Wie der Sohn und ich auf der Suche nach dem Lächeln waren…

Lächeln

Heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen, die sich über die letzten Wochen hinweg entwickelt hat. Eigentlich baut sie sogar auf einer Erfahrung auf, die der große Sohn und ich vor drei Jahren schon einmal gemacht haben. 

Damals erzählte ich euch von einem Mann, dem wir fast täglich begegneten. Er wirkte immer etwas traurig, regelrecht grimmig und lief jeden Tag, so wie wir, seine Route mit seinem Hund ab. Wirklich jeden Tag begegneten wir ihm und damals, ganz zu Anfang, hatte der damals noch eher kleine Sohn sogar ein kleines bisschen Angst vor ihm. Er war immer dick und kuschelig angezogen, unter seiner dunkel Mütze ragten dicke graue Haare hervor und seine Augen wirkten immer etwas verbittert. Dazu dann noch der große und wuschelige Hund, der vor ihm herlief, so dass der Sohn doch einen gewissen Respekt vor ihm entwickelt hatte.

Damals begann ich irgendwann diesen Mann zu grüßen

So machen wir das, wenn wir quasi auf einem Dorf wohnen und jeden Tag immer die gleichen Gesichter treffen. Irgendwann fängt man sich an zu grüßen, vielleicht auch Sorgen zu machen, wenn eines dieser vielen Gesichter, die man tagtäglich sieht, plötzlich fehlt. Warum es wohl fehlt, fragt man sich dann und ob alles ok ist.

Na jedenfalls fing ich irgendwann an diesen Mann morgens zu grüßen. Immerhin liefen wir quasi jeden Morgen aneinander vorbei und seitdem wir das taten, veränderte sich etwas zwischen uns und diesem Mann. Er zeigte uns sein Lächeln, freute sich daraufhin auch jeden Morgen uns zu sehen und grüßte freundlich zurück. Auch nach drei Jahren ist das übrigens immer noch so…

Lächeln

Nun hat sich unsere morgendliche Routine ja ein wenig verändert!

Die Wege, die wir nun jeden Morgen zu bestreiten haben, sind etwas anders. Auch die Zeiten. Wir müssen früher aus dem Haus und sind länger unterwegs, doch auch hier sind mir in den letzten Wochen Kleinigkeiten aufgefallen, die immer wieder kehren und ich finde das faszinierend.

Da ist dieser ältere Mann, der jeden Morgen an seinem Fenster sitzt und die Menschen beobachtet, die daran vorbei fahren. Die etwas dickere Frau, die vor ihrem Café auf einem Stuhl hockt und auf Kundschaft wartet. Ob sie dort später im Winter auch noch sitzen wird? Manchmal kommt uns ein recht fülliger Mann mit sehr breiten Schultern entgegen, meist trägt er ein gelbes Neon-T-Shirt, und walkt. Alle paar Tage steht ein Junge mit seinem Fahrrad an einer Gabelung und wartet scheinbar auf einen Freund, um mit diesem zusammen weiter zu fahren und fast jeden Tag werden der Miniheld und ich von einem anderen Jungen auf dem Rad überholt, der laut Musik hört. Das Gute daran: Wir hören ihn schon vom Weiten und können Platz machen.

Und dann ist da dieser Mann, der jeden Morgen, also wirklich jeden Morgen, eine Runde spazieren geht. Im immer gleichen Tempo trottet er den Weg entlang. Er ist nicht besonders schnell unterwegs, aber konstant und schaut dabei meist konzentriert gerade aus. Es ist ein kleiner älterer Mann, der vermutlich einfach in Bewegung bleiben möchte…

Wir erinnerten uns an die Geschichte von vor drei Jahren

Dieser kleine Mann wirkt auf uns immer sehr ernst und auch ein wenig grimmig. Ganz wie der Mann von damals. Nach etwas über einer Woche meinte der große Sohn dann zu mir, dass wir vielleicht auch hier anfangen sollten ihn nun jeden Morgen mit einem Lächeln zu begrüßen. „Vielleicht machen wir ihm damit eine Freude“, meinte der Miniheld und erinnerte mich an die Geschichte von damals und an das gute Gefühl, das wir hatten, als das strahlende Lächeln auf einmal als Belohnung für uns und ihn kam.

„Wäre es nicht schön, wenn er sich vielleicht auch jeden Morgen darauf freut ein freundliches Gesicht zu sehen?“. Ich fand den Gedanken vom großen Sohn so wunderbar. Gerade in der rasenden und unfreundlichen Zeit von heute, wo sich kaum noch einer Zeit für Freundlichkeiten nimmt sind es doch genau diese kleinen Gesten, die einen den Tag versüßen können, nicht wahr? Also fingen wir an den Mann jeden Morgen anzulächeln, wenn er an uns vorbei kam. Ich nickte immer freundlich und der Sohn schenkte ihm ein breites Lächeln.

Lächeln

Die Tage zogen ins Land…

Insgesamt sind wohl nun schon um die vier Wochen vergangen und noch immer begegnen uns jeden Morgen die gleichen Gesichter, mehr oder weniger… Manchmal treffen wir den Mann eher zu Beginn unserer Strecke, manchmal auch erst später. Es vergeht allerdings kein Tag, an dem er nicht an uns vorbei läuft und ich glaube, wenn er mal fehlen würde, wer er so ein Mensch, bei dem ich mich fragen würde, ob alles ok mit ihm ist.

Vier Wochen, in denen wir jeden Morgen ein freundliches Nicken in die Welt hinaus schicken ohne etwas dafür zurück zu verlangen, einfach weil es sich gut anfühlt. Und dann passierte es heute Morgen. Wir waren gerade an dem Mann vorbei, da rief der Miniheld von hinten aufgeregt „Mama, er hat zurück gelächelt!!“.

Und mit nur einem kleinen Lächeln hatte dieser Mann es geschafft meinen Sohn für diesen Tag einen schönen Morgen zu bescheren.
Es sind oft nur diese kleinen Gesten, die dafür schon ausreichen und sie kosten nicht viel Zeit und auch sonst nicht viel… sind dabei aber so unglaublich wertvoll!

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