Unsicherheit, die nicht weg geht…

sari-feb2013Wenn man viele Jahre lang ein Problem hatte, vor dem man einfach die Augen verschlossen hat und sich dann irgendwann doch eingesteht, dass da ein Problem ist, dann züchtet man sorgfältig eine Menge an Unsicherheit heran, die man irgendwann nicht mehr einfach so ablegen kann…

Vor vielen Jahren, da wollte ich es einfach nicht sehen. Ich wollte nicht sehen, dass ich ein Problem mit dem Gewicht hatte. Ein Mal wagte mein Vater es mich darauf hinzuweisen, dass die ausgesuchte Hose vielleicht nicht passen könnte, weil mein Po etwas zu breit dafür war. Dann war da der Mantel, den ich unbedingt haben wollte, den es aber nur eine Größe kleiner gab und mein Vater sagte, dass wir ihn kaufen würden, wenn ich versprechen würde, darauf zu achten, was ich so esse… irgendwann hatte das sogar ganz gut geklappt und ich passte in den Mantel. Aber naja, wie das Leben so spielt, man vernachlässigt die Dinge gerne. Der Mann hatte schwere Not mit mir, weil ich mich nicht bewegen wollte und meine Liebe für Schokolade voll auslebte und jedes Mal, wenn ich ihn bat mir dabei zu helfen ein wenig auf meine Ernährung zu achten, fing er sich einen zickigen Spruch meinerseits ein, weil ich die Hinweise dann einfach nicht hören wollte…

Als ich dann irgendwann endlich akzeptierte, dass etwas passieren musste, da war die Unsicherheit besonders deutlich zu spüren. Vor allem, wenn es darum ging etwas neues zum Anziehen zu kaufen. Musterten einen die Leute? Dachten sie vielleicht „Was will die denn in diesem Laden hier, sollte die nicht eher zu Ulla Popken“ und wie sie nicht heißen, die Läden?! Man redete sich ein, dass die „Big is Beautiful“ – Abteilung ja auch hübsche Sachen hat (hat sie wirklich, davon mal abgesehen) und hach… ich wartete immer auf den Tag, wo mir eine Verkäuferin dezent den Weg aus dem Laden raus weisen würde. Das ist ziemlich verrückt, ich weiß, aber man sieht sich ja nun mal nicht mit den Augen anderer, sondern nur mit den eigenen und die Wahrnehmung geht ja nun doch meist himmelweit auseinander. Das kann einen wirklich extrem verunsichern.

Warum erzähle ich Euch das? Nun ja, ich habe neulich festgestellt, dass diese Angst, diese Unsicherheit, obwohl nun wirklich nicht mehr nötig, nach wie vor da ist. Ich stand in einem Laden, ein Kleid in der Hand in zwei Größen. Die kleinere Größe bekam ich nicht alleine zu (zu kurze Arme?) und die größere Größe…naja, sie passte, aber ich denke, die Zwischengröße wäre perfekt gewesen. Als ich also aus der Kabine trat, um den Mann um seine Meinung zu bitten, kam sofort eine Verkäuferin auf mich zu, um mich zu fragen, wie ich das Kleid fände (hasst Ihr diese aufdringliche Art, die von Verkäufern erwartet wird genauso sehr wie ich? ). Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf und über allen schwebte die Frage „Wird sie mir gleich eine Nummer größer bringen oder mich bitten das Kleid schnell wieder auszuziehen?“. Ja, ich weiß. Das ist total bescheuert, denn ich habe ja auch in das Kleid 2 Nummern kleiner gepasst, also war dieses definitiv nicht zu klein für mich…

Ich fand es schon seltsam, dass ich sofort wieder eine innerliche Panikattacke erlitt und das obwohl ich seit damals 5 Kleidergrößen kleiner trage. Da sieht man mal, wie sehr man durch eine lange Zeit hindurch geprägt werden kann und wie sich Gefühle, Erlebnisse und Erfahrungen in einen einbrennen…

Kennt Ihr das? Habt Ihr auch solche unnötigen Unsicherheiten, die Ihr einfach nicht ablegen könnt?

7 Kommentare zu „Unsicherheit, die nicht weg geht…“

  1. Liebe Sari, dass ist doch völlig normal.
    Freu dich, dass du es erkannt hast und nun hast du die alten Unsicherheiten auch erkannt und wirst sicherlich auch diese ablegen mit der Zeit.
    Ist es nicht so, dass man Probleme nur lösen kann, wenn man sie erkennt, akzeptiert und bereit ist an ihnen zu arbeiten?

  2. Bin da auch Evas Meinung. Du hast das Problem erkannt und nur wenn man es sich selbst eingesteht, kann man auch was dran ändern. Deine Unsicherheit kenn ich auch, die gibt es doch in vielen Bereichen. Als Jugendliche waren meine Proportionen auch mal anders und auch nach dem Kleinen sind sie verständlicherweise anders. In manche Größe hab ich nie reingepasst und werde ich nie, aber ich bin immer stolz, wenn ich in die kleinere die noch bleibt reinpasse.

    Und manchmal ist Kleidung auch einfach nicht an einer Größe festzumachen, da sie von Laden zu Laden unterschiedlich geschnitten ist. Da passt in dem einen dann die kleinere Größe, wo man im anderen eine oder zwei größer brauch.

    Ich hab auch immer ein komisches Gefühl, wenn die Verkäuferinnen auf einen zugerannt kommen und fragen, ob sie helfen können oder das es doch super aussieht, obwohl ich mir da nicht so sicher bin.

    Hast du das Kleid denn in der Nummer Kleiner gekauft?*neugierig*

  3. Liebe Sari
    Da ich nicht dieselbe aber eine doch sehr ähnlich Gewichts-Geschichte habe, kann ich dir gut nachfühlen. Das Selbstbild kommt mit der Veränderung des Körpers nicht mit. In meinem Kopf bin ich immer noch das dicke Mädchen, dass ich mal war. Auf Fotos bin ich dann immer positiv überrascht, dass ich das nicht mehr bin, sondern so schlank wie alle anderen aussehe. Das erstaunt mich dann ernsthaft, auch wenn ich es doch eigentlich eriss Ich glaub der Kopf braucht einfach mehr Zeit. Ich hoffe zumindest, dass er irgendwann realisiert, dass der Körper sich verändert hat und ich keine Angst mehr haben muss, mollig zu wirken, nur weil ich eine enge Jeans trage.

  4. Wir sind Frauen… Übermäßige Selbstkritik ist uns angeboren, denke ich. Und ja, auch ich kenne solche Gedanken und Selbstzweifel und wenn mir das jemand an den Kopf wirft à la „Hast du doch gar nicht nötig“, glaube ich ihm nicht. *hüstel* Dafür nehme ich es mir gehörig zu Herzen, wenn mich jemand auf meine Problemzonen anspricht und würde am liebsten direkt in Hungerstreik treten. Allen gefallen kann man nicht, sich selbst am allerwenigsten?!? Trotzdem, da müssen wir Mädels an uns arbeiten schätze ich, denn Selbstbewusstsein ist sexy. *zwinker*

  5. @Maru: Ist Selbstbewusstsein wirklich sexy. Ich hab immer das Gefühl, dass wir dann gerne als eitel und überheblich rüberkommen. Eigentlich sollen wir doch immer zaghaft und verletztelich sein und den Beschützerinstink wecken, oder?? *lach* Das kann ich *gg*

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