Gedankentagebuch #50 – Wenn ich in die Leere starre
Wie immer, wenn ich vor dem Laptop sitze und ewig auf das leere, weiße Feld meines Editors starre, eine enorme emotionale Müdigkeit verspüre und der Blick sich einfach nicht scharf stellen will, denke ich, dass es wohl wieder an der Zeit ist den Kopf ein wenig leer zu schreiben. Zeit also für ein Gedankentagebuch. Um wieder etwas klarer und geordneter zu werden. Es gibt einem das Gefühl von Produktivität und Ordnung. Klingt vielleicht albern, ist aber manchmal so. Anstatt hier zu tippen könnte ich ja auch an anderen Stellen produktiv werden. Aber kennt ihr dieses Gefühl von Müdigkeit? Nicht, weil man zu wenig geschlafen hat. Es ist manchmal so ein Gefühl, dessen Ursache sich nur schwer eindeutig ergründen lässt.
Die Schule hat nun wieder angefangen
Gestern klingelten die Wecker bei uns und anstatt den Sonntag nochmal richtig zum Entspannen und mental darauf vorzubereiten zu nutzen, verlief alles ganz anders als geplant und soll hier auch nicht weiter Thema werden.
Fakt ist, dass dieser Montag nun viel zu schnell kam und ich dieses Gefühl der Unlust bei den Kindern durchaus gut nachvollziehen kann. Schule ist wichtig. In jedem Fall, aber gerade mit Blick auf bestimmte Bereiche in der Oberschule nicht immer unbedingt so gestrickt, dass es wirklich auf das vorbereitet, was die Kinder oder eben dann junge Erwachsene dann brauchen. Egal.. das ist ein anderes Thema, über das man ganz eigene und neue Diskussionen führen könnte. Schulbeginn heißt halt auch wieder Schulalltag und das wiederum heißt für die Kinder Lernen, Hausaufgaben und ständige Anforderungen und für uns Eltern, dass wir nun wieder ein wenig die Position des Bösen einnehmen und ständig parat stehen müssen, um darauf zu achten, dass eben diese Dinge auch ja schön umgesetzt werden.
Ich hasse es meinen Kindern immer wieder mit den gleichen Phrasen im Ohr liegen zu müssen, die ich als Kind schon selber so gehasst habe. Aber Noten sind nun mal wichtig für die Zukunft, das lässt sich nicht ändern. Für den großen Sohn geht es in diesem Jahr um die Abiturzulassen, für den kleinen um die Frage, wo oder wie es dann im nächsten Schuljahr mit ihm weiter gehen soll. Man muss aufpassen, dass sie nicht irgendwo den Anschluss verlieren und wenn man mit ihnen zusammen lernen möchte, nehmen sie es zwar dankbar an, aber meist besteht dieses Zusammensitzen dann auch aus 50 % Austausch und 50 % Diskussion. Ich hasse das. Wirklich. Ich würde sie einfach ihren Dingen nachgehen lassen. Es macht mir alles genauso wenig Spaß wie ihnen und ich fühle wirklich mit ihnen.
Die ersten Termine stehen sogar schon im Kalender
Gestern erst zur Schule und ich habe bereits den ersten Termin für einen Elternabend, für eine Projektwoche und der Sohn schon drei Termine für Klausuren VOR den Ferien und weitere für direkt nach den Ferien. Ich meine… in 6 Wochen sind bereits Herbstferien. Das ist an sich wirklich eine kurze und machbare Phase, aber in drei Wochen schreibt der große Sohn schon die erste Arbeit. Verrückt. Da können wir ja eigentlich schon sofort mit dem Lernen anfangen. Juchuu…
Aus der Grundschule gab es noch keinen Elternabend-Termin, aber die Info, dass auch dieses Jahr wieder abgestimmt wird, ob es Noten geben soll oder nicht. Auch so ein Thema, dass riesige Kluften zwischen der Elternschaft schafft… brauchen wir hier jetzt auch nicht drüber reden. Ich hab das schon so oft durch… auch hier fehlt es mir an manchen Stellen an Sinnhaftigkeit bzw. fehlte es im vergangenen Schuljahr dann an der versprochenen Umsetzung der verbalen Beurteilung.
Fakt ist: Ich bin genauso Schulmüde wie meine Kinder
Und an manchen Tagen fällt es mir schwer das zu verbergen, das gute Vorbild zu sein. Ich krame schon jeden Morgen das Höchstmaß an Optimismus aus mir heraus, um den kleinen Morgenmuffel mit guter Laune und Motivation gegenüber zu treten.
“Wie kannst du nur morgens immer so gute Laune haben”, sagte der große Sohn deswegen mal zu mir. “Ich kann an der Situation an sich nichts ändern”, antwortete ich, “also muss ich es nicht mit schlechter Laune noch ätzender machen”.
Immer wieder predige ich, dass das alles auch eine Einstellungs- und Kopfsache ist. Das alleine kann schon einen großen Unterschied machen, wie man das Unliebsame wuppen kann.
Oft fühle ich mich viel zu müde zum Laufen
So geht es mir wirklich. Ich packe mir den Lauf Gurt und die Kopfhörer ein, wenn wir zum Training fahren. Bisher habe ich es gut umgesetzt bekommen parallel zum Training des großen Sohnes meine Runden auf der Tartan-Bahn zu drehen. Aber eben, weil ich es mache, obwohl ich mich wirklich gar nicht motiviert dafür fühle. Ich muss mich auch arg zusammen reißen und mich nicht von anderen Menschen auf dem Platz ablenken lassen. Die ideale Ausrede, um nicht laufen zu gehen. All die Menschen, mit denen man sich ja noch ein bisschen unterhalten könnte und dann ups… die Zeit reicht ja gar nicht mehr. Nein, nein…
Ich gehe nach hinten, schnelle mir den Gurt um, verbinde die Kopfhörer mit dem Handy und schalte direkt meine Musik an. Ist der Schritt schon einmal getan, komme ich zumindest in diesen entspannten Zustand mit der Musik. Musik verändert wirklich alles. Auch die Stimmung. Ich stelle den Rucksack ab, ziehe den Pulli oder die Jacke aus und lege sie darüber und gehe erst einmal eine Runde spazieren. Dabei suche ich meinen Intervall raus, lasse die Musik ihre Arbeit tun, aktiviere den Modus auf der Uhr und sobald ich die Runde rum bin drücke ich auf Start und trabe langsam los. Zu Beginn meist wirklich langsam. Wichtig: Hauptsache erstmal los.
Was hat das jetzt mit unserer Morgenmotivation zu tun?
Im Grunde nur, dass es eben eine Einstellungssache ist: Und bin ich aktuell noch so müde oder Lustlos. Erstmal los. Einfach machen. Am Ende ist es an sich eine Sache, an der man so erst einmal nichts ändern kann. Also warum nicht das Beste raus holen. Am Ende ist man zufrieden, dass man es eben doch irgendwie gewuppt hat.
Gestern zum Beispiel: Ich war von dem aufreibenden Sonntag noch völlig erschöpft. Eigentlich war ich wirklich null motiviert und einfach nur müde. Ich weiß aber, ich hätte mich geärgert, wenn ich es deswegen gelassen hätte. Ich trabte los. Nebenher baute auf einmal die freiwillige Feuerwehr ihre Übungen auf der Bahn auf. Maaaaan, dachte ich. Runde um Runde lief ich an ihnen vorbei. Musste auf die äußerste Bahn ausweichen oder auch mal auf den Rasen in der Mitte, weil ich ständig unsicher war, ob und wann die auf einmal loslaufen würden. Letzten Freitag baute der 1. Herren Trainer auf einmal ein Athletik- und Krafttraining dort auf und die Männer stemmten Gewichte und mussten Kraftübungen mit diesen schweren Seilen machen. Na toll, genau da, wo ich lief. Staffellauf der Feuerwehr, Sprint von irgendwelchen Boxern, die an dem Tag den Platz hinten nutzten… alles Faktoren, bei denen ich immer wieder denke “und dann trottet die kleine Frau hier hechelnd an ihnen vorbei”.
Für Eitelkeit ist hier wirklich kein Platz. Schon lange nicht mehr. In all den Jahren auf dem Sportplatz habe ich das wirklich abgelegt. Am Ende eines Fußballtages sehe ich IMMER aus wie ausgerotzt. Und wenn ich laufen war sowieso. Ich glaube alle, die mich durch Fußball kennengelernt haben, kennen mich in all meinen Facetten. Frisch geschminkt und ordentlich angezogen, in Trainingssachen, ungeschminkt und verschwitzt und Dank der einen oder anderen Vereinsfeier durchaus auch in Kostüm oder festlichem Kleid. Das kann man sicherlich nicht über jeden sagen. Unverfälschter geht es wohl kaum.
Vorteil am Schulalltag?
Ja, den gibt es tatsächlich auch. Wir haben wieder eine richtige Routine und die weiß ich durchaus zu schätzen, auch wenn dadurch die Tage wieder einfach nur voll, voll und nochmal voll sind. Aber so einen Tagesroutine ist wirklich wertvoll und hilft (zumindest mir) bestimmte Dinge einfach besser umzusetzen.
Die Ferien waren teilweise wirklich schon frei von jeglicher Ordnung. Auch wenn ich die Kinder immer zu einer bestimmten Zeit ins Bett schickte, so war es doch anders und ja durchaus auch später. Wenn man nicht aufstehen muss, dann schläft man auch mal lange. Eines von zwei Kindern kann das richtig, richtig gut und verpennt so auch regelmäßig dann ein Frühstück und im Zweifelsfall sogar ein spätes Frühstück. Spontanität fällt wieder etwas schwerer, kommt mir allerdings ehrlich gesagt etwas entgegen, denn ich kann zwar spontan sein, will es aber von mir aus sein und nicht, in dem man es mir aufdrückt.
Es gibt ein paar Dinge, die ich gerne angehen möchte und die fallen mir so jetzt wieder deutlich leichter. Ferienmodus zu Ende. Jetzt wird wieder rangeklotzt. So sage ich mir das zumindest. Jetzt wird der Kalender wieder ordentlich geführt und der Haushaltsplan. Die Termine, die sich schon wieder häufen und was eben sonst noch alles kommt.
Die Tage diese Woche muss ich vor allem nutzen, um diese mentale Müdigkeit abzuschütteln, um zu mir zu finden, mich wieder wacher und aufnahmefähiger zu fühlen. Daran arbeite ich jetzt die Tage mal und dann mal schauen, was der September noch so für uns bereit hält.



6 Kommentare
Angela
Achja, es ist oft so ein Riesenhubbel, über den wir uns erstmal rüber motivieren müssen und dann läuft es auf der anderen Seite oft leichter als gedacht. Aber dieser Hubbel! mir geht das auch so oft so und ich bewundere dich, dass du deinen Kindern so ein gutes Vorbild bist.
Und mir geht es auch so, dass Struktur im Tag am Ende sehr hilfreich ist und das Hirn entlastet.
Ich wünsche auf jeden Fall einen ruckelarmen Einstieg in das neue Schuljahr und alles Gute für die Klausur!
Sari
*lach* Danke, Ruckel beschreibt es wohl ganz gut :)
bullion
Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Voll schön, dass du sie niedergeschrieben hast. Leider bin ich meist kein so gutes Vorbild und lass mir meine Laune bzw. Anspannung, was Job und Alltag angeht, manchmal doch raushängen. Da muss ich echt an mir arbeiten, denn, wie du richtig sagst, die Umstände sind so, da kann man nix dran ändern, aber man muss ja nicht schlecht gelaunt rangehen.
Beim Laufen gelingt mir das deutlich besser. Also das einfach mal loslaufen, dann wird es schon. Selbst wenn ich überhaupt nicht motiviert bin an einem Tag. Schön, dass du deine Grundeinstellung auch auf das Laufen übernehmen konntest.
Ich drücke euch die Daumen, dass sich die kräftigende Struktur schnell einstellt. Dann sind ja auch wieder Herbstferien. Ihr hattet da sogar zwei Wochen oder?
Sari
Ich glaube wir haben zwei Wochen, ja. Und wenn ich sehe, was da schon an Klausuren vorher kommt, ist das sicherlich auch nicht verkehrt.
Es ist manchmal anstrengend für alle die gute Laune zu erhalten, wenn man selbst eigentlich so erschöpft und ausgelaugt ist, aber es ist so wichtig sich die Dinge nicht noch unnötig selbst zu erschweren.
Auch heute: Müde, aber ich will laufen. Ich muss. Das sage ich mir die ganze Zeit. Ich muss nur schauen, wie sich das Dank Testspiel heute unterbringen lässt. Määäh
Christine
Ich bin ja nur für mich selber verantwortlich. Das reicht schon. Vorbild sein. Puh. Ich wünsche dir, dass es sich entwickelt wie erhofft. 😘
Sari
Ach die sind schon gut geraten, irgendwas hab ich richtig gemacht *lach*. Vorbild sein, ist aber auch etwas Wertvolles.