„Das Theater von nebenan“ von Sonja Danowski #Rezension

Sonja Danowksi

Rezension*

Als Kind hatte ich ein kleines Puppentheater im Zimmer stehen. Man konnte es von zwei Seiten nutzen. Auf der einen war es, wie gesagt, ein Puppentheater, und auf der anderen eine Art Verkaufsladen. Ein paar Puppen hatte ich auch. Nicht viele, aber dafür besondere. Natürlich einen Kasper und einen Seppel, eine Prinzessin und ein grünes Krokodil. Meine liebste Handpuppe war aber ein Hund. Er war aus dicken, braunen Kordstoff und hatte einen schweren, großen Kopf. Wenn ich heute so an diesen Hund denke, dann war er vielleicht sogar handgemacht. Wer weiß, Ahja… und einen Fuchs. Ich liebte diesen Fuchs, denn er erinnerte mich immer an Herrn Fuchs vom Sandmännchen. Er hatte einen grünen Jägerhut und schmale, listige Augen.

Und so gab es dann und wann mal eine Theatervorstellung mit meinen Puppen

Meist wurde natürlich die Prinzessin gerettet. Vor dem bösen Krokodil, nur dass es bei mir oft der listige Fuchs war, der sie mit seinem schlauen Verstand befreite und das Krokodil austrickste. Manchmal war das Puppentheater aber auch kein Puppentheater, sondern ein Fenster, durch das ich schaute oder gar eine Dusche mit einem Duschvorhang. Kindliche Fantasie. Manchmal scheint sie unendlich, oder?

Hatte ihr als Kind ein Puppentheater oder haben eure Kinder jetzt eines? Lange Zeit hatte ich für die Jungs über eines nachgedacht, mich dann aber doch vorerst dagegen entschieden.

„Das Theater von nebenan“ von Sonja Danowski

Heute möchte ich euch ein ganz zauberhaftes Bilderbuch aus dem Bohem Verlag vorstellen, was sich ebenfalls mit dem von mir oben beschriebenen Thema beschäftigt. „Das Theater von nebenan“ von Sonja Danowski erzählt von den beiden Kinder Pia und Pablo, die sehr viele solcher Puppen ihr eigen nennen.

Sonja Danowksi

Oft sitzen sie gemeinsam im Garten und lassen ihre Puppen mit verschiedenen Stimmen miteinander sprechen. Es wirkt, als wären diese Puppen kein Spielzeug für sie, sondern vielmehr lieb gewonnene Freunde, die sie durch ihren Tag begleiten. Da wäre zum Beispiel Dr. Kamille, Koch Estragon oder Gärtnerin Linda. Ihr merkt schon – Alleine die Namen der Puppen scheinen etwas Besonderes zu sein.

Eines Tages zieht ein neues Kind in ihrer Nachbarschaft ein

Nebenan wohnt nun der Junge Ricky. Dieser hat eine Leidenschaft für Flugzeuge und Autos und Pablo verbringt auf einmal sehr viel Zeit mit dem neuen Nachbarn anstatt mit seiner Schwester Pia. Diese ist nun häufig alleine und fragt sich, ob Pablo ihr Puppentheater überhaupt noch mag. Immer wieder versucht sie ihn zu animieren wieder mit ihr und ihren kleinen Freunden zu spielen, doch Pablo verbringt fast jeden Tag bei Ricky.

Bis dieser krank wird und nicht draußen spielen kann. Da schlägt Pia ihrem Bruder vor Ricky zu besuchen und ihm ein Theaterstück vorzuspielen…

Eine Geschichte über Freundschaft, Konflikte und Gefühle bei Kindern

Was mir zuerst in der Geschichte ins Auge fiel, das waren die unterschiedlichen Eigenschaften der Kinder. Obwohl Pablo und Pia Junge und Mädchen sind, so hatten sie irgendwie viel gemeinsam und verbrachten viel Zeit zusammen. Alleine die Tatsache, dass man sie zusammen mit Puppen spielen sieht, gefiel mir sehr gut. Ricky hingegen ist das absolute Gegenteil von den beiden. Puppen interessieren ihn gar nicht. Im Gegenteil: Er findet sie sogar richtig doof. Dafür baut und bastelt er gerne Fahrzeuge. Seine Art wirkt recht grob und platt, teilweise sogar unfreundlich, so dass ich ihn erst einmal gar nicht sympathisch fand. Das ändert sich aber zum Ende der Geschichte hin, denn hier zeigt sich, dass er mit seinen Fähigkeiten noch viel mehr kann.

Pia hingegen ist ein waches und sensibles Gemüt. Schnell erkennt sie, dass ihr Bruder die Puppen nur deshalb nicht mehr nutzen will, weil sein neuer Freund sie doof findet. Sie fühlt sich dadurch zeitweise sehr einsam, gibt aber nicht auf und wird am Ende dafür belohnt.

Eine schöne Geschichte über die verschiedenen Gefühle von Kindern, die sie in so einem Moment durchleben.

Sonja Danowksi

Hinzu kommt der wirklich wunderschöne Stil von Sonja Danowski. Ihre Zeichnungen sind so detailreich und die Kinder wirken in ihren Bildern so real, dass es sich manchmal anfühlt, als würde man nicht ein Bild, sondern ein Foto betrachten. 

Das Buch umfasst 56 farbig illustrierte Seiten und zielt auf eine Altersgruppe ab 3 Jahren ab. Erschienen ist es im Bohem Verlag. Ein wirklich schönes Bilderbuch, das wir euch nur ans Herz legen können.

*Anmerkung: Dieses Buch wurde uns für diesen Beitrag vom Bohem Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt

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