Mama, was ist eigentlich Liebe? – Wie erklärt man ein Wort mit Worten?

Liebe

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„Mama, ich liebe Dich“, sagt der Miniheld immer wieder zu mir. Ein Satz, die wir bei unseren Kindern schon früh nutzen. Ich liebe Dich. Ich hab dich so doll lieb. Fast wie ein Mantra, das wir vor unserem Kind immer wieder runterbeten, um ihm deutlich zu machen, wie wichtig es uns ist. Und irgendwann, ja irgendwann ist es alt genug, um diese Worte auch zu benutzen. Aber bewusst? Oder nur, weil wir es ihm so vorbeten? Spätestens, wenn das Kind das Ganze hinterfragt, weiß man, dass es mehr als nur ein paar Worte bedarf, um dem gerecht zu werden.

„Mama, was IST eigentlich Liebe?“

Irgendwann war der Miniheld in dem Alter, wo er das wissen wollte. Bis dahin hatte er es zwar immer wieder gesagt, das „Ich hab dich lieb, Mama“, aber was er uns damit eigentlich sagen wollte, wusste er – so glaube ich – nicht wirklich. Ausser halt, dass er sehen konnte, dass es uns glücklich macht. Immer wieder. Denn wer lächelt nicht, wenn er das zu hören bekommt?

Und so kam dieser Tag an dem ich darüber nachdachte, wie ich meinem Kind klar mache, was Liebe bedeutet. Das es Unterschiede gibt dabei und das es vor allem eines ist: Ein Gefühl.

Liebe hat viele Facetten. Viele Gesichter. Viele Bedeutungen.

Und für jeden Bedeutet Liebe vermutlich etwas vollkommen anderes. Was bedeutet dieses Wort also mir? Für mich ist es zum Beispiel ein Unterschied, ob mir jemand sagt „Ich liebe Dich“ oder „Ich hab‘ Dich lieb“. Ersteres ist in meinen Augen eine Liebeserklärung unter zwei Menschen, die zueinander gefunden und das Leben miteinander verbringen wollen. Eine Art Geständnis. Es herrscht noch Abstand, Unwissenheit übereinander und man muss sich erst besser kennen lassen. Wenn mir jemand sagt „Ich hab‘ dich lieb“, findet das in meinen Augen auf einer viel persönlicheren Ebene statt. Es fühlt sich ein bisschen wie kuscheln und umarmen an. Wisst Ihr, was ich meine? Man sagt es in einem stillen Moment, in dem man nur für sich ist. Man drückt sich dabei vielleicht die Hand und muss sich nicht mal in die Augen sehen. „Ich hab Dich lieb“, und es fühlt sich warm und geborgen an.

Doch wie findet man Worte für ein Wort?

Versucht das mal. Letztendlich sind es nur wieder Worte, die neue Fragen aufwerfen können, oder? Wie erklärt man also einem Kind „Liebe“?

Ein Versuch meinerseits: Liebe ist ein Gefühl. Ein Zustand. Und die Reaktion darauf: Ein fragender Blick, der sagt „Mama, was meinst du damit“. Also versuche ich es weiter.

Liebe ist, wenn man sich sicher und geborgen fühlt. Man nicht möchte, dass der Abstand zu dem Menschen, den man lieb hat zu groß und zu lang ist. Liebe ist, wenn man Heimweh empfindet in dem Moment, wo die Person das Haus verlässt und man es kaum erwarten kann sie wieder zu sehen. Liebe ist auch Vermissen. Liebe ist, wenn man selber auch mal verzichtet, um den anderen zu zeigen, dass auch seine Bedürfnisse im Vordergrund stehen und man möchte, dass er glücklich ist. Liebe ist ein Zustand von Glück. Ist der Mensch, den man liebt glücklich, so ist man auch selber glücklich.

Liebe

Manchmal glaube ich, dass man auch nur so das tatsächliche Glück erfahren kann. Liebe ist nichts, was man sich erkaufen kann. Man muss sie sich verdienen. Liebe ist Vertrauen und auch mal Trauer. Trauer um etwas Vertrautes. Liebe bedeutet auch mal streiten.

Spätestens in diesem Moment weiten sich die Augen des Kindes. Streit?

Aber natürlich. Denn Liebe ist auch Verzeihen und mal böse aufeinander sein. Das gehört zum Leben dazu und hilft eine Beziehung zu stärken. Einander besser kennen und verstehen zu lernen. Das zu akzeptieren ist manchmal nicht so einfach und es sind diese Momente, die einem dann auch zeigen, ob die Liebe echt ist oder nicht. Man sagt ja nicht ohne Grund, das dieses Gefühl alles überwindet.

Und am Ende des Gesprächs habe ich das Gefühl, dass mein Kind ein bisschen besser versteht, was es da eigentlich sagt. Es nimmt mich in den Arm, drückt mich ganz fest und flüstert mir ins Ohr „Mama, weißt du, ich habe dich auch lieb, obwohl du manchmal mit mir schimpfst.“ Dann schaut es mir in die Augen, „denn Liebe ist auch beschützen, oder?“.

Und mit einem mal wird mir klar, dass Liebe gar keiner Worte Bedarf, sondern sich selbst erklärt. Und dass Kinder unendlich Weise sind.

sari-unter

3 Kommentare

  1. sehr schön geschrieben… aber wenn ein kind danach fragt, kennt es das ja immerhin und das ist doch immer das beste zeichen…

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