Familiencafé

Als ich neulich aus dem Familiencafé fliehen musste…

Grundsätzlich sehe ich mich als einen ziemlich ruhigen und eher zurück haltenden Menschen. Vor allem, wenn es darum geht mich in neuen Situationen zu öffnen. In Konflikt geladenen Momenten bin ich eher die, die versucht die Dinge ruhig anzugehen und die in allem eigentlich vor allem das Harmonische sucht. Das ist nicht immer einfach und oft benötigt man dafür viel Empathie und Geduld. Manchmal, das muss ich ehrlich zugeben, habe ich auch einfach Angst vor den Konsequenzen, die eine Auseinandersetzung mit sich bringen kann. Ich verkrafte so etwas nur schwer. Also versuche ich die Dinge immer ruhig und für alle Beteiligten zufrieden stellend zu lösen… so viel nur mal vorneweg.

Neulich waren wir in einem Familiencafé

Da wollte ich schon immer gerne mal hin. Ich war sehr traurig, als das Eltern – Kind – Café aus finanziellen Gründen schließen musste, in dem wir damals den 1. Geburtstag des Großen gefeiert hatten. Als ich dann heraus fand, dass direkt bei uns in der Nähe ein anderes geöffnet hatte und tatsächlich schon länger bestehen konnte, hatte ich mir immer wieder vorgenommen mit den Kindern dort mal vorbei zu schauen.

Es hat tatsächlich 2 Jahre gedauert, bis ich mir einfach mal die Zeit dafür nahm. Ich packte das Heldenkind in die Trage und stiefelte nach seinem Mittagsschlaf mit ihm los. Da der Große krank war und wir alle zu Hause fest saßen, erhoffte ich mir so für den Kleinen etwas Bewegung und Abwechslung (und mir auch), bevor uns allen die Decke auf den Kopf fiel.

Familiencafé

Das Café ist wirklich sehr liebevoll gestaltet und die Menschen, die dort arbeiten, geben sich sehr viel Mühe, damit man sich bei ihnen wohl fühlt. Überall kleine Spielecken und Details zum entdecken. Die Speisekarte ist kinderfreundlich und bietet eine schöne Auswahl an. Bei schönem Wetter gibt es auch draußen Sitzgelegenheiten und einen Spielplatz. Es ist also im Grunde für alles gesorgt und als Eltern kann man ruhig mal einfach sitzen bleiben und die Kinder spielen lassen. Ich war und bin auch heute noch ziemlich begeistert davon.

Manchmal gibt es aber auch ein kleines Aber, denn wir mussten fliehen.

Das fand ich persönlich ziemlich doof und schade. Dass Kinder mal in Konflikte miteinander geraten und nicht unbedingt so harmonisch miteinander spielen, wie wir uns das ausmalen, das ist normal. Aber was mich dann doch stört, und da ist dieses aber, ist, wenn Eltern vollständig aufhören darauf zu achten, was ihre Kinder tun. Unsere Verantwortung ihnen gegenüber hört nämlich nicht auf, auch wenn wir ihnen Freiraum zugestehen wollen.

Familiencafé

In unserem speziellen Fall gab es zwei Dinge, die mich gestört haben. Wobei eine davon das Heldenkind prima alleine löste. Ein älterer Junge fand es nämlich unglaublich lustig ununterbrochen mein 1 1/2 Jahre altes Kind mit den Bällen aus dem Bällebad abzuwerfen. Das Heldenkind beschwerte sich mehrmals und sagte auch deutlich aua, was der große Junge dann auch ignorierte. Ich wollte schon etwas sagen, als das Heldenkind sich die Bälle nahm und das Gleiche einfach mit dem großen Jungen machte. Nicht die schönste Lösung, aber wirkungsvoll. Ich holte mein Kind aus der Ecke dann raus und wir spielten woanders. Die Mutter saß außer Sichtweite und bekam rein gar nichts davon mit. Auch ein anderes Kind kam schon weinend aus dem Bällebad, weil der Junge es immer wieder ärgerte.. schade. Wirklich.

Nerviger fand ich allerdings eine Familie, die das Familiencafé kurz darauf betrat

Eine Mutter, die Oma der Kinder und eben die drei Kinder. Ich würde sie auf ein Alter von 7-13 schätzen. Jeweils vielleicht 1-2 Jahre Altersunterschied. Sie sprangen sofort alle drei in das Bällebad und warfen sich und ihr Umfeld ab. Ohne Rücksicht auf Verluste. Die Bälle flogen dabei quer durch das Familiencafé. Dabei waren sie so laut, dass Gespräche kaum möglich waren.

Familiencafé

Mir ist natürlich bewusst, dass es in einem Familiencafé, in dem Kinder spielen, nicht unbedingt still und leise ist. Das ist auch gut so. Die Kinder sollen Spaß haben und nicht still auf den Plätzen sitzen. Jedoch sehe ich es nicht ein, dass das Ganze ein Ausmaß annehmen darf, bei dem es für alle anderen Gäste, Erwachsene wie auch Kinder, unmöglich wird, sich im gleichen Raum aufzuhalten. Man sah die rollenden Augen. Die Unruhe, die an den Tischen entstand und das Heldenkind, dass nicht so recht wusste, wo es nun hin kann.

Also bezahlte ich und wir gingen nach Hause. Auf dem Heimweg grübelte ich darüber, was mich an der Situation nun am meisten gestört hatte und wo ich da eine Lösung sah. Meine erste Reaktion war natürlich, dass 13 jährige Kinder einfach nichts in diesen Kleinkinder – Ecken zu suchen hatten. Ich bin mir bis heute nicht sicher, was nun richtig wäre, weil ich im Grunde denke, das jedes Kind das Recht darauf hat dort zu spielen. 

Familiencafé

Also ist meine bisherige Lösung, dass es in der Verantwortung der Eltern liegt darauf zu achten, dass jeder, der sich an so einem Ort aufhält,  an gewisse Regeln und Gepflogenheiten halten sollte, oder?

Wie seht ihr das und wie geht ihr das und wie würdet ihr in so einer Situation reagieren?

sari-unter

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8 thoughts on “Als ich neulich aus dem Familiencafé fliehen musste…

  1. Sehe ich absolut so wie du. Gerade die Älteren wissen ja nun schon was es bedeutet Rücksicht zu nehmen und ein 13 jähriges Kind im Bällebad… Ja naja. Geht sicher schon aber dass die Lautstärke die eines Konzertes annimmt und man vor Bällen in Deckung gehen muss… Nein. In der Indoor Spielarena hier bei uns ist das Bällebad generell nur für 0-3 Jährige. Sobald dort Ältere anfangen rabiat zu spielen schreiten oft die Eltern ein.

    1. Ich merke es aber auch oft auf Indoorspielplätzen, dass besonders die Großen da durch rasen als wären sie alleine auf der Welt.

  2. Ich gebe Dir Recht die Eltern sollen schon ein Auge auf die Kinder haben, egal ob Kinderecken oder nicht und egal wo man sitzt, ich habe schon immer mal geschaut, was meine so machten und man bekommt doch immer etwas mit. Wie heißt es: Eltern haben auch hinten Augen 😉
    Was ich besonders schön fand und ja auch wichtig: Das Dein Junge sich gewehrt hat (auch wenn es vielleicht etwas unpädagogisch ist), wir haben das unseren Mädchen immer gesagt, das sie sich nicht einfach alles gefallen lassen sollen.
    Schönes Wochenende
    Kirsi

    1. Unpädagogisch. Nett formuliert ^^
      So sehe ich es halt auch: Man sollte immer ein Auge drauf haben oder zumindest ein Ohr und sich nicht vollkommen der Aufsichtspflicht entziehen.

  3. Ich sehe das genauso wie du und finde es schade das du geflüchtet bist und nicht einfach die Situation geregelt hast .
    Mit Empathie und ein paar klaren aber netten Worten zu den Kindern hättet ihr bestimmt noch einen entspannten Mittag gehabt…
    Ich sage anderen Kindern immer wenn mich etwas stört und warum ich das nicht gut finde … meiner Meinung nach besser als Fehlverhalten gewähren zu lassen und die Eltern der anderen Kinder haben sich eigentlich immer bedankt wenn sie es mitbekommen haben.
    Auch ich habe meine Kinder (vor allem die Größeren) nicht immer im Blick und bin natürlich froh wenn meine Kinder dann sofort gebremst werden wenn sie im Spieleifer mal übers Ziel hienausschießen

    1. Ja, wie gesagt, zu dem älteren Jungen habe ich kurz was gesagt und dann hatte der Kleine das Problem ja von alleine gelöst.
      Man will ja am Ende auch nicht die Motzmama sein, die andere Kinder oder gar Eltern zurecht weißt. Aber ich werde beim nächsten Mal sicher anders reagieren.

  4. Sehe es auch so, aber ich hätte nicht einfach nur die Flucht ergriffen, sondern die Eltern mal drauf hingewiesen, dass dies ein Ort ist, da dem man aufeinander Rücksicht nehmen muss. Dies sei kein indoorspielplatz. Auch hätte ich den Cafe-Personal Bescheid gegeben, dass es unzumutbar ist und man daher nun geht. Den nur wenn man sich beschwert, wird sich auch etwas ändern.

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