Bloggerschnack im Oktober 2026: Selbsterkenntnisse?
Dienstag in den Ferien. Der Wecker klingelt um kurz nach 7 Uhr. Urgs… man kann sich Besseres vorstellen, oder? Aber der Grund war eigentlich ein schöner, denn für den kleinen Sohn geht es heute auf einen Kindergeburtstag, wo es schon früh losgeht und wohl recht aufregend werden kann.
In der Konsequenz sitze ich hier nun schon den ganzen Morgen unproduktiv rum. Gut, stimmt so nicht, denn ich habe das Kind zur Feier gebracht, Brötchen geholt und gefrühstückt. Aber müde bin ich und habe gerade eine Stunde meiner Lebenszeit sinnlos damit zugebracht mich vom Internet berieseln zu lassen. Zeit also nochmal etwas produktiver zu werden. Zeit, um sich mal dem Bloggerschnack in diesem Monat zu widmen.
Noch einmal grob zusammengefasst das Prinzip vom Bloggerschnack für euch: Jeden Monat wird ein neues Thema über das Forum “Bloghexen” festgelegt. Man hat nun den ganzen Monat Zeit, um dieses Thema bei sich auf dem Blog, Instagram oder sonst wo, zu bearbeiten. Dabei wird als Quelle das Forum angegeben. Wenn man dort idealerweise auch selber angemeldet ist, kann man seinen Beitrag dort im entsprechenden Posting verlinken (eine allgemein funktionierende Alternative ist noch in Planung).
Bloggerschnack im Oktober 2026: Was ich durchs Bloggen über mich gelernt habe
Der Input, der uns diesen Monat zum Reflektieren und Nachdenken anregen soll, geht wohl dieses Mal auf eine etwas persönlichere Ebene. Könnte man meinen. Aber ich glaube in einem ganz kleinen Abstecher können wir auch sachlich oder fachlich werden. Beim Bloggerschnack stellen wir uns im Oktober also der Frage, was wir durch das Bloggen über uns selbst gelernt haben.
Dazu muss man wohl wissen – auch wenn ich es an manchen Stellen schon mal erwähnt habe – dass ich in meinen Teenager-Jahren zeitweise mit massiv vielen Unsicherheiten zu kämpfen hatte und diese manchmal auch heute noch durchbrechen. Ich glaube, ich war insgesamt ein recht taffes und mutiges Kind. Doch irgendwann kam der Umbruch. Ich glaube mit dem Wechsel von der 6. zur 7. Klasse und damit hier in Berlin auf die Oberschule. Da beschreiten wir einen vollkommen neuen Lebensabschnitt und geraten zu allem Überfluss auch noch in die schwierige Phase der Pubertät. Alles wird mit einem Schlag anders und nicht jeder kommt damit gut zurecht.
Ich startete also eigentlich mit einem guten Selbstbewusstsein…
…das aber leider nach und nach zerstört wurde. Für viele ist es wohl nicht leicht mit diesen Veränderungen umzugehen. Das Selbstbewusstsein, das ich aus der Grundschule mit in die Oberschule nahm schwand nach und nach. Ich wurde stiller, zurückhaltender und am Ende zeigte ich kaum noch etwas von mir. Ich hatte im Laufe der Zeit gelernt eine Mauer um mich herum zu errichten, die mich vor all dem schützen sollte.
Das machte mich schließlich zu einem sehr verschlossenen Menschen, zu dem man erst durchdringen musste. Hatte man diese Mauer überwunden und sich bewiesen, lernte man auch meine richtige Seite kennen, die nicht so grimmig und ernst aussah. Aber es war nicht einfach dorthin zu gelangen. Doch warum erzähle ich euch das jetzt?
Das Bloggen hat mich wieder ein wenig verändert
Es ist Bestandteil eines Prozesses. Eine Zeit lang war es mein Sprachrohr, mein Tagebuch, mein kleiner Save Space. Ich glaube ich war so um die 16 oder 17, als ich mit dem Bloggen anfing. Inzwischen hatte ich das Mobbing und einige schlechte Menschen in meinem Leben überwunden. Nicht zuletzt, weil ich die Schule gewechselt hatte und neue Menschen in mein Leben traten. Allem voran der Mann, der noch heute nach bald 30 Jahren an meiner Seite ist. Er hat einen großen (sehr großen) Anteil dazu beigetragen so einiges an toxischen Dingen aus meinem Leben zu verbannen.
Das war der erste Schritt. Zum zweiten gehörte dann wohl wieder mehr zu sich selbst zu finden. Zu lernen, dass man eine eigene Meinung und eine eigene Persönlichkeit haben durfte. Klingt erst einmal total normal, ist aber in einer Welt wie der unseren nicht immer einfach. Während ich also lange Zeit versuchte dazu zu gehören und meinen Stil an den der anderen anzupassen, verlor ich mich selbst mehr und mehr und wurde dafür nicht mal von der Gruppe belohnt, zu der ich so sehr gehören wollte.
So sehr man auch über das Internet die Nase rümpfen möchte, es bietet einem doch eine Welt, in der man ganz andere Möglichkeiten hat. Das Umfeld ist so viel umfangreicher und größer, so dass es irgendwie viel einfacher fiel Menschen zu finden, die einem ähnlich waren.
Man findet seine sogenannte Bubble
Was lernte ich über mich? Eigentlich vor allem, dass ich eigentlich gar nicht sein wollte, wie diese Mädchen in dem Fruit of tue Loom Pulli und den Carhartt Hosen. Erste Anzeichen sahen wir schon darin, dass alle entweder einen blauen oder weinroten Eastpack Rucksack hatten, ich mich aber sofort in den orangen verliebte *lach*.
Ich las gerne Mangas und zeichnete viel. Klar mochten die Menschen meine Zeichnungen, aber dennoch stand ich damit immer ziemlich alleine da. Damals waren Anime und Manga nicht so verbreitet. Durch das Internet und das Bloggen traf ich aber auf Menschen, die meine Liebe für Manga-Studios, Japan, süßem Kram und mehr teilten. Ich wagte wieder etwas aus meiner Komfort-Zone heraus zu treten. Ich fing an Mützen mit Ohren zu tragen und Jacken mit Kapuzen die kleine Öhrchen hatten lange bevor sie auf einmal Standardmäßig in den Läden zu kaufen waren. Damals musste man sich noch alles kompliziert aus Japan importieren lassen *lach*.
Allgemein hat sich seit damals so viel verändert. Ich war angewiesen auf Brieffreundschaften aus Japan und mehr. Es gab nur ein zwei kleine Shops, wo ich süßes Briefpapier herbekam und die größten zwei Plattformen waren Animexx und Deviantart, wo man Menschen fand, die ebenso sehr Mangas mochten wie man selbst. Ich fand meine kleinen Bubbles, auch wenn ich nach wie vor meine Probleme hatte mich zu öffnen.
Die Bloggercommunity ließ mich wieder offener und mutiger werden
Ich schreibe nach wie vor nicht über alles, was in meinem Leben so passiert und was mir so durch den Kopf geht, aber dennoch bin ich im Laufe der Jahrzehnte (muss man ja leider so sagen *lach*) wieder ehrlicher zu mir selbst geworden und teile meine Meinungen und Gedanken auch wieder mit meiner Umwelt, denn ich weiß, dass diese genauso ihre Daseins-Berechtigung haben, wie die Meinung anderer und meine darf auch ruhig mal anders ausfallen. Dafür wird man nicht gleich auf den Pranger gestellt (obwohl auch das Internet da manchmal sehr gnadenlos und irrational sein kann – man muss halt seine richtige Community finden, wo so ein Meinungsaustausch dann auch mit Respekt stattfinden kann).
Eigentlich war es gar nicht geplant, dass der Bloggerschnack doch so persönlich gedanklich wird, aber am Ende ist es wohl das, was ich durch das Bloggen vordergründig über mich gelernt habe: Ich bin ok mit all meinen Ecken und Kanten und es gibt Menschen, die mich so zu schätzen wissen wie ich bin. Also kann ich es auch ruhig zeigen. Offen und ehrlich mit mir selber umgehen. Dieses Selbstbewusstsein hat sicherlich (neben ein zwei anderen nicht unwichtigen Faktoren) das Bloggen in mir geschaffen. Auch wenn diese Schutzmauer nie ganz weg sein wird genau wie die vielen Unsicherheiten, die in mir ihren Samen gepflanzt und Wurzeln geschlagen haben, die unter der Oberschicht leider nach wie vor tief verwurzelt sind. Aber das Drumherum hilft mir immer wieder ein Aufkeimen nach außen zu verhindern.
Etwas nüchtern und sachlich betrachtet…
… denn diesen Punkt wolle ich ja auch kurz mit einbringen: Witziger Weise habe ich durch das Bloggen aber auch gelernt, dass ich eine Menge mehr kann als zeichnen *lach*. Ich habe mir über die Community um mich herum verschiedene andere Skillz angeeignet. Ich bekam Unterstützung beim Stricken (was bis heute leider nicht so gut klappt), ich habe Häkeln und Nähen gelernt. Ich bekomme immer wieder Zuspruch bei verschiedenen Aktivitäten (zum Beispiel der Punkt “Laufen”) und viel Inspiration für Dinge, die ich schon immer mal versuchen wollte.
Sicherlich hätte ich mich in den über 20 Jahren Bloggen auch ohne dieses verändert, aber wer weiß, in welche Richtung das gegangen wäre. Dadurch, dass ich immer so schreibe, wie ich auch außerhalb der digitalen Welt reden würde, habe ich sicherlich auch gelernt eben so zu reden, wie ich denke. Denn auch beim Schreiben erreiche ich einen Austausch, der funktioniert. Warum sollte das also auch nicht so klappen, nicht wahr?
Ich weiß, wir alle haben das schon oft gesagt, aber Bloggen ist immer auch ein bisschen wie Therapie und das ist gut so.
Alle Teilnehmer beim Bloggerschnack im Oktober:


