Ich bin Frau, Mädchen, Mutter, Freundin, Geliebte, Hausfrau…

Kennt Ihr das Lied “I’m a bitch” von Meredith Brooks? “I’m a bitch, I’m a lover , I’m a child, I’m a mother…”, so heißt es unter anderem im Refrain und daran musste ich sofort denken, als ich ein Video aus einer Talkshow neulich auf FB entdeckte, in dem der Kabarettist Frank Schroeder über die Frauenrolle von heute spricht und in nur 50 Sekunden eine absolut lustige Aufzählung hinlegt voll von Erwartungen an die perfekte Frau von heute, die aber eben leider nicht nur lustig, sondern auch viel zu wahr sind. Ihr solltet Euch dieses Video unbedingt mal anschauen.

Das Video zieht inzwischen seine Kreise und sein Monolog wird an vielen Stellen neu besprochen und diskutiert (hier, hier und auch hier zum Beispiel) und ich glaube vor allem wir Frauen sitzen mit einem wissenden und leicht wehmütigen Lächeln daneben und finden uns in der einen oder anderen Erwartung wider. Und unweigerlich wirft sich bei mir die Frage auf: Welche Frau bin ich?

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Ganz klar: Ich bin eine Mutter. Habe ich doch zwei tollen Jungs das Leben geschenkt und helfe ihnen nun sich irgendwie einigermaßen im Leben zurecht zu finden. Ich bin aber auch Erzieherin. Nicht nur von Berufswegen her, sondern auch in den eigenen vier Wänden. Es gab mal eine Werbung, in der alle von ihren tollen Karriereentwicklungen sprachen und als dann eine Frau an der Reihe war, sah man eine schnelle Zusammenfassung ihres Alltags und sie sagte am Ende nur “Ich führe ein erfolgreiches Familienunternehmen” und gemeint war damit die Familie an sich, da sie Hausfrau und Mutter war, wie man das heute so gerne sagt. Ich bin aber durchaus auch eine kleine Karrierefrau. Ich bin Bloggerin. Ich bin eine Ehefrau, eine Geliebte und die beste Freundin, so wie mein Mann für mich der beste Freund ist, den ich haben kann. Ich bin Animateurin, denn ich bespaße gefühlt die Kinder von morgens bis abends. Ich bin Künstlerin. Irgendwie. Ich nutze das jetzt mal als Überbegriff für die kreativen Dinge, die ich täglich versuche und anstrebe. Ich bin Köchin und Bäckerin, Putzhilfe und Dienstmädchen. Ich bin Organisationstalent und Chaos in einem. Eine gesunde Mischung also. Ich bin Tochter und Schwester. Ich bin Freund, kann aber auch Feind sein. Ich bin die Schulter zum Anlehnen und das Ohr zum Zuhören, kann aber selber auch maulig und weinerlich sein und brauche dann genau das auch mal für mich. Ich bin emanzipiert, möchte aber auch manchmal einfach nur die Frau sein, die beschützt wird und den Mann machen lässt.

Eine Frau kann und muss vieles heute sein. Auch wir haben als Paar oft die Frage gehört, wann wir heiraten würden. Als das geschah folgte die Frage, wann dass 1. Kind kommen würde. Als das dann da war, ging die Frage automatisch in Kind 2 über…man müsse dem ersten doch ein zweites an die Seite setzen. Das mache man so und wir waren lange gar nicht unbedingt dafür zu haben. Es gibt so Idealbilder von Frau, Mann, Familie, Kind…wie etwas zu sein hat. Aber lässt sich das pauschal bestimmen. Wohl eher nicht. Man predigt immer gerne von individuellen Entwicklungswegen der Kinder, vergisst aber manchmal gerne darüber hinaus, dass man auch als Erwachsener ganz unterschiedliche Wege und ein ganz anderes Tempo benötigen könnte, denn wir lernen nie aus, sind ein Leben lang wie Kinder und entdecken die Welt ständig neu.

So gibt es denn wohl verschiedene Phasen für verschiedene Bilder, die man erfüllen kann. Oder wie seht Ihr das?

Und dennoch: Als ich das Video von Florian Schroeder sah, hatte ich sofort das Gefühl mich darin wieder zu sehen, musste anerkennend lächeln, dass er das so gut erfasst hatte, denn auch, wenn ich mich in viele Rollen dränge, so werden uns auch viele auferlegt, auch von uns Frauen…manchmal vielleicht sogar wirkilich vor allem von uns Frauen, habe ich den Eindruck…

Und wie ist das bei Euch?

sari-unter

6 Kommentare zu „Ich bin Frau, Mädchen, Mutter, Freundin, Geliebte, Hausfrau…“

  1. Das Video habe ich ebenfalls gesehen und musste dabei sooo lachen. Besonders der Schluss war genial *lach*
    Ich denke jede Frau kennt diesen Erwartungsdruck der Gesellschaft. Und jedem ist es selbst überlassen ob er sich diesen Druck (freiwillig!) unterwerfen mag oder nicht :)

  2. Ich denke auch, dass viel Druck von Frauen selber ausgeht. Aber auch die Männerrolle hat sich gewandelt. Der Mann ist auch nicht mehr einfach nur der Ernährer, auch er muss inzwischen für alle irgendwie da sein – auch nicht einfach.
    Während ich es sehr diskriminierend finde als Frau bei der Jobsuche ständig auf meine (permanent und immer potentiell krank werdenden, haha) Kinder reduziert zu werden, ist es umgekehrt sicher auch nicht leicht als Mann seinem Arbeitgeber zu erklären, dass man heute mal wieder nicht kommen kann oder dass man mehr als nur zwei Monate Elternzeit nehmen möchte. Aber immerhin bekommen sie trotz Kindern nen Job…
    Boah – bei dem Thema könnte ich immer in die Luft gehen!

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