Gewohnheitstier

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier…

Da sitze ich und erzähle euch immer wieder etwas von Veränderungen und dabei bin ich eigentlich das totale Gewohnheitstier. Kennt ihr das? Ich neige dazu verdammt schnell wieder in alte Gewohnheiten zurück zu verfallen. Mal schneller, mal langsamer. Veränderungen machen mir persönlich eigentlich sogar immer eher Angst und sorgen im Vorfeld für einige schlaflose Nächte, diverse Albträume und Unwohlsein viele Tage lang. Häufig zeigt sich zwar im Nachgang, dass die Veränderungen überwiegend für etwas Gutes gesorgt haben, aber es gelingt einem zuvor nicht sich diese Tatsache vor Augen zu halten. 

Gewohntes bietet halt auch ein Wohlfühlumfeld, ansonsten wäre es ja nicht etwas, das man sich zur Gewohnheit gemacht hätte, oder?

So möchte ich mir das immer gerne einreden

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das machen wir nicht mal mit Absicht. Die meisten täglichen Handlungen sind Gewohnheiten, die unterbewusst entstehen, weil wir sie täglich oder regelmäßig wiederholen. Das Schlummertaste drücken, wenn der Wecker morgens um 6 Uhr klingelt. Manch einer braucht als erstes den Gang zur Toilette, ein anderer setzt sich lieber erst einmal einen Kaffee auf. Gewohnheiten entstehen durch Wiederholungen  und sind am Ende Vorgänge, die von ganz alleine – also ohne groß nachdenken zu müssen – ausgeführt werden können. Also helfen uns Gewohnheiten auch dabei einen relativ geregelten Alltag zu vollführen.

Damit sprechen wir wohl von den Routinen, über die ich hier immer wieder gerne mit euch rede und die ich ständig versuche für uns neu zu erfinden und in unseren Alltag zu integrieren. Dem Gewohnheitstier ein paar kleine Modifikationen hinzufügen quasi.

Warum es gar nicht verkehrt ist ein Gewohnheitstier zu sein?

Wenn die Dinge für uns schon unbewusst automatisch ablaufen, ohne dass wir groß darüber nachdenken müssen, haben wir ja quasi nebenbei Kapazitäten für anderes frei. Während wir uns also unser Frühstücksbrot schmieren, können wir den Tag planen. Nur mal als Beispiel. Oder über die Frage nachdenken, welchen Kuchen wir für den Schulbasar morgen backen könnten. 

In  manchen Bereichen so ein Gewohnheitstier zu sein, das ist sicherlich nicht verkehrt. Aber in manchen Bereichen halt auch nicht unbedingt hilfreich. Gerade im Laufe unseres Lebens werden wir immer wieder mit neuen Situationen und Veränderungen konfrontiert und wir müssen uns etwas anpassen, Dinge nachjustieren oder gar ganz verändern. Das macht mir persönlich immer ziemlich Angst, ich schiebe nicht selten diese Dinge weit von mir weg und am Ende tue ich mich sehr schwer damit. Ich glaube, was das angeht, schlagen meine Kinder stark nach mir. Auch sie haben mit (großen) Veränderungen meist so ihre Probleme. Dabei haben wir wirklich schon die Erfahrung gemacht, dass das grundsätzlich gar nicht schlecht sein kann. Außerdem müssen wir sowieso lernen damit klar zu kommen. Irgendwann kommt man auf die Schule, wechselt die Schule, lernt einen Beruf, muss einen Job finden, steht auf einmal auf eigenen Beinen und und und… Es kommt immer wieder. Ob wir wollen oder nicht.

Gewohnheitstier

Ich muss nur einen Weg finden das alles für mich zu ordnen

Gerade jetzt stehen uns wieder solche Veränderungen bevor und wir tun uns sehr schwer damit. Vor allem der große Sohn und ich. Diese Ungewissheit zerreißt uns teilweise regelrecht, obwohl wir wissen, dass sie unvermeidbar ist. 

Der Mensch braucht im Schnitt 21 Tage, um eine neue Angewohnheit zu verinnerlichen. Jedes Mal, wenn ich die 30 Tage Wasser Challenge absolviere, bin ich unglaublich stolz auf mich, dass ich 30 Tage lang auf den geliebten Morgenkakao und Kohlensäure verzichtet habe. Jedes Mal wieder merke ich, dass es mir gut tut und kann die neue Angewohnheit relativ gut beibehalten. Bis… ja bis ich einmal schwach werde. Und dann nochmal und zack, ehe ich mich versehe, trinke ich wieder jeden Morgen meinen seeeehr schokoladigen Kakao. Dieses Rückfällig werden ist echt nervig. Auch was Ordnung oder Sportroutinen angeht.

Aber es gibt auch etwas Gutes daran, wenn man es immer wieder versucht: Es bleibt jedes Mal auch ein Stückchen der neuen Angewohnheit hängen. Sei es, dass ich mehr Wasser allgemein trinke oder gewisse Haushaltsroutinen doch irgendwie bestehen bleiben (auch wenn wir oft Chaos bei uns haben). Es bleibt immer auch etwas hängen und deshalb schadet es nicht es immer wieder auf’s Neue zu versuchen und niemals aufzugeben.

Diese Veränderungen bewirken in der Regel etwas Gutes. Sei es das Zimmer vom großen Sohn. Er tat sich sehr schwer damit, dass ich vieles aussortieren oder weg packen wollte. Doch nun liebt es diese neue Freiheit und Atmosphäre in seinem Zimmer und ist so viel lieber da oben als früher. Oder das neue Torwartraining, das er nun zusätzlich hat. Es hat sein Feuer irgendwie neu entfacht, obwohl er das nie so intensiv mit dem Tor praktizieren wollte, so liebt er es jetzt und trainiert sogar freiwillig in seiner Freizeit. Gewisse Dinge im Haushalt schaffe ich immer. Auch wenn der Tag mal voll ist.

Als Teenager war ich ein ganz extremes Gewohnheitstier

Ich bewegte mich kaum, saß den ganzen Tag, stöberte im Netz oder zeichnete Stunden lang. Grundsätzlich alles nicht verkehrt, doch wer nur sitzt, isst und sich nicht groß bewegt, der tut sich auch nichts Gutes. Es hat mich damals viel Überwindung gekostet mich mehr im Alltag zu bewegen. Im Laufe der Jahres ist das zu einer neuen Gewohnheit, einem neuen Bestandteil von mir geworden und heute fühlt sich ein Tag, an dem ich nicht etwas Bewegung draußen hatte, nicht nach einem richtigen Tag an.

Wenn ich eine neue Maus kaufe, weil meine alte rumspinnt, brauche ich manchmal ewig, um mich daran zu gewöhnen, dass sie sich jetzt anders anfühlt beim klicken. Manchmal ist alles so haptisch, dass es sich komisch anfühlt. Wisst ihr, was ich meine? Neue Menschen. Neue Situationen. Ein neues Bettlacken. Es kann so unterschiedlich sein.

Auch ein Gewohnheitstier ist lernfähig und kann sich weiterentwickeln, neue Gewohnheiten entwickeln. Daran glaube ich ganz fest. Zwar müssen wir dafür manchmal unsere Komfortzone verlassen, aber in der Regel lohnt es sich. Daran möchte ich immer glauben.

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