Das Streben nach Minimalismus und Entschleunigung im Alltag

Minimalismus

Minimalismus

Gerade zu Beginn des neuen Jahres sehnen wir uns ganz massiv nach einem Neustart. Nach einem Reset. So fühlt es sich ja im Grunde auch immer an. Ein Jahr ist vorüber, es ist somit alt und liegt hinter uns und wir starten in ein Neues. Und wenn etwas neu ist, dann kann man alles irgendwie auch nochmal anders machen, oder?

Ganz groß im Rennen liegen hierbei immer so Vorhaben wie Abnehmen, Sport, Ausmisten.. verständlicher Weise. Immerhin hat man gerade zum Jahresende nochmal neuen Tand dazu bekommen und vielleicht das eine oder andere Gramm dank vieler Leckereien rauf gefuttert und sieht es zu diesem Zeitpunkt noch nicht so eng, denn im neuen Jahr werden wir alles anders machen.

Ich versuche seit Jahren etwas Minimalismus bei uns einziehen zu lassen.

Ab dem Zeitpunkt, wo eigentlich klar wurde, dass wir irgendwann mal umziehen würden – am besten in naher Zukunft – begann ich auszusortieren. Vor allem trennte ich mich erstmal von meinen Büchern. Das war sehr schmerzlich, denn ich wollte immer eine Bücherwand haben. So wie in den Filmen, wenn die Leute einen Raum betraten und sagten „Und hier seht Ihr meine Bibliothek“. Ein wunderschöner Anblick. Schön war er tatsächlich erst, als ich anfing die Bücher nach Farben zu sortieren. Davor war es nämlich einfach nur ein buntes und unruhiges Kuddelmuddel. Aber so schon eine Bücherwand auch sein mag… wenn man mal wirklich ehrlich zu sich selbst ist, dann liest man die meisten der Bücher nicht wirklich mehrmals. Und so sortierte ich aus. Bücher. Seeeehr viele Bücher. Am Ende blieben eine Hand voll Lieblingsbücher, einige Erinnerungsstücke und diverse Sachbücher übrig. Ich reduzierte vier Bücherregale auf eines. Kaum zu glauben, aber wahr.

Viel wichtiger an dieser kleinen Geschichte jedoch ist das Gefühl, das sich dabei bei mir einstellte: Je leerer die Regale wurden, desto freier fühlte ich mich. Der Raum wurde irgendwie ruhiger, ausgeglichener und wirkte nicht mehr so durcheinander. Obwohl er das ja nie wirklich war. Es stand ja alles im Regal. Und trotzdem lag genau dieses Regal wie eine Last auf mir. Ich hatte es nur nie so wahrgenommen.

Nach diesem Erfolgserlebnis wollte ich mehr…

Ich fing also an auch in anderen Ecke zu schauen und immer wieder mal eine Kiste mit Zeugs voll zu packen, das ich für unnötig hielt. Ab und an stellte ich mal etwas bei den Kleinanzeigen rein, aber das meiste landete in unserem unverschämt großen Keller. Wirklich, so ein Keller kann ein echter Fluch sein. Die Quittung gab es dann übrigens am Umzugstag, als da eine menge Kisten mit Sachen standen, die wir nicht einfach zur BSR fahren wollten, aber auch irgendwie nicht einfach auf den Dachboden des neuen zu Hauses umlagern wollten. Das war so kontraproduktiv…urgs. Aber nun stehen sie da, die Kisten und eigentlich, ja eigentlich müsste ich jetzt massenweise Fotos machen und auf Verkaufsseiten einstellen. Oder mal diverse Flohmärkte besuchen (vielleicht mache ich das im Sommer ja tatsächlich mal).

Uneigentlich scheitert es aber genau an dieser Stelle bei mir: Ich habe nicht wirklich Zeit und Muse das alles in einzelne Kartons und Kisten zu verpacken und dann ständig zur Post zu rennen, um die Sachen ihren neuen Besitzern zukommen zu lassen. Dabei wäre es wirklich dringend nötig. Bei Sarah neulich auf dem Blog sieht das alles so toll aus und man sieht, es macht auch wirklich Sinn sich die Zeit dafür zu nehmen *seufz*.

Es ist erschreckend, wie schnell das alles immer geht

Ein, zwei, drei und schwupp, hat man schon wieder so viele Sachen angesammelt, von denen man sich fragt, wo sie auf einmal herkommen.

Ich muss gestehen: Ich mag Dekokram. Wirklich gerne. Und ich kann selten an schönen Stücken vorbei gehen. Es kommen ja auch immer wieder so viele schöne neue Sachen raus. Da will man sein Zimmer ständig neu erfinden. Ich vermute mal, dass das ein Stück weit auch meine Achilles Ferse ist. Nun gut, ich weiß drum und versuche mich zu bessern. Eventuell mache ich einfach mal ein Revival der „Shop around the Blog“  – Idee, nur eben ganz für mich alleine hier auf dem Blog. Das kam ja dann und wann ganz gut an und ich hab monatlich einen Grund mal ein bisschen auszurümpeln…

Immerhin ist Bestreben Nummer 2 das Entschleunigen.

Im Alltag merken wir es immer wieder: Wir rennen von einem Termin zum nächsten. Und mit Kindern sowieso. Und mit Kindern in einem Sportverein erst recht. Wir sind fast nur noch damit beschäftigt und wenn nicht damit, dann mit vollkommen anderen Sachen. Wie oft hört man sich selber zu seinem Kind sagen: Jetzt nicht, du siehst doch ich habe gerade zu tun.

Wenn ich jetzt daran denke, dass ich zwischen all den Terminen auch noch ständige Gänge zur Post und Austausch am PC für Verhandlungen unterbringen müsste…was bleibt da am Ende noch übrig. Dabei möchte ich viel lieber mal sagen: Heute machen wir nur das, was ihr wollt.

Ich versuche es ja schon ein Stückchen, in dem ich das Heldenkind immer seltener in den Wagen setze und einfach mal frei laufen lasse. Dadurch gestaltet sich der Weg zur Kita des Minihelden zwar deutlich länger, aber das Heldenkind ist glücklich und die beiden Kinder auf dem Rückweg dabei zu beobachten, wie sie in der einen Sekunde um die Wette rennen und in der nächsten plötzlich stehen bleiben und eingehend eine Vogelspur im Schnee betrachten, dann ist das unbezahlbar.

Die Neugier und das Interesse an unserer Umwelt geht irgendwie verloren.

Das wurde mir an einem Tag, wo der Miniheld seinen Lieblingsfreund zu Besuch hatte, auf einmal ganz stark bewusst. Der Freund blieb nämlich bei unserem Einkauf ständig stehen. Der Miniheld und ich gehen diesen Weg täglich. Seit einem Jahr nun schon. Und dennoch sind wir nie stehen geblieben, um der Kirchenglocke von Anfang bis Ende dabei zu zu schauen, wie sie zur Mittagsstunde läutet. Seltsam, oder? Im Gegenteil -Der Miniheld wurde ungeduldig und wollte endlich weiter, doch ich nahm ihn bei der Hand und sagte nur „Schau doch mal, wie doll die Glocke hin und her schwingt“: Und seitdem bleiben wir jedes Mal stehen, schauen welche der drei Glocken läutet und lernen immer wieder dazu.

Minimalismus

Der Stress, die Schnelllebigkeit…all dass schleicht sich Stück für Stück in dein Leben und irgendwann merkst du nicht mal mehr, wie du durch den Alltag rast und keine Zeit mehr für stille kleine Momente findest. Es ist gut, dass dafür wieder eine Art Bewusstsein bei den Menschen entsteht.

Aber kann ich von einen Tag auf den anderen Minimalismus und Entschleunigung in meinen Tag bringen?

Ich denke nicht. Ich denke, man muss Stück für Stück einen Weg dorthin finden und jeder kleine Schritt in die richtige Richtung ist einer, der uns unserem Ziel näher bringt. So wie Sarah immer wieder mal so richtig schön ausmistet (voran ich mir dringend ein Beispiel nehmen sollte) oder Susanne eine umfangreiche Liste zusammen getragen hat an Dingen, die man nach und nach in seinem zu Hause angehen kann.

Für mich sind das Motivationsspritzen und kleine Helfer, die mich dabei unterstützen werden in diesem Jahr vielleicht endlich mal produktiv an dieses Vorhaben, das uns als Familie wieder mehr Ruhe und Zeit bescheren soll, heran zu gehen und alles so umzusetzen, dass ich am Ende des Jahres nicht wieder dieses Bedürfnis entwickel, das neue Jahr mit einem Resetknopf zu versehen.

Obwohl, irgendetwas wird es wohl immer geben, das wir anders machen wollen, oder? Wie geht Ihr an solche Vorhaben heran? Ist es Euch schon gelungen? Habt Ihr Tipps für mich?

sari-unter

8 Kommentare

  1. Dass Entrümpeln noch viel mehr die Seele als die Wohnung freiräumt kann ich nur bestätigen. Seit Jahren verkleinere ich meinen Besitz, gehe immer wieder neue Ecken an, bei denen ich noch nicht war und stelle regelmäßig in Frage, ob das bereits gemistete nicht vielleicht doch noch schrumpfen könnte.
    Von deiner Bücher-Aktion bin ich sehr beeindruckt. Denn obwohl ich auch Unmengen weggeben habe, sind da immer noch drei Billy-Regale voll -_-
    Momentan überlege ich ja, ob ich den DVDs bzw. den Hüllen den Garaus machen soll. Durch Streamingdienste und Blu-Rays haben DVDs komplett ihren Wiederverkaufswert verloren. Dieser Post von Yvestown (http://www.yvestown.com/2015/0.....age-boxes/) lässt mich seit ewigen Zeiten grübeln, ob ich nicht den gleichen Schritt gehen soll und die Hüllen entsorge und nur die Silberscheiben behalten soll. Aber naja…ich komme hier ins quatschen *lach*
    Allein, dass du ein bewusstsein für Minimalismus und Entschleunigung entwickelt hast, zeigt doch schon, dass ihr auf dem richtigen Weg seid. Jeder sollte hin und wieder mal stehen bleiben und sich Vogelspuren im Schnee anschauen. In diesem Sinne: ich gehe jetzt in eine entschleunigende Badewanne ;)

    • Sarah Kroschel

      Es gitb so ein paar Dinge, von denen möchte ich mich nie trennen. Dazu gehört meine DVD Sammlung und meine CDs, die sind nämlich beide schon auf meine Schätze rediziert und ich glaube ganz fest daran, dass ich immer einen Weg finden werde sie zu hören. Schallplatten finden ja auch noch ihren weg und haben viel emotionalen Wert für viele Menschen ^^ Aber ja, auch bei Dir bewundere ich immer wieder diese Aufschwünge von Tatendrang, wo dann auch so viel passiert.

  2. Endlich lese ich wieder bei dir mit. Ich habe vor einigen Jahren Mondgras gelesen und hin und wieder kommentiert, jetzt, wo auch ich zum bloggen zurückgefunden habe, lese ich wieder eifrig mit.
    zu deinem Beitrag…
    Was du beschreibst, scheint der Wunsch nach dem wesentlichen zu Sein. Minimalismus und Entschleunigen bedürfen im Grunde doch der gleichen einstellung. konzentriere dich auf die wirklich wichtigen Dinge, die du hast oder haben möchtest. Verschwende nicht deine Kraft für unwichtiges und zermürbendes. Du hast viel mehr Zeit um zu genießen, um Dinge wahr zunehmen, die schon in Vergessenheit geraten sind.
    Mach weiter so, bleibe dabei. Bald schon wirst du bestimmt noch mehr entdecken als Vogelspuren im Schnee oder den klank der Kirchenglocke. Halte uns auf dem Laufenden

    • Sarah Kroschel

      Sehr gerne. Ich habe mit großem Interesse und einem kleinen Stich im Herzen deinen Blog durchstöbert und finde Dich /Euch sehr mutig.

  3. Ich mache mir zurzeit ähnliche Gedanken. Weniger weil ich viel um die Ohren hätte, sondern eher weil ich dazu neige meine Zeit mit unsinnigen Dingen zu vertrödeln. Das kann auch ganz schön belastend sein :/
    Wir hatten kürzlich bei uns zu Hause darüber gesprochen, als ich spontan nach der Arbeit noch etwas Rapswachs eingeschmolzen hatte, um ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Solche Momente sind bei uns nämlich die Seltenheit geworden. Früher habe ich mich immer in meiner Freizeit sehr viel meinen Hobbys zugewandt und heute konsumiere ich einfach nur noch… gucke Serien, hänge vor Youtube oder so etwas -__- Kernpunkt unseres Gesprächs wurde als „Einfach mal machen!“ – ganz egal, wie viel Zeit man hat, ganz egal wie lange man sich dem widmet – einfach mal machen! Und genau wie einfach mal etwas zu machen, kann man ja auch einfach mal stehen bleiben und sich in der Gegend umsehen ;)

    • Sarah Kroschel

      Richtig. Man muss Alltag mal Alltag sein lassen und es zulassen davon etwas abzuweichen. Dadurch wird nicht gleich Chaos ausbrechen. Es ging ja früher auch irgendwie.

  4. Wie du sicher weißt, kann ich die Gedanken wunderbar nachempfinden. <3
    Es wird besser, wenn man sich befreit. Von unnötigem Ballast.
    Man hat wirklich mehr Zeit, wenn weniger Zeug rumliegt (denn auch das Wenige liegt noch rum…).
    Schönes Thema. :)

    • Sarah Kroschel

      Ja, es liegt auch ohne all den Tand so viel schon alleine durch die Kinder immer und überall rum. Ein Raum wirkt irgendwie immer unruhig. Ich werde mir da wirklich mal ein Beispiel an Dir nehmen!

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