Ich erinnere mich nur noch an Kleinigkeiten…

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„Kennst du noch…“ oder „Erinnerst du dich noch an“… das fragt meine Oma mich häufig. Dabei redet sie von Personen oder Orten, die sie mir vor mehr als 20 Jahren mal gezeigt hat. Menschen, die ich seit dem nie wieder gesehen oder Orte, die ich nie wieder besucht habe. Ich war doch noch klein. Ein Kind. Und so viel Zeit ist seitdem vergangen.

Manchmal erzählt mir meine Mutter von unserem Urlaub in der Türkei. Zwei mal waren wir dort als ich klein war. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann weiß ich davon gar nichts mehr. Wirklich. Nichts. Würde man mich heute fragen, wo ich überall schon hingereist bin, dann würde mir nie im Traum einfallen die Türkei mit in meine Aufzählung aufzunehmen. Zumindest nicht aus meiner Kindheit. Mit dem Helden, das weiß ich glasklar, war ich drei Mal dort. Zwei Mal waren wir alleine und dann noch einmal mit dem Minihelden kurz bevor er zwei Jahre alt wurde. Aber aus der Zeit aus meiner Kindheit weiß ich so gut wie gar nichts mehr.

Ich erinnere mich an Kleinigkeiten. An winzige Bruchstücke, kleine Bildfetzen…

Ich kann mich an einen Bootssteg aus Stein erinnern und dass ich dabei zusah, wie meine Eltern mit einem Boot eine kleine Tour machten und ich bei einem älteren Mädchen blieb, dass ich dort kennen gelernt hatte. Ich erinnere mich auch an ein hellblaues Notizbuch, in das ich gerne schrieb. Aber nicht mehr was ich schrieb.

Ich erinnere mich an die Eisverkäufer in der Stadt, die sich einen Spaß daraus machten einem das Eis immer hinzuhalten und dann schnell wieder wegzogen… Ich fand das gar nicht lustig. Es dauerte ewig, bis ich endlich mein Eis bekam und langsam war ich schon richtig wütend. Vielleicht erinnere ich mich deshalb so gut daran. Wer weiß…

Ich erinnere mich, dass wir in dem einen Urlaub ein Bungalow hatten und dass in dem daneben ein älteres Mädchen wohnte. Ich weiß noch, wie wir am Strand geschlossene Muscheln fanden und diese mit zum Haus nahmen. Wir taten sie in ein Glas Wasser und wollten sie dabei beobachten, wie sie sich öffnen würden. Ganz genau erinnere ich mich daran, wie das Wasser dann auf einmal ganz doll stank, so dass unsere Eltern uns damit wieder zum Meer schickten, damit wir die Muscheln zurück taten. Ob es der Gestank war, der mich heute noch daran denken lässt? Wer weiß….

Eines haben diese Erinnerungen gemeinsam:

Ich war noch keine 8 Jahre alt… Ich war wirklich noch sehr jung und die Erinnerungen wohl auch. Manchmal bringt mich das zum Grübeln. An was werden sich meine Kinder später noch alles erinnern?

Wenn ich zum Beispiel an mein erstes zu Hause zurück denke, dann weiß ich, dass da ein Spielplatz im Hof war und viele Büsche. Ich weiß, dass ich mit den anderen Kindern nach Weihnachten einen Baum vom Straßenrand einsammelte und wir ihn in den Büschen versteckten. Wir dekorierten ihn mit Silvester – Sachen und Lametta… alles, was wir eben draußen fanden und hatten so unseren eigenen Weihnachtsbaum auf dem Spielplatz.

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Weihnachten zu Hause mit viel Glitzer und Musik

Ich erinnere mich, dass wir gerne im Sandkasten Zuckersand gemacht und Sandkuchen gegessen haben (zum Leidwesen meiner Mutter, weil ich dadurch häufig Würmer hatte). Ich erinnere mich, dass ich gerne ganz früh zur Schule ging, damit ich noch vor den Schullotsen vor der Schule stand. Unten im Haus wohnte die Oma eines Mädchens, das irgendwann mal zu einer sehr guten Freundin wurde und bei dieser Oma aß ich gerne Gemüsesuppe (zu Hause nicht). 

Kleine Puzzle – Teile, die ein etwas verschwommenes Bild ergeben.

Als ich 9 Jahre alt wurde zogen wir um. Meine Schwester kam auf die Welt, mein Leben veränderte sich. Ich würde sagen, dass ab da meine Erinnerungen immer klarer werden. Ich kann mich an Freunde, Ausflüge, die Schule erinnern. Als ob von diesem Zeitpunkt an mehr Raum in meinem Kopf geschaffen wurde. Je älter ich wurde, desto besser kann ich mich heute erinnern.

Wie viele kleine Puzzle – Teile setzen sich meine Erinnerungen aus den verschiedenen Zeiten zu einem leicht verschwommenen Bild zusammen und alles was ich weiß ist, dass ich als Kind viel gelacht habe. Ich glaube, ich hatte ein relativ sorgloses Leben und das wird wohl die Hauptsache sein…

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Meine Oma nähte oft Kleider für mich und das gehörte zu meinen Lieblingskleidern…

Daraus ergibt sich für mich etwas, was ich unbedingt für meine Kinder schaffen möchte!

Ich möchte ihnen schöne Erinnerungen an ihre Kindheit geben. An mir selbst merke ich, wie schwer es ist sich an eine Kindheit zu erinnern. Ich stelle fest, dass man sich vor allem an die Dinge erinnert, die entweder ganz Besonders und nicht alltäglich waren oder die, die irgendwie negativ behaftet waren. Zwei Richtungen, die jedes Kind mit Sicherheit einschlagen wird und die sich nicht vermeiden lassen werden. Nicht alle Wege sind immer frei von Stolpersteinen.

Aber ich kann dazu beitragen, dass meine Kinder sich später an ein positives Gefühl erinnern können. Ich kann dazu beitragen, dass jeder Stolperstein, jede Hürde, die sie als Kinder nehmen mussten, sich nicht schwer anfühlt und zu einer schwammigen Erinnerung wird. Ich kann besondere Momente und Gefühle schaffen, die immer im Gedächtnis nachhallen werden, so dass sie hoffentlich später sagen können: „Ja, Mama, ich hatte eine glückliche Kindheit. Da war immer ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit“.

Eines Tages werde ich da sitzen und fragen „Kannst du dich noch erinnern“ und mein Kind wird mich mit fragendem (vielleicht sogar leicht genervten) Blick anschauen und sagen „Mama, ernsthaft, ich war vier, wie soll ich mich daran noch erinnern können?!“ und ich werde etwas wehmütig sein, weil es doch so eine schöne Erinnerung ist, aber mich auch darauf besinnen, dass es sicher einen kleinen Nachhall in irgendeinem Winkel der Erinnerungen meiner Kinder hinterlassen hat.

Nichts ist vollkommen vergessen, nur eben ein wenig verblasst…

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