Der Termin rückt näher und ich schiebe so vieles vor mir her…

Ich stehe im Stoffladen meines Vertrauens. Sie haben eine neue Mitarbeiterin und wir mustern uns gegenseitig immer iweder ganz verstohlen, bis ich es einfach frei heraus sage: „Wir kennen uns, wir hatten letztes Jahr auf der einen Veranstaltung zusammen einen Stand“ und ja, sie strahlte mich breit an, sie erinnerte sich natürlich. Der Blick wandert zum Bauch und Glückwünsche folgen. Andere Damen klinken sich in das Gespräch ein, als sie hören, dass es das zweite Kind ist. Die Frage nach dem „Wie lange dauert es noch“ folgt und dann viele Erfahrungsberichte, denn alle haben das, was ich hier gerade erlebe, bereits hinter sich und 2 oder gar 3 Kinder zu Hause.

„Die Zeit verfliegt beim 2. Mal so schnell“, sagt die eine, „man kam gar nicht so richtig zum Genießen, oder?“. Die andere erwiderte „Ich wollte irgendwann nicht mehr und bin wie verrückt Treppen gestiegen, damit das Baby früher kommt. Es war alles fertig, ich fühlte mich einfach nur noch unförmig und unwohl, ich wollte einfach nur noch, dass es da ist“. Etwas verwundert blickte die erste Frau sie an, aber soll ich Euch etwas verraten, ich kann es ein bisschen verstehen. Die zweite Schwangerschaft verlief doch etwas anders, als die erste. Zwar kann ich mich nicht beklagen, ganz ehrlich, denn auch dieses Mal blieben Wassereinlagerungen, Besenreisser und neue Hautrisse usw. (bisher) aus und ich kann spazieren gehen, schöne Sachen machen und dergleichen…aber…ja, da ist es wieder, dieses böse Wörtchen… aber ich fühle mich dieses Mal doch deutlich unbeweglicher, als beim 1. Mal. Das Ziehen ist stärker, die Schmerzen häufiger. Das mag sicher auch daran liegen, dass das Heldenkind scheinbar dieses Mal nicht so groß wie sein Bruder wird und somit sich auch anders auf alles hier auswirkt, aber natürlich sind die ganzen Konstruktionen in mir drin schon vorbelastet und das merke ich dieses Mal deutlich. Manchmal ist es nur ein kurzer Gang zum Einkaufsladen und ich komme zurück nach Hause und denke, ich breche gleich ein. Der Bauch fühlt sich unendlich groß und schwer an und an manchen Tagen wäre ich froh, wenn er dann nun auch langsam mal wieder weg wäre… früher kommen, so 2 Wochen…das hört sich doch dann ganz schön verlockend an, meint Ihr nicht? Es nervt nämlich schon ein bisschen, wie anfällig ich dieses Mal vor allem auf die vielen Umwelteinflüsse reagiere. Wir hatten schon Minusgrade und ich fror so sehr, dass ich mich doch tatsächlich dazu entschloss mir doch noch eine Umstandsjacke anzuschaffen, um über die letzten Wochen zu kommen, in der Hpffnung sie dann auch im restlichen Winter in Kombination mit der Babytrage nutzen zu können. Für die ersten Tage habe ich die Anschaffung auch kein Stück bereut, es war gleich deutlich kuscheliger und so schwer war es dann doch gar nicht so eine Jacke, wie diese zu finden. Wären jetzt nicht plötzlich die milden, fast frühlingsartigen Temperaturen zurück gekehrt (O-Ton wärmster November seit langem), die mir das Atmen wieder so sehr erschweren…

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Gleichzeitig merke ich aber auch, wie alles noch so unwirklich erscheint. Ich sehe die Sachen. Das Bettchen, das mit Babykleidung gefüllte Regal, die Kliniktasche, die mich vorwurfsvoll anstarrt, weil sie immer noch nicht so richtig gepackt ist…ich schiebe das alles irgendwie (wieder mal) von mir weg. Was soll ich denn in die Tasche paclen? Ich trage die Sachen doch alle noch? Da stehen doch noch so viele Termine an in den nächsten Tagen und Wochen, alleine für den Minihelden und man möchte keinen einzigen verpassen. Was soll ich also machen? Und dann denke ich manchmal: Wenn Baby jetzt schon da wäre, könnten wir das alles gemeinsam machen…und dann wieder…hm…ne, lieber nicht, es soll sich schön entwickeln und mir noch etwas Zeit geben. Was ich so wirklich will, das scheine ich also so gar nicht zu wissen. Der Mniheld hingegen weiß es ganz genau. Er weiß ganz genau, welchen Namen er für das Baby will und dass es jetzt kommen soll, er weiß wo es schläft und was er mit ihm spielt und was es später mal werden wird. Ahje…*lach*. Ob das gut geht?

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Es folgen dann diese Tage, in denen ich denke, ich komme einfach nicht zur Ruhe. Man sagt ja immer, man soll einen Gang runter schalten. Sich nicht stressen lassen, das merke das Baby. Und dann bricht die große Erkältungswelle um einen herum aus. Man sorgt sich um Mann und Kind, umsorgt sie, rennt immer wieder zum Arzt und findet keine innere Ruhe. Die Hormone machen all diese Emotionen noch viel schlimmer und man fühlt sich an manchen Tagen an die Grenzen des Möglichen gebracht und möchte eigentlich nur noch weinen. Diese blöden Hormone, denkt man dann… Dann liegt man beim CTG und das Heldenkind beschließt den großen Turner zu machen, seinen Puls so hoch zu treiben, dass das Gerät piept und wieder kommt die innere Panik, dass irgendetwas nicht in Ordnung wäre. „Er bewegt sich nur viel, ist ein großer Turner heute“, beruhigt die Sprechstundenhilfe und notiert ein „lebhaft“ neben der Zahl im Mutterpass und du streichelst über deinen Bauch, merkst die Tritte, die deine Handfläche treffen und fragst dich, ob wirklich alles ok ist. Aber sie hat es ja gesagt, also was soll schon sein. Das Kopfkino ist gerade in den letzten Zügen enorm aktiv bei mir und ich bin etwas müde und ausgelaugt.

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Eine Woche später nach dem Turner-CTG dann wieder der Besuch beim Arzt. Alles ok, sagt dieser. Wir sind nun langsam bereit für den kleinen Mann, eine Woche auf jeden Fall noch durchhalten und dann mal sehen, ob wir uns überhaupt nochmal in 2 Wochen sehen und du denkst beschämt gleich wieder an die Klniktasche, in der sich gerade mal Zahnpasta und Zahnbürste befinden. Noch 4 Wochen, das sagt mir der Kalender, 2 durchaus möglich laut Arzt… Der Held sitzt abends manchmal da und schüttelt den Kopf, murmelt ein „Oh man“ und kann es selber kaum glauben, wie die Zeit an uns vorbeigerast ist…

Nicht mehr lange…

sari-unter

Kategorie Gedankenwelt, Heldenkinder

Frau Mondgras – Das bin ich, Sari. Gerne auch als Sari Mondgras bekannt und im Internet zu finden. 2-Fach-Mutter, Heldenehefrau, Kreativling, Harmoniesüchtig und ständig auf der Suche nach Glück. Ich komme aus Berlin, bin hier aufgewachsen und lebe hier seit ich denken kann.

10 Kommentare

  1. Na immerhin schon mal Zahnbürste und -pasta! 😉
    Ich kenne dieses ‚wann ist es endlich vorbei‘, aber ich war ja auch problematisch.
    Mach dir nicht so viele Sorgen um den Zwerg, dem geht’s gut!

    Ich drück dich

    • Also eigentlich sind sogar schon Handtücher und binden und was zum Lesen drin…aber bei Klamotten tue ich mich totaaaal schwer ^^

  2. Und wir Fieber mit Leib und Seele mit. Ich werde mein Handy dann ab übernächste Woche etwa ans Bett legen. Man weiß ja nie wann die frohe Kunde die Runde macht.

  3. Puh, die Zeit vergeht wirklich schnell. Es war doch erst im Sommer, wo du die kommende Ankunft des Heldenkindes angekündigt hast. :D

    Ich wünsche dir, dass du die Zeit bis dahin genießen kannst. :)

  4. Ich muss ja auch sagen, dass ich hier ganz schön mithibbel. Und der Kleine ist garantiert in Ordnung, deshalb turnt er ja so :) Fühl dich gedrückt, es kommt alles zur rechten Zeit.

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