„Der Ickabog“ von J.K.Rowling #Rezension

Der Ickabog

Rezension*

Gott, war ich aufgeregt, als es hieß, dass dieses Buch erscheinen würde. Wie viele andere auch haben die Werke von J.K.Rowling mich durch viele Jahre meines Lebens begleitet und manche Abschnitte davon durchaus auch ein wenig geprägt, wie ihr ja sicherlich wisst. Sie hat eine magische Welt für uns geschaffen, die gerade in den letzten Monaten oft zu einer kleinen Realitätsflucht eingeladen hat *lach*. Als sie dann im letzten Jahr während des Lockdowns anfing nach und nach Kapitel eines alten Kinderbuches, an dem sie für ihre Kinder geschrieben hatte, frei zugänglich für die Kinder da draußen zu machen, die gewissermaßen zu Hause eingesperrt waren, war ich wirklich ziemlich aus dem Häuschen.

So lange hatte man nach Harry Potter neben der üblichen Presse nichts Neues von ihr gehört. Das Ganze wurde dann auch ziemlich groß aufgezogen und die Kinder von überall dazu aufgefordert zu den einzelnen Kapitel Bilder zu malen, die zeigen, wie sie sich den Ickabog oder die verschiedenen Personen und Szenen aus der Geschichte vorstellen. Aus all diesen Bildern wurden einige wenige ausgewählt, die dann später in die gedruckte Version aufgenommen werden sollten. So wurde das alles zu einem coolen und spannenden Gemeinschaftsprojekt und das Ergebnis davon möchte ich euch heute präsentieren.

Der Ickabog

„Der Ickabog“ von J.K.Rowling

Vielleicht zu Anfang ein paar Worte zum Inhalt: Die Geschichte spielt in dem Land Schlaraffien, in dem alle glücklich und zufrieden miteinander Leben. Unterteilt ist es in einzelnen Städte, die sich für verschiedene Güter verantwortlich zeigen. So gibt es eine Stadt für guten Wein, eine für leckeres Gepäck und ein anderes für das beste Fleisch, was es weit und breit gibt. Und dann gibt es noch das Marschland ganz am Rand von Schlaraffien, wo sich die Ärmsten des Volkes aufhalten und Geschichten um ein Monster kursieren, das aber keiner so wirklich je gesehen haben will. Es gibt Geschichten und Gerüchte, verschiedene Versionen von seinem Aussehen und Auftreten und immer wieder mal taucht ein Dorfbewohner auf und behauptet ihn gesehen zu haben, den Ickabog. Doch nie waren diese Geschichten allzu Besorgnis erregend.

Geführt wird das Land von dem jungen König Fred, der ganz wie sein Vater ein guter und gütiger König sein möchte. Zusammen mit seinen eher fadenscheinigen Beratern, die sich vor allem im Reichtum des Königs gut gehen lassen, regiert er mehr oder weniger ein Land, das sich durchaus auch sehr gut im Griff hat.

Bis eines Tages ein Bauer aus dem Marschland auftaucht nach tagelanger Wanderung, hungrig, verzweifelt und verängstigt, und von einem Angriff des Ickabogs erzählt, der angeblich seinen Hund aufgefressen haben soll. Mutig beschließt der König dem auf den Grund zu gehen und reist mit seinen Beratern in die Marsch.

Und hier nimmt die Geschichte einen tragischen Lauf…

Ich will gar nicht all zu viel vorweg nehmen, doch genau an dieser Stelle geschehen Dinge, die den Frieden in Schlaraffien ins Wanken bringen und eine große und recht tragische Veränderung los treten, die über einen langen Zeitraum hinweg das Leben vieler verändern wird.

Ob es den Ickabog wirklich gibt? Was meint ihr? Im Laufe der Geschichte begleiten wir nun Spuckelwert, einen der Berater vom König, den König selber, aber auch einige Bewohner und Kinder durch diese Zeit und lernen viel über politische Handlungen und Bewegungen in einer etwas anderen Form. Aus vielen verschiedenen Perspektiven werden die Geschehnisse betrachtet und teilweise empfinde ich die Geschichte als erschreckend realistisch bzw. kann ich mir gut vorstellen, dass es auch bei uns in stillen Kämmerchen sicherlich so abgeht.

Es ist eine interessante und spannende Geschichte rund um ein Monster, um eine Art Spuckgeschichte, die ein ganzen Land in Aufregung versetzt und für viele Unsicherheiten sorgt. Hier werden Ängste geschürt und ausgenutzt, Konflikte entstehen und es wird deutlich aufgezeigt, wie leicht manche Menschen zu beeinflussen sind. Verpackt in einer Geschichte für Kinder. Ältere Kinder, wie ich finde.

Der Ickabog

Ein Märchenbuch für große Kinder

Die Geschichte liest sich wirklich wie ein Märchen. Es werden Kulissen und Figuren geschaffen, die definitiv an die Form eines Märchens erinnern. Alleine, dass nicht so genau gewusst wird, wie der Ickabog selber aussieht, regt die Fantasie beim Lesen immer wieder aufs Neue an. Vielmehr zeigt „Der Ickabog“ aber deutlich auf, wie so eine Diktatur entstehen kann und wie es dazu kommt, dass viele es einfach geschehen lassen. Das macht das Buch aus meiner Sicht besonders für größere und große Leser zu einer wirklich interessanten Lektüre.

Untermalt mit den vielen farbigen Bildern der Kinder aus der Lockdown-Zeit 2020, bekommt das Buch nochmal einen recht schwungvollen und lebendigen Charakter. Beim Betrachten der Bilder habe ich oft überlegt mich selber nochmal an einer Bildumsetzung zu versuchen und vielleicht mache ich das irgendwann auch nochmal (Fanart ahoi!).

Von den kindlichen und bunten Bildern darf man sich aber wirklich nicht irritieren lassen, denn der Inhalt ist manchmal wirklich ein wenig erschreckend bzw. nimmt Rowling kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht die „Schreckensherrschaft“ darzustellen. Daher würde ich es jetzt zum Beispiel nicht dem kleinen Sohn vorlesen, dem großen vielleicht schon, aber der ist auch schon älter als 8. Ich würde wohl auch eher mit 10 Jährigen mit dieser Lektüre anfangen, je nachdem, wie ich mein Kind so einschätze.

Insgesamt umfasst das Buch 352 Seiten in überschaubaren Kapiteln, die immer recht kurz gehalten sind und manchmal sogar nur über 2-3 Seiten gehen. Ich persönlich habe das als sehr angenehm empfunden, weil man so wirklich immer mal ein zwei Kapitel zwischendurch lesen konnte. Insgesamt befinden sich 34 bunte Illustrationen von Kindern zwischen 7-12 Jahren aus dem Malwettbewerb in dem Buch und verleihen der Geschichte einen netten Charakter.

Der Ickabog

Als kleines Fazit: Ich finde es ist wieder ein sehr gelungenes, aber auch kritisches Werk von J.K.Rowling, das sich von der Art her sehr von den Harry Potter Geschichten unterscheidet. Die Erzählweise wirkt auf mich etwas anders, aber dennoch flüssig und insgesamt ist es ein lesenswertes Buch, das man aus meiner Sicht durchaus aber auch mit den Kindern zusammen lesen kann, um in Anschluss vielleicht auch mal darüber zu sprechen.

*Anmerkung: Das Buch wurde uns vom Carlsen Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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