Langsam kehrt wieder Ruhe ein – Die Sache mit den Schüben…

ruhenachschub01

Ohje, ich wachse…dieses Drama kennen wir ja sicher alle. Immerhin sind wir alle im Laufe unseres Lebens gewachsen. Im Idealfall. Nicht wahr? Bis zum Ende machen wir eine Entwicklung nach der anderen durch und ständig wirft es uns aus der Bahn. Warum sollte es den Kindern da anders gehen? Nur weil sie klein sind, heißt das nicht, dass das alles wie in einer Traumwelt an ihnen vorbei zieht. Wenn das alles nur nicht immer so unglaublich schwer wäre.

Ohje, ich wachse…das Drama mit den sogenannten Schüben!

Eine beliebte Lektüre für Eltern im ersten Jahr ist das Buch „Ohje, ich wachse..(Affilitate-Link). Es wird gerne empfohlen und gelesen, weil es vielen Eltern dabei hilft ihr Kind in den verschiedenen Phasen besser zu verstehen. Mir hat es leider gar nicht geholfen. Zumindest nicht beim Minihelden damals. Es wird zwar immer wieder betont, dass die Kinder sich selten im gleichen Tempo entwickeln, aber der Miniheld passte so gar nicht mit den Tabellen zusammen, so dass ich bereits nach kurzer Zeit das Buch erst weg legte und dann ganz verschenkte an eine Freundin, die damit mehr anfangen konnte.

Umso überraschter bin ich, dass die Phasen des Heldenkindes dieses Mal ziemlich gut zu den Zeiträumen der Tabelle passen. Die Anzeichen und Symptome sind zwar wieder nicht unbedingt die selben, aber zumindest denke ich jedes Mal, wenn der Kleine mal wieder extrem wird, dass das ganz gut zusammen passt. Ich gebe zu, es ist hilfreich, wenn man auf die Zeiträume schaut und aufgezeigt bekommt, dass da in ein zwei Wochen ein Ende in Sicht sein könnte. Und tatsächlich…plötzlich wird es dann auch wieder ruhiger im Heldenhaushalt. Dieses Mal nutze ich übrigens, total fortschrittlich, die App (und nein, das ist keine Werbung hier, nur ein Erfahrungsbericht).

Wie meine Kinder ihre Entwicklung erleben!

ruhenachschub02Man denkt immer gar nicht, dass Kinder so unterschiedlich sein können, wo sie doch die selbe Liebe und Nähe erfahren und nicht plötzlich von anderen Menschen groß gezogen werden. Einziger Unterschied dieses Mal ist ja nur, dass da eben noch eine dritte Person (der Miniheld) täglichen Einfluss auf das Heldenkind ausübt. Und dennoch. Meine beiden Kinder erleben alles doch ziemlich unterschiedlich.

Mal abgesehen von der Tatsache, dass das Heldenkind früher läuft und schneller Zähne bekommen hat, leidet dieses mehr unter den Zähnchen und ist deutlich temperamentvoller. Nachts kann sehr viel dramatischer geschrien werden und beruhigt werden lässt man sich auch nicht so schnell. Ich habe das Gefühl das Heldenkind lacht mehr als der Miniheld (sofern das überhaupt möglich ist) und kann auch besser mal alleine spielen. Dafür weint er aber auch viel öfter, wenn ich mal den Raum verlasse und kuschelt sich mehr an, wenn ich in der Nacht komme. Vielleicht ist auch vieles vom Minihelden damals in meinem Kopf vernebelt, aber mit dem Heldenkind haben wir irgendwie nochmal einen vollkommen anderen Charakter im Heldenhaushalt bekommen und das ist irgendwie anstrengend, spannend, aber auch total schön.

Nach dem Sturm folgt die Ruhe…

Die letzten Wochen waren, mal gelinde gesagt, sehr stürmisch. Wenig Schlaf, wenig Ruhe, viel Weinen, viel Leiden, viel Nähe für ein Kind, das scheinbar viel zu verarbeiten hat. Manchmal bin ich wie ein Mombie durch den Alltag geschlichen und habe da auch kein Geheimnis draus gemacht. Warum auch, man hat es uns ja eh angesehen und nicht wenige waren überrascht, wie anders unser Kind im Vergleich zu sonst sein kann. Immerhin war es sonst immer sehr ruhig, ausgeglichen und fröhlich und auf einmal zeigte es ganz andere Charakter-Züge an sich. Tja…so ein Kind kann halt auch anders, nicht wahr?

In diesen Phasen frage ich mich ja immer, ob sie jemals wieder ein Ende finden werden. Dinge, die schon gut liefen – wie zum Beispiel das Schlafen, Essen, Tagesrhythmen usw. – laufen vollkommen aus dem Ruder und der Tag scheint manchmal ein einziges Drama zu sein. Da kann man sich das Mantra „Nur eine Phase, nur eine Phase“ noch so oft vorsagen…am Ende des Tages ist noch immer kein Ende in Sicht.

An solchen Tagen schaue ich immer wieder des abends auf die Tabelle und zähle an den Fingern ab, wann es vorbei sein könnte. Versuche mich zu beruhigen und mir immer wieder zu sagen, wie schwer das erst Recht für das Heldenkind sein muss. All die Eindrücke, vielleicht auch noch Wachstumsschmerz und die Zähne und sowieso…das Leben ist nicht einfach, oder?

Und dann – ganz plötzlich – ist alles anders. Von einen Tag auf den anderen. Du wirst morgens auf einmal wieder angelächelt nachdem du unerwartet ein Stündchen länger schlafen konntest. Der Appetit ist wieder da und auch der Mittagsschlaf funktioniert wieder. Alles scheint wie immer. Aber halt…nein…da hat sich etwas verändert. Plötzlich imitiert das Heldenkind meine Gesten, schickt mir kleine Küsschen und versucht Figuren in Autos zu setzen. Es nimmt meine Hand und will, dass ich damit Fingerspiele mache oder mit ihm irgendwo hin gehe. Es erzählt und erzählt und wenn es will, dass ich wie ein Auto füttere, dann macht es freudig die „Brrrrrr“ laute, damit der Löffel wie ein Auto angefahren kommt.

Und ich merke: Wir haben es überstanden. Ein paar Tage Ruhe, ein paar Tage Friede und vor allem: Genießen. All die neuen Dinge, die in der schweren Phase verarbeitet und gelernt wurden müssen entdeckt und gefördert werden. So lange, bis dann die nächste Phase, der nächste Schub kommt. Leider meist unerwartet und erst nach einiger Zeit als solches identifiziert, aber immerhin: Wichtig!

Und gemeinsam entwickeln wir uns dann wieder einen Schritt weiter. Die Entwicklung unseres Babies bedeutet nämlich auch immer, dass wir eine Entwicklung als Familie durchmachen und das ist jedes Mal wie ein kleines (Nerven aufreibendes) Abenteuer, findet Ihr nicht?

Entwicklung

7 Kommentare

  1. Winke gerade mal aus Schub Nummer fünf rüber. Habe das Gefühl dauernd zu sagen „sie ist gerade quengeliger… Wieder ein Schub“. Auch ich habe diese App und beide Kinder haben sich ziemlich genau an die Zeiten gehalten. Die genannten Entwicklungsschritte passten aber nicht immer zum jeweiligen Schub. Trotzdem war und ist es sehr tröstlich zu sehen, dass man sich das nicht nur einbildet und auch wieder ein Ende in Sicht ist. Nur die Phasen zwischen den Schüben sind immer zu kurz…

    • Sarah Kroschel

      Das sind sie vor allem deshalb, weil man meist erst viel zu spät wahrnimmt, dass der Schub vorbei ist und dann kommt schon der Nächste…

  2. Das ist bei uns das gleiche! Ich hab früher gedacht, diese Sache mit „Entwicklung nach Plan“ ist Quatsch. Jedes Kind entwickelt sich individuell. Mag auch immer noch stimmen. Mein Kind hält sich dabei allerdings sehr penibel an die Tabellen 🙈 Ich nutze übrigens auch die App. Hauptsächlich um zu überprüfen, wann ich mein kleines friedliches Baby zurück bekomme 😄

    • Sarah Kroschel

      *lach* Ja, das verschafft einem irgendwie etwas Abhilfe, wenn man denkt, es wird nie wieder enden, oder? ^^

  3. Pingback: Wo lebt eine Schildkröte? - Der große Tier - Atlas von DK #Rezension

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.