Wo ist das Selbstwertgefühl bzw. das Selbstvertrauen hin?

Selbstvertrauen

Ich stehe vor dem Spiegel und ziehe das gefühlte 10. Kleid aus dem Schrank. Anfang des Jahres habe ich massiv ausgemistet und nur die Teile behalten, die ich schon immer gerne getragen und geliebt habe. Warum also gefalle ich mir nicht mehr in den Sachen, wenn es doch die auserwählten Lieblinge sind. 

Ich halte das weinrote Kleid hoch, das ich mir kurz vor Geburt des Heldenkindes gekauft hatte.

Es war das erste Kleid, das ich trug, nachdem das Heldenkind auf die Welt gekommen war. Ich besuchte mit langsamen Schritten und unter Schmerzen die Weihnachtsfeier in der Kita des Großen. „Schick siehst du aus“, sagte die Erzieherin zu mir und ja, ich fühlte mich auch schick. 

Jetzt stehe ich vor dem Spiegel und mag mir nicht in die Augen sehen. Ich lege es beiseite und ziehe ein anderes Kleid aus dem Schrank. Es ist dunkelblau und schlicht. Ich kann mich noch gut an die Worte meiner Arbeitskollegin erinnern, als wir gemeinsam nach Weihnachten shoppen gingen und unsere Gutscheine ausgeben wollten, die wir bekommen hatten. „Meine Güte, du siehst so schlank aus“; meinte sie damals zu mir. Der Miniheld war gerade ein halbes Jahr alt und ich kämpfte noch gegen die Restanzeichen der ersten Schwangerschaft. 

Ich hatte so viel Selbstvertrauen wie schon lange nicht mehr…

In den Jahren zwischen den beiden Schwangerschaften, fühlte ich mich wohl in meinem Körper. Klar, ich sah Fotos und in den Spiegel und hatte wie immer schlechte und gute Tage, aber ich fühlte mich dennoch überwiegend wohl. Ich trug Lieblingskleider, Lieblingsröcke, Shirts und Hosen und sie alle hängen noch heute in meinem Schrank und warten darauf, dass sie wieder ihren Einsatz finden. Sie erinnern an gute Zeiten und ich denke, wenn ich sie wieder anziehe, werde ich mich wieder fühlen wie damals.

Ich war gesund, bewegte mich viel und hatte einfach ein gutes Gefühl. Warum hat sich das nun geändert? Ich ziehe das nächste Teil aus dem Schrank, nachdem ich auch das blaue Kleid zur Seite gelegt habe. Eine Strickjacke mit Löchern. Innerlich sehe ich Fotos damit. Sie gehörte zu meinen Lieblingsteilen während der Schwangerschaft mit dem zweiten Kind. Ich hatte sie ständig an, denn sie war irgendwie für jede Jahreszeit geeignet und begleitete mich somit lange. Ich liebe sie auch immer noch, frage mich aber nun, was ich drunter ziehen könnte. 

Wo ist dieses Gefühl von Wohlsein und Sicherheit hin?

Ich möchte das gerne alles wieder haben. Denke, ich muss etwas ändern, um dorthin zurück zu finden. Stelle aber immer wieder fest, dass sich so viel eigentlich gar nicht geändert hat. Ein bisschen weniger Sport als vorher, aber dennoch ständig in Bewegung. Etwas weniger Schlaf und dafür tiefere Falten und Augenringe. Das kleine Bäuchlein will einfach nicht mehr weg gehen und ach, ich weiß auch nicht… Ich wäre gerne eine von denen, die sich mit Stolz eine schöne Mama nennen, aber das Gefühl will sich derzeit einfach nicht einstellen.

Ich mache den Schrank wieder zu.

Für heute kapituliere ich und greife wie immer zu der gemütlichen Leggings und meinen Lieblingspulli, den ich so gerne anziehe. Er ist zum Teil Schulter frei, leicht geschrägt nach unten hin, weit und schwarz. Ja, so fühle ich mich wohl.

Und über die Haare sprechen wir einfach nicht.

sari-unter

5 Kommentare

  1. Fühl dich fest gedrückt!

    Häng den doofen Spiegel mal ein paar Tage zu und trage das, wonach dir ist. Und frag deine 3 Männer ob es ihnen gefällt ;)
    Aber ich kann im Moment gut nachempfinden wie es dir geht. Auch ohne Kind. Dafür aber mit viel anderem Stress. Ich versuche mir immer wieder zu sagen, es kommen auch wieder andere Zeiten… mal sehen wie lange ich mir das noch glaube.

    • Sarah Kroschel

      Du hast natürlich Recht. Aber im Moment gehen Körpergefühl und Blick in den Spiegel miteinander konform. Da muss im Kopf einfach mal was passieren ^^

  2. Kenne das gut. Nach der zweiten Geburt kullerten die Kilos zwar sogar noch schneller als nach der ersten, aber ein Kugelbauch blieb. Ein bisschen mehr gegessen oder getrunken und ich sehe wieder aus wie schwanger. Sehe ich alte Fotos, fühle ich mich alt. Hach… Es hilft nix! Wir haben zwei Kindern das Leben geschenkt und so langsam hinterlässt die Zeit Spuren, die bleiben. Trotzdem! Noch geht es uns gut. Genießen wir es! Aufsehen, Krone gerade rücken und weiter geht’s.

    • Sarah Kroschel

      Naja, das mit den zwei Kindern sage ich mir auch immer und danns ehe ich andere mit zwei oder mehr, die sehen eben anders aus. Manchmal sehe ich aber auch welche, die sind dann kräftiger als ich oder stämmiger, man nenne es wie man will, und sie haben einfach diese schöne Ausstrahlung, die ich derzeit bei mir vermisse.

  3. Pingback: Hinter der Kulisse   - x-mal anders seinx-mal anders sein

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