaos, das in vielen herrscht, das wird aktuell von Tag zu Tag immer spürbarer und ich merke, wie ich auch mit mir selber immer unzufriedener werde, meine Motivation in einigen Bereichen verliere und auch meine Toleranz.

Müde, kalt, mimimi…

Die üblichen Themen halt, über die wir in der dunklen Jahreszeit klagen. Erst recht, wenn sie so lange ist. Und hier in Berlin ist es nun mal gerade auch so, dass seit über 2 Wochen jeder Weg nach draußen gefährlich ist. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht mindestens einmal mich lang gemacht hätte auf den glatten Wegen.

Ich bin genervt von mir selbst. Dass ich gerade so Schwierigkeiten habe das alles irgendwie geregelt zu bekommen. Es ist euch sicherlich aufgefallen, dass meine Präsenz gerade sehr zurück gegangen ist. Dass ich immer an einem bestimmten Tag versuche eine Woche Beiträge von euch abzuarbeiten, weil ich euren Blogs weiterhin gerne die Aufmerksamkeit schenken möchte, die sie definitiv verdient haben. Doch ich schaff es einfach nicht. Ich öffne den Feedreader, klicke auf Beiträge, die ich lesen und auch kommentieren möchte und dann kommt irgendetwas dazwischen. Alles fühlt sich nach Stress und zu viel an und gleichzeitig habe ich das Gefühl nichts hinzubekommen. Frust und Unzufriedenheit machen sich gerade in mir so breit und dann bin ich wieder an dem Punkt der emotionalen Erschöpfung, die mit den lauten Stimmen in meinem Kopf nicht klar kommt.

Das letzte #WIB hat es gezeigt: Ich mache gerade etwas, was für mich total untypisch ist. Ich sitze einfach auf dem Sofa, ziehe eine Serie durch oder spiele auf der Switch. Ich distanziere mich vom Alltag, blende es aus. Suche die Ruhe. Ich weiß, wenn der Körper danach schreit, sollte man dem auch nachkommen. Und das tue ich gerade, aber gleichzeitig macht es mich unzufrieden, weil ich diese Unproduktivität hasse. Ich hasse es, dass wir seit fast drei Wochen so stark eingeschränkt sind und sich das eben nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen in Emotionalitäten ausdrückt.

Im Fazit kann man eigentlich nur eines sagen

Wir brauchen Sonne. Sonne und frische Luft. Geselligkeit und wieder Stunden, in denen wir gemeinsam lachen und erleben können. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch alles andere dann wieder einfacher wird…

Frau Mondgras – Das bin ich, Sari. Gerne auch als Sari Mondgras bekannt und im Internet zu finden. 2-Fach-Mutter, Heldenehefrau, Kreativling, Harmoniesüchtig und ständig auf der Suche nach Glück. Ich komme aus Berlin, bin hier aufgewachsen und lebe hier seit ich denken kann.

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