Kita – Abschied – Sentimentalität bei Mama und Kind

Morgen ist der letzte Tag. Der letzte Tag in der Kita für unseren Großen. Gestern Abend saß ich mit dem Mann im Wohnzimmer. Unsere zwei Stunden am Tag, die nur uns gehören. Ohne Aufgaben, ohne Verpflichtungen. Die Kinder sind im Bett und wir schauen ganz banal Serien. Zwei Stunden Ruhe und Zeit nur für uns.

Ich höre ein Schluchzen. Ein ganz kleines und leises Schluchzen.

Ich schaue den Mann an und er nickt. Ja, er hat es auch gehört. Wir kennen das eigentlich schon. Wenn der Große nicht einschlafen kann und in Grübeleien verfällt, kommt es schon mal vor, dass er über Dinge nachdenkt, die ihn beschäftigen und durchaus auch mal traurig machen. Unser Denker in der Familie. Manchmal wünschte ich, er würde die Dinge um uns herum noch nicht so glasklar erfassen.

Aber dieses Mal ahnen wir beide schon, was dem Schluchzen zu Grunde liegt. Uns geht es ja nicht anders. Wir wägen ab, wer von uns beiden hoch geht und nachschaut, ob alles ok ist und letztendlich bin ich es, die die Stufen zum oberen Geschoss erklimmt.

Je höher ich komme, desto deutlicher hört man das Schluchzen, das nur dann und wann von einem Schniefer oder einem kurzen Huster unterbrochen wird. Vorsichtig schleiche ich am Zimmer vom Heldenkind vorbei, aus dem man leises Atmen hört. Langsam öffne ich die Tür zum Kinderzimmer und werde schon von großen, verweinten Augen erwartet. „Was ist denn los“, frage ich und betrete den Raum.

„Ich möchte nicht aus der Kita raus“.

Mir bricht das Herz. Es gab schwierige Zeiten. Für uns alle. Der Einstieg in die Kita fiel dem Minihelden Zeitweise nicht leicht und wir hatten auch zwischenzeitlich Phasen, in denen er lieber zu Hause geblieben wäre. Aber letztendlich war die Kita so wichtig für ihn und er hat viele wertvolle Erfahrungen und neue Fähigkeiten mit nach Hause gebracht.

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Spiel und Spaß auf der Kitajade 2015

Besonders im letzten halben Jahr scheint er emotional noch einmal extrem gewachsen zu sein. Hat sich auf einmal ständig verabredet und war auch mal bei Kindern zu Hause. Jeden Tag, wenn ich ihn abholte gab es auf meine Frage, wie der Tag war nur ein lautes und fröhliches „TOOOOOLL!!!“.

Aber nun ist die Kita – Zeit für unseren kleinen großen Jungen vorbei. Im September gehört er zu den Schulkindern und ich finde, das ist auch gut so. Er ist überreif mit all seinen Fähigkeiten und seinem Wissensdurst und wir alle freuen uns schon sehr darauf. Natürlich sind auch wir ein wenig wehmütig. Unser Baby wird nun groß. Definitiv und unausweichlich. Und nun wird es auch unserem Jungen bewusst.

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Nun haben wir es zu Hause, das Sprachlerntagebuch aus der Kita

Er freut sich auf die Schule!

Und darüber bin ich sehr froh. Wenn ich bedenke, wie schwer es ihm manchmal fällt sich neuen Situationen gegenüber zu öffnen, bin ich mehr als nur froh, dass er sich auf die Schule freut. Und ein Stück weit auch darauf das eine oder andere aus der Kita endlich hinter sich lassen zu können.

„Du bist doch nicht vollkommen weg“, sage ich zu ihm und streiche ihm über seine stacheligen kurzen Haare. Er trägt nun eine Fußballer Frisur. Das war ihm sehr wichtig, als wir zum Friseur gingen. Ahje… diese Phase. Bestimmte Kinder würde er sehr vermissen, erklärte er nur. Einige von ihnen gehen erst im nächsten Jahr in die Schule und manche davon auch noch auf eine andere als er, so dass er sie nicht mal auf dem Schulhof treffen könnte. „Aber Ihr seid doch nicht aus der Welt“, sage ich. Wir leben im Zeitalter grenzenloser Möglichkeiten. Besonders in Hinsicht auf die Kommunikation. „Ihr könnt Euch doch nachmittags verabreden. Das ist überhaupt kein Problem“, und ich sehe, wie der Blick etwas aufhellt. Ein Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht.

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Fasching 2017 mit Erzieherin und Lieblingsfreunden

„Und schau mal“, erzähle ich weiter, „bald kommt dein Bruder in die Kita und dann siehst du sie alle wieder regelmäßig.“ Mal davon abgesehen haben die Erzieher gesagt, dass er jeder Zeit vorbei schauen und gerne immer bei den Festen trotzdem dabei sein darf. Das ist eine dieser Dinge, die ich an unserer Kita so liebe. Es ist eine kleine Familie und man verliert sich irgendwie niemals aus den Augen.

Der kleine Mann nickt und ist erleichtert. Zu Ende heißt nicht immer gleich vorbei!

Er scheint zufrieden zu sein und kuschelt sich in seine Decke. „Darf ich meinen Bruder dann auch mal alleine aus der Kita abholen“, fragt er mich. Er sei doch dann schon alt genug dafür. Innerlich wehrt sich alles in mir dagegen, aber ich weiß auch, dass er Recht hat und ich bin mir sicher, dass er das toll machen wird.

Genau wie alles andere auch. Genau wie den Wechsel in die Schule. Er wird das toll machen. Er drückt mir noch schnell einen Kuss auf die Wange und schnappt sich ein Kuscheltier. Es scheint alles wieder ok zu sein.

Ich gehe die Treppe wieder hinunter zum Mann und er schaut mich erwartungsvoll an. „Er vermisst die Kita“, sage ich nur und der Mann nickt wissend. Ja, das können wir uns gut vorstellen. Das Gefühl ist für uns alle seltsam. Nicht nur für den Minihelden. Ein weiterer Lebensabschnitt ist nun vorbei und ein neuer klopft schon an die Tür. Es wird für jeden von uns spannend und aufregend und es wird mit Sicherheit auch hier wieder viele Hindernisse geben, die wir gemeinsam zu bewältigen haben.

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Wehmut und Erinnerungen – Der Kleiderbeutel und die allerersten Hausschuhe für unser Kitakind damals…

Etwas später gehen wir gemeinsam nach oben. Zeit zum Schlafen. Vorher schaue ich nochmal beim Minihelden rein, der Mann steht direkt neben mir. Gemeinsam schauen wir ihn an. Das Gesicht wird ein wenig von der Laterne vor dem Haus angeleuchtet und der Blick des kleinen Mannes wirkt zufrieden. Er scheint dann doch recht schnell eingeschlafen zu sein.

Alles halb so schlimm. Wir schaffen das schon.

sari-unter

8 Kommentare

  1. Trauern und Abschied nehmen gehört dazu und braucht seinen Platz. Danach könnt ihr dann alle mit einem Lächeln in den nächsten Lebensabschnitt gehen. Und ihr werdet es wie immer grandios gemeinsam meistern ♥

  2. Achja der Wehmut. Letztes Jahr traf er uns auch, 6 Wochen später war er vergessen und uch erkannte den Großen kaum wieder. Durch Vertrauen ist er mit der Einschulung gefühlt 5cm gewachsen. Selbstständiger, eigenständiger usw.. und nu frag ich mich wo das erste Schuljahr geblieben ist.
    Aber auch wir sagten damals ähnliche Worte. So wohnen wir im Dorf, entliche Möglichkeiten Freunde zu treffen und in jeden Ferien besucht er einen Tag die KiTa mit seiner Schwester zusammen.

    • Sarah Kroschel

      Die Möglichkeit haben wir auch angeboten bekommen. Er darf gerne hin und wieder mal Gastkind sein

  3. Schön geschrieben. :) Ich weiß gar nicht mehr, wie es mir selbst erging. Für mich war das ein ser harter Schnitt, weil wir wg. der Arbeit meines Papas umziehen mussten. Ich kannte in der Schule also niemanden und die Distanz war auch zu groß für mal eben verabreden. Doch ich erinnere mich nicht, nur daran, dass mich der nächste Unzug zwei Jahre später mitgenommen hat. Da haben meine Eltern dann aber unterstützt, den Kontakt zu meiner damals besten Freundin Aufrecht zu erhalten. :)

    Alles Gute für den Minihelden. :)

    • Sarah Kroschel

      Urgs, ja ne, bei unserem Umzug haben wir extra darauf geachtet, dass er in seinem gewohnten Umfeld bleiben kann. Wir hatten in der Hinsicht aber auch einfach wahnsinniges Glück.

  4. Maxi hat sich das ganze Jahr gefreut endlich Schulkind zu sein und jetzt wird ihm auch mulmig. Weg von den Freunden, neue Kinder… Aber sie werden sich hoffentlich ganz schnell einleben❤

    • Sarah Kroschel

      Ja, ich denke auch. Ich bin ja froh, dass er mit einer aus der Kita zusammen in eine KLasse kommt und dort auch bereits einer ist, den er kennt. So ist es nicht ganz so unbekannt alles

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