“Das kleine Ich auf der Suche nach sich selbst” von Ina Schmidt #Rezension

Das kleine Ich

Rezension*

Als der große Sohn vor einigen Jahren in die erste Klasse kam, beschäftigten sie sich dort mit einem Kinderbuch, das ihn nachhaltig sehr geprägt und beeindruckt hatte. Es handelte sich damals um “Das kleine WIR” von Daniela Kunkel und seitdem sind so einige schöne Varianten vom kleinen WIR erschienen. Immer wieder gerne holen wir die Bücher hervor und lernen etwas über Gemeinschaften, Miteinander, Konflikte und ihre Lösungen und wie stark ein WIR sein kann.

Doch was ist eigentlich mit dem Ich? Immer wieder sprechen wir darüber, wie wichtig es ist sich selbst zu lieben, kennen zu lernen, sich immer wieder selber zu reflektieren. Das ist nicht immer einfach und stellt uns täglich vor eine große Herausforderung. Besonders Kinder haben täglich gefühlt 1000 Fragen über sich, ihre Gefühle und die Welt und wir sind kaum dazu in der Lage jede davon zufriedenstellend zu beantworten. Immerhin stehe ich selber jeden Morgen vor dem Spiegel und frage mich, was ich hier mache, wie manche Dinge entstehen oder geschehen können, warum ich fühle, wie ich fühle… Fragen über Fragen und immer, wenn es mir gelingt eine Antwort zu finden, habe ich mich wieder ein Stückchen mehr selber kennengelernt.

In jedem von uns stecken viele Versionen eines “Ichs”

Neulich musste ich mich für die Schule mit dem großen Sohn über Rollen unterhalten, die man als Mensch im Laufe eines Tages und Lebens so einnimmt. Man ist das Kind von jemanden, ein Schüler, vielleicht auch ein Lehrer, ein Sportler, Künstler, Freund… alles Rollen, die mit verschiedenen Erwartungen und Bedingungen von anderen aber auch von sich selbst an einen verknüpft sind. Nicht selten geraten wir dadurch auch in emotionale Konflikte und es ist nicht immer einfach jeder Rolle gerecht zu werden.

Ähnlich wie diese Rollen, die wir im Alltag einnehmen, verstecken sich in uns drin auch verschiedenen Versionen unserer Ichs. Was meine ich damit? Nicht immer sind wir gleich. Es gibt Momente, in denen sind wir besonders ängstlich, in anderen sehr mutig. Manchmal sind wir einfach nur wütend und dann unerklärlich glücklich. Viele verschiedene Emotionen und Eigenarten verstecken sich in einem Menschen und auch hier ist es nicht immer einfach all das in Einklang zu bringen oder es zu verstehen.

“Das kleine Ich auf der Suche nach sich selbst” von Inga Schmidt

Das kleine Ich

Heute möchte ich euch ein schönes Kinderbuch vorstellen, auf das ich mich wirklich sehr gefreut habe, denn als ich im ersten Moment davon hörte, fühlte ich mich direkt von seiner Bedeutsamkeit an die Bücher über das kleine Wir erinnert.

Inga Schmidt, die wir schon aus dem Buch “Kleine und große Fragen an die Welt” kennen, widmet sich in ihrem neuen Werk “Das kleine Ich auf der Suche nach sich selbst” genau dieser Form von Selbstfindung, mit der sich Kinder täglich auseinandersetzen müssen. Es ist aus meiner Sicht kein typisches Kinderbuch, denn es bietet viele Denkanstöße, über die man sich gemeinsam mit dem Kind nach dem Vorlesen austauschen kann. Dabei sind die Kapitel zum Vorlesen eher kurz gehalten und bieten so viel Raum zum Nachdenken und Philosophieren. Daher beschreibt der Carlsen Verlag selber dieses Buch als eine “philosophischen Vorlesegeschichte für Mädchen und Jungen ab fünf Jahren”. 

Das Buch selber umfasst 64 Seiten und wurde von Lena Ellermann illustriert. Auch sie arbeitete schon an den ersten beiden Werken von Ina Schmidt mit, die ähnlich philosophisch aufgebaut sind. Ein super Team also *lach*.

Das kleine Ich hat viele Fragen und Gedanken…

Jeden Tag wacht das kleine Ich auf und ihm gehen viele Fragen und Gedanken durch den Kopf. Wirklich viele und wenn man das so mitbekommt, ist es erstaunlich, dass es dennoch gut schlafen kann. Ich selber würde mich wohl am nächsten Tag vollkommen gerädert fühlen, wenn mich noch vor dem Einschlafen so viele Sachen beschäftigen würden. Ihr kennt das doch sicherlich.

So fragt sich das kleine Ich zum Beispiel was mit der Welt passiert, wenn das Licht ausgeht oder woher wir wissen, dass wir träumen. Fragen, die man wirklich nur schwer beantworten kann. Auch würde es gerne wissen, ob es wohl immer das “kleine” Ich bleibt und wohin nur all die Zeit immer geht. Viele solcher Fragen gehen ihm immer wieder durch den Kopf und eines Tages stellt es fest, dass es jemanden braucht, mit dem es über diese Fragen sprechen kann. Die Meisen sind hierbei nämlich keine große Hilfe und scheinen kein wirkliches Interesse an solchen Dingen zu haben. Und so zieht das kleine Ich los und macht sich auf die Suche nach anderen Ichs, damit es sich mit ihnen austauschen kann.

Auf seiner Reise öffnet es sich neuen Wegen und wagt auch einmal etwas und so trifft es schon nach kurzer Zeit auf andere Ichs, die ihm irgendwie ähneln, aber sich auch unterscheiden. So trifft das kleine Ich auf das wütende Ich zum Beispiel oder auch auf das freche. Auf dieser Reise lernt es nicht nur eine ganze Menge über sich selber, sondern auch über Freundschaft und Zusammenhalt und das in jedem auch ein bisschen von dem anderen stecken kann.

Das kleine Ich

Ein Buch, das viel Stoff zum Reden und zum Nachdenken bietet

Nicht nur, dass es viele Fragen in den Raum wirft, die wir uns vielleicht selber schon einmal gestellt oder vielleicht auch noch nie gestellt haben, wie schon Eingangs erwähnt gibt es auch nach jedem Kapitel von Schmidt Denkanstöße, die uns dazu einladen uns mit verschiedenen Bereichen etwas intensiver zu beschäftigen.

So wirft die Autorin schon nach dem ersten Kapitel die Idee in den Raum, dass Denken ja ein wenig so ist, als würde man mit sich selber reden, später fordert sie uns auch mal dazu auf zu überlegen, welche Version eines Ichs wir am liebsten an uns mögen oder uns auch mal ungewissen Situationen zu stellen, helle Orte zu suchen und zu beobachten, wie es uns dann geht und vieles mehr.

Es ist eine Kombination aus lesen, erleben und überlegen und so ein bisschen wie eine kleine Reise zusammen mit dem kleinen Ich, um mehr über uns selber zu lernen, aber auch über die Menschen um uns herum und warum sie manchmal anders denken oder auch reagieren als wir.

Dieses Buch ist ein wirklich schönes und besonderes Buch für Kinder, die mit vielen Fragen durch die Welt laufen.

*Anmerkung: Das Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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