Und plötzlich waren wir (fast) windelfrei!

Töpfchen

Man soll nicht vergleichen. Nicht sich selber und schon gar nicht seine Kinder mit anderen. Das wissen wir und das sagen wir uns immer wieder. Sind wir jedoch ehrlich zu uns selbst, kommen wir nicht umhin zuzugeben, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen. Es passiert nämlich in der Regel unbewusst und ich muss sagen, grundsätzlich ist es nicht Schlimmes. Viel wichtiger an der ganzen Sache ist: Wie gehe ich damit um! Meint ihr nicht?

Nur wer aus dem Vergleich negative Konsequenzen zieht, ist unzufrieden!

Das habe ich im Laufe meines Lebens gelernt. Durch das erste Kind ist mir erst einmal aufgefallen, wie oft diese Vergleiche statt finden. Zuerst in der Krabbelgruppe und auf dem Spielplatz. Es fängt oft ganz banal an mit „Und? Wie alt ist ihrer?“. Eine absolut harmlose Frage, die impliziert, dass die Person Interesse an meinem Kind zeigt. Oft bleibt es aber nicht dabei. Meist folgen dann Fragen wie „Und kann er schon krabbeln“ oder „Geht er schon aufs Töpfchen?“. Wir denken uns zu Anfang nichts dabei und antworten einfach. Und dann kommt der Knall: „Na meiner konnte das ja schon viel früher“. BÄM! Und da wurden sie gestreut, die ersten Zweifel. Besonders, wenn man es mit dem ersten Kind zu tun hat. Stimmt jetzt irgendetwas nicht? Sollte mein Kind schon viel weiter sein? Nicht selten laufen Eltern ja dann zum Kinderarzt und lassen das abchecken. Ist mein Kind zu klein? Sollte es schon längst feste Nahrung essen können? Warum krabbelt es noch nicht? Es ist doch schon 4 Monate alt. 

Und obwohl uns immer wieder gepredigt wird, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat, lassen wir uns durch diese ewigen Vergleiche verunsichern. Ob gewollt oder nicht. Mir ging es damals auch so.

Heute versuche ich das alles gelassener zu sehen!

Ein Beispiel: Auf dem Fußballplatz werde ich ständig darauf aufmerksam gemacht, dass mein 2 1/2 jähriger Sohn ja kaum größer als die nach ihm gekommenen 1 1/2 Jahre alten Kinder ist. „Sollte er nicht schon viel größer sein?“ wurde ich dann und wann gefragt. Aber warum? Er kam ja schon kleiner auf die Welt, als sein großer Bruder. Ganze fünf Zentimeter Unterschied lagen bei den beiden zwischen ihren Geburtsgrößen und vom Gewicht fange ich gar nicht erst an. Er wächst und gedeiht und somit stellte ich seine Größe nie in Frage. Er wächst. Also was soll sein? Nachdem sie mich aber immer und immer wieder fragten, wurde ich doch unsicher und sprach es bei der nächsten U im Dezember an, doch der Arzt sagte genau das, was ich mir schon dachte: Alles ok, er entwickelt sich vollkommen normal. Ich war zufrieden mit mir, dass ich mich nicht hatte gänzlich aus der Ruhe bringen lassen. Ich stelle fest, dass es mir in vielerlei Hinsicht leichter fällt mich beim zweiten Kind weniger zu stressen. Das ist ganz angenehm, auch wenn ich feststellen durfte, dass jedes Kind seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt.

Töpfchen

Natürlich hat man auch stille Hoffnungen.

Man sollte es natürlich ebenfalls vermeiden seine eigenen Kinder in den Vergleich zu ziehen. Obwohl sie bei den gleichen Menschen aufwachsen und vermutlich recht ähnliche Erziehungsmethoden wie ihre Geschwister erfahren, ist es eben doch alles etwas anders. Schon allein die Tatsache, dass sie mit einem Geschwisterchen und anderem Zeitkontingent aufwachsen, hat schon eine Menge Einfluss auf sie. Aber mal davon abgesehen kann man auch hier sagen, dass jedes Kind sich ganz individuell entwickelt. Man kann es dabei eben vordergründig nur unterstützen.

Es lässt sich allerdings kaum vermeiden, dass man auch an die Zeit zurück denkt, in der das erste Kind die verschiedenen Meilensteine bewältigt hat. Das Krabbeln, das Laufen, die feste Nahrung, das Sprechen und auch… na klar, das Trocken werden. Da hatten wir nämlich mit dem Minihelden echt Luxus. Der war nämlich ziemlich genau mit zwei Jahren ohne großen Aufwand trocken. Sogar in der Nacht. Was waren wir stolz und natürlich auch glücklich über die Ersparnis. Wir alle wissen, wie verdammt teuer Windeln sind. So eine Erfahrung ruft in einem irgendwie den Wunsch auf, dass es mit dem zweiten Kind hoffentlich ebenfalls so gut klappt.

Das Interesse am Töpfchen schien aber noch in weiter Ferne.

Vom Töpfchen hielt das Heldenkind nun lange Zeit aber überhaupt nichts. Wir zeigten es ihm dann und wann, nahmen ihn mit auf Toilette, so dass er schauen konnte, was wir da eigentlich machten und blätterten gemeinsam Bücher zu dem Thema durch. Sehr schön in diesem Zusammenhang übrigens das von Pip&Posy „Die kleine Pfütze(Affiliate Link) und „Finn geht aufs Töpfchen(Affiliate Link). Aber es mal selber versuchen, ne, das wollte er nicht.

Töpfchen

Sehnsüchtig warteten wir auf die warme Jahreszeit, damit wir ihm einfach mal die Hose auslassen konnten zu Hause, aber selbst da hieß es eine ganze Zeit lange „Windel an“. Er war einfach noch nicht so weit. Uff… also wurde das Thema Töpfchen erst einmal beiseite geschoben.

Vom Minihelden damals wussten wir es ja bereits: Irgendwann kommt dieser Klick – Moment und dann kommen die Kinder von ganz alleine. Ein gutes Beispiel dafür, dass man aus Vergleichen auch gut profitieren kann. Wir fragten immer wieder mal „Musst du aufs Töpfchen“, wurden aber mit einem „Nein“ abgespeist und durften 10 Minuten später die Windel wechseln. Nun gut…

Und dann war plötzlich alles anders!

Nach unserem Wochenende in Frankfurt, wo wir voller Begeisterung verfolgen konnten, mit wie viel Stolz die kleine Tochter von Maru aufs Töpfchen ging, war auch das Interesse beim Heldenkind geweckt. Manchmal braucht es halt einfach eine andere Bezugsperson, um für den gewünschten Aha – Effekt zu sorgen. In Frankfurt selber versuchte er es nur einmal, ließ es dann aber schnell wieder, weil es einfach viel zu viele andere tolle Dinge zu sehen und zu erleben gab. Kaum jedoch wieder zu Hause in Berlin angekommen, fanden wir das Heldenkind bereits am ersten Tag auf seinem eigenen Topf sitzend vor.

Töpfchen

Das Ganze ist nun etwas über zwei Wochen her und in dieser Zeit ist so viel passiert. Aus anfänglichen kleinen Erfolgen nur zu Hause, wurden ganze Tage ohne Windel. Ich kramte das Poster aus unserer Bücherbox hervor und jedes Mal, wenn er erfolgreich Pipi gemacht hatte, durfte er einen Konfetti – Punkt auf das Poster kleben. Die Punkte waren dann übrigens nach 2 1/2 Tagen alle und ich musste schauen, dass ich eine Alternative fand. Das Poster ist inzwischen kunterbunt und wird selten noch benutzt. Der Gang zum Töpfchen ist irgendwie selbstverständlich geworden. WOW!

Es scheint tatsächlich Klick gemacht zu haben!

Immer wieder wage ich es und lasse den ganzen Tag die Windel aus. Stattdessen packe ich zwei Wechselhosen in die Tasche, die letzte Woche auch noch ab und an gebraucht wurden. Seit ein paar Tagen ist es aber so, dass das Heldenkind sogar Bescheid sagt, wenn es eine Hose an hat und auch unterwegs ruft es auf einmal „Mama Toilette“, so dass wir entweder einen Busch suchen oder eben sogar eine Toilette. Selbst das klappt inzwischen ganz gut und er lässt sich von mir so hochheben, dass er pullern kann oder er hockt sich selber irgendwo am Rand auf eine Wiese.

Das ultimative Erfolgserlebnis hatten wir dann am letzten Wochenende, als er sogar das große Geschäft ins Töpfchen erledigte und selber in die Toilette entsorgte *lach*. Was sind wir geplatzt vor Stolz *lach*.

Seit einigen Tagen ist nun auch die Nachtwindel morgens trocken und nach dem Aufstehen sagt das Heldenkind direkt Bescheid, dass es auf Toilette möchte. Da wir nur einen Topf zu Hause haben, steht dieser unten immer verfügbar und für oben haben wir einen Hocker mit Toilettensitz, den er auch schon benutzt. Der Anblick ist einfach herrlich, wie er da sitzt und sich freut, dass es klappt.

Ich bin gespannt, wie lange es nun noch dauert, bis wir auch die Nachtwindel weglassen können. So oder so zeigt uns die Zeit mal wieder, dass es nichts bringt Druck zu machen und dem Kind etwas aufzwingen zu wollen. Vergleiche sind zwar nett, treffen aber keine Aussage über mein Kind und man sollte seinem Instinkt vertrauen. Früher oder später klappt es dann auch…

3 Kommentare

  1. Liebe Sarah,
    ich drücke die Daumen, dass es auch in der Nacht bald klappt. Schön, dass der Knoten geplatzt ist! Ich bin auch gespannt, wie unterschiedlich mein zweites Kind da sein möchte.
    Mit dem ersten Teil des Beitrags hast du mir echt aus der Seele geredet. Dieses ständige Vergleichen kann ich absolut nicht leiden. Irgendwann können sie es schließlich alle. Trotzdem höre ich dann sowas in einer Krabbelgruppe von einer Mutter zur anderen: „Mensch, deiner ist ja echt total mobil, der steht ja schon. Hat er denn schon Zähne?“ – „Nein.“ – „Na da ist meine aber weiter, die hat schon zwei Zähne.“ Als ob Elternsein so ein ständiger Wettbewerb ist und man auf keinen Fall hinten liegen darf. Puh. Egal, mein Kind darf zahnlos sein und unmobil :-) Kommt alles mit der Zeit.
    Liebe Grüße,
    Franziska

    • Sarah Kroschel

      So sieht es aus. Mein Kind ist da besser, dafür deines dort. Warum muss man sich das so vor Augen führen? Viel wichtiger finde ich, wenn eine Mutter etwas verunsichert, dass man ihr Mut und Sicherheit zu spricht, aber es läuft meist genau anders. Meist wird eher Panik geschürt und das finde ich schade. Man sollte da viel mehr für einander als gegeneinander arbeiten.

      Der Miniheld ist nun 7 und macht sich Gedanken, dass er immer noch keinen Wackelzahn hat. Nur mal als Beispiel. Und warum? Alle anderen hatten ja auch schon einen oder mehrere, sagt er. So früh geht das schon los mit dem Vergleichen.

  2. Pingback: #Freitags5 – 5 Tage 5 Fotos im Juni #02 - Heldenhaushalt

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