Das Ende einer Ära – Oder auch: Fehlt da nicht noch ein Mädchen?

Ära

Eigentlich, ja eigentlich wollte ich euch heute von den Geburtstagswünschen eines fast 7 Jahre alten Jungens erzählen und davon, wie sich die Wünsche eines Kindes im Laufe der Jahre verändern können. Doch gerade habe ich etwas erlebt, wovon ich euch gerne erzählen möchte…

Familienplanung ist so eine Sache. Manche wissen schon ganz früh, wie viele Kinder sie später wollen, ob Mädchen oder Junge und wann das alles am besten passieren soll. Andere wissen lange Zeit gar nicht, ob sie Kinder wollen und wenn dann überhaupt wann, wie viele und überhaupt. Familienplanung kann auch ein ganz schön beängstigendes Thema für manche Menschen sein. Entscheiden wir uns für ein Kind, entscheiden wir uns ja auch irgendwie dafür einen Teil unseres Lebens nur noch auf dieses auszurichten. Vor allem am Anfang eines kleinen Lebens.

Ära

Ich wusste am Anfang ganz genau wann und wie viele Kinder ich wollte.

Ich war da sehr beeinflusst von dem Werdegang meiner Vorbilder, auch Eltern genannt. Meine Mutter war 22 Jahre alt, als sie mit mir schwanger wurde und feierte somit kurz nach meiner Geburt ihren 23. Geburtstag. Knapp 10 Jahre später entschlossen sie sich dazu noch ein weiteres Kind zu bekommen und meine Schwester gesellte sich zu mir. Damit erfüllten sie eine Menge Klischees. Erst war meine Mutter eine recht junge Mutter, später dann eine eher ältere und der Altersabstand war ja auch so ein Thema. Zwei Kinder, die so weit auseinander liegen, das geht doch gar nicht gut. Nur mal so am Rande: Es lief damals super mit mir und meiner Schwester und tut es heute noch. 10 Jahre spielen ab einem bestimmten Alter einfach keine Rolle mehr.

Ihr könnt euch also denken, dass auch ich gerne mit 22 Jahren mein erstes Kind bekommen wollte und anfänglich dachte ich auch, dass zwei Kinder eine tolle Sache wären.

Und dann kam der Miniheld – Unser Anfängerbaby schlecht hin!

Der große Sohn war so ruhig, so lieb. Klar, er war auch frech und hat einen Dickkopf vom Dienst. An manchen Tagen hat er uns ganz schön heraus gefordert, aber er hatte und hat auch heute noch eine Auffassungsgabe vom Feinsten. Man zeigte ihm etwas und es dauerte nicht lange bis er es auch konnte. Im eigenen Bett schlafen, ohne Schnuller auskommen, die Flasche abgewöhnen… alles dauerte im Schnitt immer zwei Tage und dann war das Thema durch. Davon träumten andere nur und wenn wir noch mal ein bisschen klagten, dann wies man uns darauf hin, dass wir auf „hohem Niveau“ meckern würden. Und ja, manchmal sahen wir das auch. Besonders dann, wenn wir die Kämpfe von anderen Eltern beobachteten.

Ära    

Das Leben mit dem Minihelden machte uns irgendwie zu einer perfekten Familie und lange Zeit waren wir der Meinung, dass ein Kind für uns absolut ausreichend wäre. Ja, wirklich. Wir waren so glücklich und zufrieden mit unserem Minihelden, dass ein zweites Kind für uns erst einmal nicht im Raum stand. Trotz all dem Nachfragen von der Familie und dem Bekanntenkreis. Es wäre doch so viel besser für den Sohn, wenn er noch einen Spielgefährten hätte usw. All diese Floskeln, die andere Eltern mit Sicherheit auch kennen.

Innerlich war die Planung nie abgeschlossen!

Ich glaube, die Geschichte erzählte ich irgendwann schon einmal. Ich brachte es nicht über das Herz all die ausrangierten Dinge abzuschaffen. Reisebett, Gitterbett, Kinderwagen, Laufgitter… all diese Sachen. Sie standen im Keller und warteten auf eine neue Aufgabe. Tief in meinem inneren wusste ich wohl, dass unsere Familienplanung wohl doch noch nicht abgeschlossen war. 

Und dann kam der Tag, an dem der Miniheld immer wieder davon anfing, dass es doch so schön wäre, wenn wir noch ein Baby im Haus hätten. Es war eine Augen öffnende Erfahrung. Als ob das Kind in unsere Herzen geblickt und eine Sehnsucht erkannt hätte, die uns bis zu dem Zeitpunkt gar nicht so richtig bewusst war. Wir wollten noch ein Baby. Und zwar so lange es noch gut machbar für uns alle ist. Keine 10 Jahre Unterschied, wie bei meiner Schwester und mir damals, dafür aber knapp fünf. Ein zweiter Junge gesellte sich zu uns…

Ära

Warum erzähle ich euch das aber heute?

Wisst ihr, vor ungefähr 30 Minuten stand eine junge Frau vor meiner Türe. Sie kam, um unser kleines Laufrad abzuholen. Ein Laufrad, dass erst der Miniheld zum ersten Geburtstag bekommen und intensiv genutzt hatte. Dann verliehen wir es an eine Freundin, weil das Rad bei uns einfach keinen Nutzen mehr hatte und als das Heldenkind auf die Welt kam, fand es seinen Weg zu uns zurück. Dieses kleine, unscheinbare Rad hat also mindestens drei Kinder durch seine ersten 2-3 Lebensjahre begleitet und hat somit viel miterleben dürfen. Es hat den Kindern dabei geholfen sich selbständiger durch die Welt zu bewegen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Ära

Es war irgendwie ein komisches Gefühl die Frau mit unserem kleinen Rad gehen zu sehen. Als ob sie ein Teil Kindheit mitnimmt. Für ihren eigenen Sohn, der nun bald 1 Jahr alt wird und dann seine eigenen Erfahrungen mit dem Rad machen wird. Ob es diesem Kind genauso viel Freude geben wird, wie unsere Kinder damit hatten.

Und ich stelle fest, für mich endet nun eine Ära.

Das Ende so einer Ära als Mutter zu erleben, ist seltsam. Es ist genau wie andere wichtige Lebensabschnitte, die wir mit unseren Kindern erleben. Ende des Jahres steht nun auch die Kita für den Kleinen an und wieder habe ich eine Eingewöhnung, wieder gebe ich mein Kind in fremde Hände, denen ich fast blind vertrauen soll. Wieder wird mir deutlich, dass meine Kinder älter werden. Wer weiß, vielleicht wird schon morgen mein zweites Kind eingeschult und der große Sohn zieht aus? Ja, wir Mütter greifen da mit unseren Vorstellungen gerne mal vor *lach*. 

Eine Ära die endet. Die Ära der Laufräder. Die Ära dieser Phase, in der das Kind lernt sich eigenständig mit einem Hilfsmittel vorwärts zu bewegen. Und dann war die Frau weg. Un das Laufrad auch. Keine Chance mehr es sich anders zu überlegen…

Ja, aber wollt ihr nicht doch noch ein Mädchen haben?

Immer diese Fragen. Erst bekommt man ein Kind. „Aber das braucht doch noch ein Geschwisterchen“, kommt dann in der Regel aus dem Umfeld. „Eine kleine Schwester wäre doch toll“. Nein, es sind zwei Jungen geworden und das ist schön.

Mit zwei Jungs sind wir voll ausgefüllt. Unsere Familie ist komplett. Uns mag vielleicht am Anfang nicht bewusst gewesen sein, wie wir uns die perfekte Familie für uns vorstellen, aber mit dem Heldenkind wurde es für uns klar wie Kloßbrühe. Wir sind komplett und glücklich, so wie es ist. Ob ein Mädchen uns nicht noch vollständiger machen würde, fragt man uns manchmal. Die Mama braucht doch noch Unterstützung und Töchter lieben ihre Väter doch so abgöttisch. Aber das tun unsere Jungs auch und sind wir doch mal ehrlich: Wer kann mir denn garantieren, dass das nächste Kind tatsächlich eine kleine Heldin werden würde *lach*.

Ära

Nein, diese Ära ist für uns definitiv abgeschlossen. Ich habe fertig und das merke ich daran, dass ich eben in der Lage bin die ausgedienten Sachen zu verkaufen, sie weg zu geben oder zu verschenken. Ein anderes Kind damit Erfahrungen machen zu lassen, denn unsere Kinder brauchen diese nicht mehr. Sie sind bereit für neue Erfahrungen. Einen neuen Abschnitt in ihrem Leben und ich bin gespannt, was als nächstes auf uns zukommen mag!

9 Kommentare

  1. Ui, jetzt musste ich den Text aber schnell quer durchsausen bei dem Titel ;-)
    Sehr, sehr nett geschrieben. Wie schön und passend.

  2. Hallo Sari, so geht es mir auch bei jedem Teil, das ich verkaufe. Ich finde viele Ären gehen zu Ende. Erst der Kinderwagen, dann Dreirad und jetzt gerade miste ich unsere Buggys aus und bei jedem Teil blutet mir das Herz.

    • Sarah Kroschel

      Ja, den Buggy habe ich auch schon anvisiert. Das Schöne ist, einiges kann ich ja noch für meine Schwester aufheben, auch wenn das noch etwas dauern wird. Aber manche Teile, die braucht man einfach nicht mehr… hachja…

  3. Liebe Sari,

    so ein schöner Artikel zu einem Gefühl, das ich gut kenne.

    In vielen Köpfen steckt noch diese klassische Familie Mutter-Vater-Sohn-Tochter. Mal davon abgesehen, dass sich die Eltern das ja nicht aussuchen können, kommt am Ende immer irgendwie das Kind, das zu einem passt.

    Liebe Grüße
    Franziska

    • Sarah Kroschel

      Wenn ich mich in meinem Umfeld so umhöre, haben die meisten tatsächlich zwei Mal das gleiche Geschlecht als Kinder zu Hause und gar nicht beide. Schon spannend, wie selten das dann doch ist mit Mädchen und Junge. Aber deswegen jetzt ewig Kinder nachlegen, da sehe ich auch keinen Sinn drin *lach* Klar war die Vorstellung von einer Tochter immer ganz schön, aber so ist auch super.

  4. Ein bisschen Wehmut ist trotzdem immer dabei. Ich habe das Glück all unsere abgelegten Mädchenkleider nun an eine Freundin mit kleiner Tochter weiter geben zu können und trotzdem fällt es mir bei so manchem Stück schwer mich davon zu trennen.
    Besagtes Laufrad begleitete uns in zwei wunderbare Urlaube. Die ersten Urlaube als Familie. Zum zweiten Geburtstag erbt nun die kleine Maid das Laufrad ihrer großen Schwester und damit wird das kleine Laufrädchen, das sie zum ersten Geburtstag bekommen hat (Nachfolgemodell eures Laufrads), sicher auch bald abgelöst. Hachz…
    Aber ja, auch hier ist das Projekt Familienplanung definitiv abgeschlossen.

    • Sarah Kroschel

      Der Kleine nutzt ja nun auch das Laufrad vom großen Bruder. Wobei ich feststellen musste, dass die Laufräder unterschiedlich ausfallen. Das vom Nachbarn hatte noch nicht gepasst, so dass wir uns das vom Bruder von einer Freundschaft zurück geholt haben. Aber ja…hach… auch unser Rad hat viele Kinder glücklich gemacht und nun wird es ein weiteres Kind begleiten. Eine schöne Vorstellung.

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