„Mama, warte auf mich“ – Von kurzen (langen) Wegen mit Kindern

alleine

Es ist ein sonniger Tag. Ich recke die Nase in den Himmel und freue mich über ganz viel Vitamin D. Das haben wir nötig. Alle. Das schöne Wetter ist wie eine Belohnung für die Strapazen der letzten Tage, Wochen, Monate. Langsam kehrt Ruhe im Heldenhaushalt ein. Und nachdem all der Druck ablässt, scheint es auch bei den Kindern wieder normal zu laufen. Es war ja schon fast gruselig, wie gut sie die letzten Monate weggesteckt und miteinander harmoniert haben. Nun trifft uns die Sache mit dem Entwicklungsschub mal wieder mit voller Wucht. So habe ich zumindest das Gefühl. Nennen wir es doch mal liebevoll „Autonomie – Phase“ oder auch „Alles, was ich will, ist wichtig!“. Also eigentlich alles was die Kinder wollen.

„In 22 Tagen habe ich Geburtstag“

Der große Sohn ist noch nicht mal wirklich aus dem Bett heraus geklettert heute Morgen, da fallen bereits diese Worte. Ja, es ist mir bewusst, dass wir langsam mit der Planung beginnen sollten, aber mein Kopf ist noch wie Watte. Der Sohn hat wieder 1000 Pläne, der Wunschzettel steht und er hat mir sogar einen Zettel gebracht, auch dem eine Liste von Namen unter der Überschrift „Gästeliste“ steht. Ahje… Ich beschließe, nachdem der Große in der Schule ist, mit dem Kleinen Obst einkaufen zu gehen.

„NEIN MAMA! ALLEINE!“

Ich trotte also hinter dem Heldenkind hinterher. Wir haben Zeit. Dieses „Alleine“ bekomme ich in letzter Zeit öfter zu hören. Das ist gut, denn es zeigt, dass mein Kind selbständiger werden will. Die Horrorvorstellung schlechthin: Mein Kind braucht mich irgendwann nicht mehr. Jetzt ist es aber erst einmal eine gute Sache, denn es bedeutet, dass ich nun öfter auch mal die Hände frei habe und mein Kind alleine machen kann. 

alleine

Dadurch werden zu Anfang aber manche Wege einfach länger, man muss mehr Zeit einplanen und vor allen Dingen Geduld haben. Das ist nicht immer einfach und führt viel zu schnell dazu, dass man Dinge sagt, die man im Anschluss bereut. Ihr kennt das, nicht wahr? Also ruhig bleiben, liebe Leute, denn hier passiert gerade etwas Großartiges. Das Kind macht einen neuen Abschnitt in der Entwicklung durch.

„Mama, warte auf mich!“

Ich laufe langsam nebenher. Den Buggy habe ich nur zur Sicherheit mit und damit ich später etwas habe, wo ich die Einkäufe einlagern kann. Da wir ja irgendwie im Schneckentempo unterwegs sind, habe ich später keine Lust Einkaufstüten zu buckeln. Zeitweise fühlt es sich an, als ob ich mich an einem Rollator festklammere. Das Heldenkind bleibt inzwischen gefühlte alle 5 Meter stehen, weil es etwas entdeckt hat. Also bleibe ich auch stehen und warte. Wir haben ja Zeit. Zumindest habe ich (so denke ich) ausreichend Zeit eingeplant. Normaler Weise brauchen wir 15 Minuten hin zum Laden und 15 Minuten zurück. Ich gebe uns eine Stunde also für die Wege insgesamt.

alleine

Wir entdecken einen Baum mit einem Loch. Daraus schauen plötzlich erst zwei, dann drei, dann ganze vier Eichhörnchen hervor. Was für ein toller Moment. Wäre er mir vielleicht entgangen, wenn ich wie üblich an dem Baum vorbei „gehetzt“ wäre? Wer weiß.

„Guck, Mama, da, ein Fisch!“

Wieder bleiben wir stehen. Ich merke, ich werde langsam ein bisschen nervös. Ich blicke auf die Uhr. Wir haben für den Hinweg nun die bereits geplanten 30 Minuten gebraucht und sind noch nicht da. Mir rutscht das erste Mal ein „Komm, wir müssen uns ein bisschen beeilen raus“.

alleine

Das Heldenkind hat aber einen Stromkasten mit Fischen entdeckt. Etwas, das es erkennt und benennen kann und deshalb muss es jetzt eingehend betrachtet werden. „NEIN MAMA!“, bekomme ich nur als energische Antwort, „DA FISCHEEEE!“. Also bleiben wir stehen und warten und schauen. Ich muss schmunzeln und mir rutscht ein kleiner Seufzer heraus.

„Warte, Mama, da Treppe hoch!“

Das Heldenkind ist nun dazu übergegangen alle Treppen, an denen wir auf dem Weg vorbei kommen hoch und runter zu laufen. Ich stöhne innerlich, denn davon gibt es hier viele. Und wenn ich viele sage, dann meine ich viele. „Nein“; sage ich, „komm, wir müssen weiter. Wir wollen doch etwas einkaufen.“ „NEIN MAMA; TREPPEEHEEE!“ Na gut, also nehmen wir die zichmilliarden Treppen. So fühlt es sich für mich zumindest an.

alleine

Ein Blick auf die Uhr. Das Ziel ist so nah. Wir sind fast am Einkaufsladen. Einziges Hindernis: Wir kommen gleich noch an der Kita vorbei, die der große Bruder besucht hat. Da muss man natürlich noch ins Fenster schauen und allen Kindern zu winken.

„Da, Mama, guck… ein Täfer!“

Die Kinder winken zurück und ich kann das Ziel schon sehen. Fast geschafft. Wir haben bis hierher 45 Minuten gebraucht. Wir waren balancieren, haben Tiere entdeckt und bemalte Stromkästen, sind Treppen hoch und runter gestiegen und beobachten nun…. Oh Moment, das Heldenkind ist wieder stehen geblieben.

alleine

Dieses Mal hat es einen Feuerkäfer entdeckt, der nun erst mit den Augen und dann mit dem Finger verfolgt werden muss. Faszinierend, oder? „Kommst du bitte“, sage ich zum Heldenkind und bekomme wieder nur ein „NEIN MAMA!“. Ich hole tief Luft und versuche geduldig zu sein. Es lernt und entdeckt und das möchte ich unterstützen. Dann muss der Einkauf eben schneller ablaufen. Das bekomme ich schon hin. Wir müssen ja erst in 30 Minuten an der Schule sein, um den großen Bruder abzuholen. 

Nachdem der Käfer ausführlich betrachtet wurde, dürfen wir endlich weiter. „Möchtest du in den Wagen“, frage ich das Heldenkind und ich muss zugeben, ich bin ein bisschen erleichtert, als ich dieses Mal ein kleines müdes „Ja, Wagen“ höre. Jetzt kann ich wieder etwas Zeit einholen. Ich laufe um den Wagen herum und möchte dem Heldenkind rein helfen, da schallt es mir wieder entgegen: „NEIN MAMA; ALLEINE!“. Zack, das Kind klettert hoch, setzt sich hin und ist bereit für den Einkauf.

Na dann….

HABA Little Friends

2 Kommentare

  1. Da braucht man schon viel Zeit, wenn man mit den Kiddies unterwegs ist. Ich habe immer den Fehler gemacht, dass ich diesen Entdeckerdrang nicht einkalkuliert habe.
    LG
    Sabienes

    • Sarah Kroschel

      hihi, ja, ich früher auch. Inzwischen bin ich schlauer, auch wenn ich manchmal immer noch nicht ausreichend Zeit eingeplant habe *lach*

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