Roboter
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Ich bin kein Roboter

“Ich bin kein Roboter”, an diesem einfachen kleinen Satz blieb mein Blick gerade hängen. Auf manchen Seiten mit Formular findet man diesen ganz gerne mal, um diesem zu zeigen, dass man nicht ein Bot oder Spam oder dergleichen ist und jedes Mal, wenn ich das lese, muss ich irgendwie schmunzeln.

“Ich bin kein Roboter”… natürlich bin ich das nicht. Ich habe gerade Gedanken in ein Kommentarfeld geschrieben. Meist zu einem Beitrag von jemanden, der sich ebenfalls im Vorfeld Gedanken gemacht und diese nun mit uns geteilt hat. Und gleichzeitig denke ich, dass ein Roboter dieses Kästchen sicherlich genauso einfach aktivieren könnte, wie ich. Ob das alles also so sicher ist? Wer weiß… aber manchmal ist jeder Stolperstein hilfreich, um den Weg etwas zu erschweren.. so sicherlich auch für einen Roboter.

Doch bin ich manchmal vielleicht doch ein Roboter

Oft, wenn ich vor dem Anklicken diesen Satz lesen, dann springt auch die Gedankenmaschine an. Definiere mir Roboter.

“Ein Roboter ist eine technische Apparatur, die üblicherweise dazu dient, dem Menschen häufig wiederkehrende oder gefährliche mechanische Arbeit abzunehmen.”

Quelle: Wikipedia

Ich sehe mich definitiv nicht als technische Apparatur, was mir aber durchaus bekannt vorkommt, das ist dieses Gefühl wiederkehrende Arbeit durchzuführen. Routinen, die immer und immer wieder auf uns zukommen und oft eben schon wie mechanisch von uns durchgeführt werden, ohne dass wir groß darüber nachdenken. Vollkommen automatisiert.

Und ja, dadurch fühlt man sich manchmal wie ein Roboter, der ständig wiederkehrende Aufgaben ausführen muss und irgendwie als selbstverständlich angesehen wird, da die Wertschätzung gerne auch mal ausbleibt für all die Dinge, die man übernimmt oder auch anderen abnimmt.

Es trifft gerne immer mal die Gleichen

Das begegnet uns im Alltag immer wieder und ich wette viele von euch kennen dieses Gefühl von “Immer ich” oder eben immer die gleichen Menschen, die sich dem Problem annehmen. Es sind immer die Gleichen, die sich beim Elternabend schließlich für das verhasste Amt des Elternvertreters melden, weil es kein anderer tun will.

Es sind immer die gleichen Eltern, die am Ende den Stand auf dem Sommerfest versorgen, Ausflüge begleiten oder Aktivitäten organisieren. Es läuft immer darauf hinaus, dass einer alle Aufgaben auf sich nimmt, damit andere es nicht tun müssen. Und das kann durchaus auch mal sehr zermürbend sein.

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt auch mal nein zu sagen

Als der große Sohn in die Schule kam, da habe ich alles mitgemacht. Es wurde jemand als Begleitperson gebraucht? Na klar, ich kann mitgehen. Ein Elternteil sollte eine Aktivität in der Schule mit Unterstützen, na gut ich helfe. Wurde irgendwo Hilfe benötigt, habe ich mich in der Regel mit angeboten. Ich glaube so bin ich auch am Ende in diese Betreuer-Rolle beim Fußball geschlüpft.

Es macht auch definitiv Spaß und ich habe gerne mitgeholfen und konnte somit auch immer ein wenig den Luxus erleben dabei zu sein, wenn meine Kinder diese Ausflüge und Highlights in ihrem Alltag erleben durften. Das war manchmal schöner als es im Nachgang von ihnen erzählt zu bekommen, aber dafür blieb eben vieles von den anderen Dingen auf der Strecke und es ist ja durchaus im Sinne aller, wenn jeder sich mal mit einbringt.

Als dann der kleine Sohn in die Schule kam hatte ich inzwischen gelernt das alles auch mal ein wenig zu delegieren. Nein, ich würde nicht mehr jedes Jahr die verhasste Pappmaché Laterne mit basteln. Übrigens eine der vielleicht im Endergebnis schönsten, aber auch undankbarsten Methoden, um Laternen zu basteln in einer großen Gruppe. Nein, ich würde nicht mehr jeden Ausflug mit begleiten und jeden Stand mit organisieren. Helfen ja, aber nicht mehr alles irgendwie wuppen. Denn… ich bin kein Roboter. Der Akku ist irgendwann leer und man will ja auch noch Zeit für sich als Familie haben.

Ich habe also gelernt nicht immer ja zu sagen, sondern auch nein. Es geht einfach nicht immer und das ist ok so.

Und siehe da… es geht auch so.

Verrückt, was einem so durch den Kopf gehen kann, nur weil man einen einfachen Satz unter einem Formular gelesen hat, oder? Woran müsst ihr denken, wenn die Abfrage “Ich bin kein Roboter” kommt? Oder zieht er banal an euch vorbei?

Frau Mondgras – Das bin ich, Sari. Gerne auch als Sari Mondgras bekannt und im Internet zu finden. 2-Fach-Mutter, Heldenehefrau, Kreativling, Harmoniesüchtig und ständig auf der Suche nach Glück. Ich komme aus Berlin, bin hier aufgewachsen und lebe hier seit ich denken kann.

18 Kommentare

  • Martin

    Ehrlich gesagt ist mir da noch nie was durch den Kopf gegangen aber jetzt wo du es ansprichst …
    Ich kenne das auch noch von der Arbeit. Die, die sich permanent blöd angestellt und sich allem verweigert haben, wurden auch irgendwann nicht mehr gefragt, wenn wieder irgendwelche blöden Dienste oder Aufgaben verteilt wurden. Auf die, die immer ja gesagt haben, wurde dann sofort zurückgegriffen. Die haben sich überhaupt nicht mehr getraut, nein zu sagen, weil das ja schon immer so war, dass man ihnen alles aufladen konnte.
    Deshalb machst du das schon genau richtig, auch mal nein zu sagen, denn du hast ja auch eine große Eigenverantwortung dir und deiner Familie gegenüber. Und das ist alles was zählt. Lass dich nicht vereinnahmen….

  • Martha

    Nein sagen ist so wichtig. Man kann ja nicht alles machen, auch wenn man das vielleicht möchte. Delegieren ist eine super Sache, wenn die Möglichkeit besteht.

    Bei der Abfrage zählt gar nicht so sehr dass das Kästchen geklickt wird, sondern wo du hinklickst und wie du hin kommst. Ein Robot wird so ein Kästchen immer exakt in der Mitte treffen bzw. aktivieren. Menschen sicher nicht und wenn doch, dann authentifiziert sie die Schlagenlinie der Mausführung davor als Mensch.

  • bullion

    Nein sagen zu können ist eine extrem wichtige Fähigkeit. Nicht nur im Privaten oder Ehrenamt, sondern auch im beruflichen Kontext. Ich bin da leider sehr schlecht drin, habe in den letzten Jahren aber auch schon viel dazugelernt. Es ist ein Prozess.

    Als Roboter sehe ich mich selten, doch eine Kollegin beschreibt mich immer als Routinemensch, weil mein Leben aus vielen Routinen besteht (meine Mittagsläufe oder die Routinen mit der Familie). Sie lebt allerdings alleine und kann frei über ihr Leben bestimmen. Mit Familie ist man dagegen in viele Routinen eingebunden bzw. muss sich seine Lücken in diesen Routinen suchen. Aber wem erzähle ich das? Kennst du ja bestens. ;)

    • Sari

      Es geht dabei weniger ums Mögen… oder vielleicht doch ja, was denken die Leute, wenn man nein sagt… hm… ja, gute Frage. Aber es geht eben um dieses Gefühl, das unerträglich ist, wenn es dann gar nicht läuft.

  • Wolf Jäger

    Das mit den Kindern und der Schule kenne ich nur zu gut- habe ich doch 3 mittlerweile erwachsene Töchter. Auch auf der Arbeit fiel es mir früher schwer “nein” zu sagen- das hat sich geändert- ich werde dieses Jahr 60 und ich merke, das ich keine 30 mehr bin.
    Auch ich habe gelernt, das es wichtig ist auch mal “nein” zu sagen

  • Christine

    Ich glaube, in sowas wie es dir passiert ist rutscht man als Eltern schnell rein. Man will ja sicher auch einfach teilhaben und da sein. Aber die persönliche Grenzen sind eben immer so ein Ding. Bei dem Roboterfeld habe ich noch nie angefangen nachzudenken. Nein sagen kann ich auch in dem meisten Fällen (kommt sehr auf die Person an). Alleine schon, weil es irgendwie generell oft schon zu viel ist. Eigener Anspruch, eigene Interessen. Das braucht bei mir enorme Räume. Da sind kaum Lücken die was Anderes zulassen. Aber dieses immer und immer wieder das Gleiche machen müssen, das kenne wir vermutlich alle. Wobei es ja Leute geben soll die das entspannend finden.

    • Sari

      *lach* Ja stimmt ,manche gehen darin total auf! Das kenne ich auch und habe auch solche Leute in meinem Umfeld, die sich regelrecht darum reissen.

        • Sari

          Hm, ja sicherlich denkt man da dann nochmal “Die haben doch Zeit”, aber das ist wieder so eine Perspektiven-Frage, wie viel Zeit diese Leute wirklich haben!
          Aber es sind eben auch die, die beruflich total ausgelastet sind, die sich dem dann oft auch noch zusätzlich annehmen.

  • maipenquynh

    Ein spannender Gedankengang, den ich so noch nicht hatte :D. Ich habe das bisher immer genervt oder desinteressiert abgetan und wollte schnellstmöglich beweisen, dass ich kein Roboter bin.
    Das mit den immer gleichen Leuten, die Dinge übernehmen, kenne ich aus anderen Kontexten. Ich trage gerne im Ehrenamt bei oder übernehme hier und dort Projekte. Das macht Spaß und ist meist interessant, aber ja, es ist auch eine Belastung, denn Arbeit bleibt es ja trotzdem. Orga, mit anpacken etc. Und es wirkt oft so, dass es diese zwei Gruppen gibt: die, die immer anpacken (die kleinere Gruppe) und die, die mehr oder weniger passiv sind (die größere Gruppe). Was man da wohl nur machen kann, ist wie du schreibst: nein sagen; oder aktiv um Mithilfe fragen. Beides Dinge, die wiederum auch nicht immer die angenehmsten sind. Aber es lohnt sich.

    • Sari

      Man muss da einfach etwas direkter werden oder eben aufzeigen, dass es dann eben nicht läuft, wenn sich kein anderer findet. Dann klappt das schon irgendwie… naja… es ist grundsätzlich eben keine einfache Angelegenheit.
      Aber witzig, dass irgendwie scheinbar nur mich dieser Satz zum Nachdenken bringt *lach*

  • Julia

    So viel habe ich darüber bisher noch nicht nachgedacht. Allerdings ist es mir einmal passiert, dass da stand “Ich bin kein Roboter – Oder doch?”. In Gedanken habe ich auf “Oder doch?” geklickt und war dann raus.

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