Auf in Runde 2 – Das Leben als Fußballmama

Fußballmama

Willkommen zurück in einer neuen Folge „Ich wollte nie Fußballmama werden“. Wie sie gerne dargestellt werden. Also die rufenden, feiernden Frauen, die stolz T-Shirts tragen, auf denen Steht „Mama von Nr. 10“ oder „Ich bin stolze Fußballmama“. Mit Begeisterung planen, organisieren und schmeißen sie Kuchenverkäufe und reisen hinter ihren Kindern hinterher. Und Coach sind sie auch noch. Vorher nie viel Ahnung von Fußball gehabt, wissen sie nun Bescheid. So oder so ähnlich wird diese Variante gerne in beliebten Familienserien dargestellt.

Stolz sind wir, laut manchmal vielleicht auch und ja, wir backen auch Kuchen zu Gunsten der Mannschaftskasse. Aber ich glaube nicht, dass man uns Fußballmütter so über einen Kamm scheren kann. Wobei ich es leider auch nicht ausschließen kann, denn es gibt am Spielfeldrand wirklich alle Varianten von Fußballeltern. Die Lauten, die Desinteressierten, die Übermotivierten. Alles vorhanden. Irgendwo las ich mal eine schöne und auch lustige Auflistung davon, was für ein Elternteil man in dem Punkt sein kann. Sollte ich es irgendwann nochmal finden, verlinke ich es euch hier.

Fußballmama

Für mich fing das alles vor ziemlich genau 6 Jahren an

Lasst euch diese Zahl mal auf der Zunge zergehen. Vor genau 6 Jahren suchten wir für den großen Sohn einen Fußballverein. Ich warne euch heute mit dem Wissen, das mir damals fehlte: Entschließt ihr euch dazu einem Fußballverein beizutreten, dann mit Leib und Seele und viel von eurer Freizeit. Aktuell sieht bei uns die Woche so aus, dass der große Sohn 2 Mal die Woche Training hat (im Sommer durchaus auch mal 3 Mal) und am Wochenende Samstag und Sonntag Spiele und/oder Turniere und davon können durchaus auch mal welche Auswärts stattfinden. Ergo: Der Großteil eurer Freizeit findet auf dem Platz statt. Wenigstens so lange euer Kind noch in dem Alter ist, wo es das alles nicht alleine bewältigen kann oder möchte.

Fußballmama

Wenn man mit seinem 4 oder 5 Jahre alten Kind dieses Abenteuer antritt, gehört das nicht unbedingt zu den Dingen, die man auf dem Schirm hat. Auch mein Gedanke war damals vordergründig, dass es schön wäre, wenn der Sohn andere Kinder hat, mit denen er ein Hobby teilt und zusammen spielen kann. Mit einem gut motivierten und ehrgeizigen Trainer und einer Gruppe von Kindern, die über Jahre hinweg den Wunsch äußern, dass sie später gerne mal Fußballprofi werden wollen, wird daraus aber mehr als nur ein bisschen zusammen ein Hobby zu teilen. Es wird eine Leidenschaft. Eine Passion. Wir haben hier das große Glück, dass die Mannschaft vom Sohn nun in diesen 6 Jahren eine Konstante hat: Den Trainer. Das Drumherum verändert sich zwar immer wieder – Kinder kommen und gehen, genau wie Co-Trainer usw. – aber dieser feste Stamm ist uns erhalten geblieben.

Veränderung und Bewegung gehört aber dennoch zum Programm

Jeder Trainer, jeder Co-Trainer und jeder Betreuer bringt einen neuen Aspekt in so eine Mannschaft rein und es kommt immer mal der Punkt, wo es an der Zeit ist für frischen Wind zu sorgen. Das ist bei uns noch nicht so extrem der Fall und ich finde das auch gut so. Wenn ich andere Vereine beobachte, wo jedes Jahr ein anderer Trainer mit den Kindern auf dem Platz steht, bin ich froh, dass das bei uns nicht der Fall ist. Sich ständig neu einstellen zu müssen, das nervt sicherlich sehr. Wie auch immer. Der große Sohn spielt nun also schon seit 6 Jahren Fußball und stellt sich dabei auch nicht doof an. Zur Stamm-Fünf gehört er in der Regel immer und hat im Laufe der Jahre viel gelernt. Nicht nur im Zusammenhang mit dem Ball, sondern auch in anderen Aspekten.

Miniheld

Er ist mutiger geworden und durchsetzungsfähiger. Zwar auch auf eine gewisse Weise dickköpfiger, aber er hat viele seiner Unsicherheiten vom Anfang ablegen können. Manchmal ist es faszinierend zu beobachten, was in der Zeit aus ihm geworden ist. Natürlich gab es zwischendurch Phasen, wo er einen Durchhänger hatte und vieles nicht gelang, er sogar über Aufhören nachdachte, was wir ihm aber wieder ausredeten, denn seine gesamte Freizeit besteht aus Fußball. Sei es auf dem Platz, in den Hofpausen oder am Nachmittag, wenn wir zum Spielplatz gehen. Zu Hause spielt er Turniere mit dem kleinen Bruder nach und auch allgemein interessiert ihn das alles sehr. Geplanter Werdegang? Fußballer, Schiri oder Trainer. Plan B? Na mal sehen, vielleicht Sportlehrer oder so… Es würde ihm also definitiv fehlen.

Klar, dass das alles auf den kleinen Bruder abfärbt

Wobei ich schon mitbekommen habe, dass das nicht unbedingt immer der Fall ist. So kennen wir jemanden, wo der große Bruder lieber eine Schiedsrichter-Ausbildung gemacht hat, anstatt selber zu spielen und bei einem anderen spielt der große Bruder Tennis. Spannend.

In unserem Fall will der kleine Bruder aber genau das gleiche, wie der große Sohn. Rechnen wir doch einmal nach: Vor 6 Jahren ging das alles beim Minihelden los. Vereinssuche, Eintritt in einen Verein, erstes Training, erste Turniere, dann irgendwann erste Erfolge. Mir wird ganz anders, wenn ich an diese Zeit denke, denn wisst ihr was? Damals war ich hochschwanger mit dem kleinen Sohn. Ich habe noch genau vor Augen, wie ich in der Umkleide-Kabine während des Trainings saß, meinen großen runden Bauch streichelte und darauf wartete mein aufgeregtes Kind nach dem Training wieder in Empfang nehmen zu können. Als der kleine Sohn dann auf die Welt kam, wuchs er quasi am Spielfeldrand auf und lernte dort auch mehr oder weniger laufen. Mit 8 Monaten wackelte er mit einem Ball am Fuß am Spielfeldrand nebenher und manchmal glaube ich war sein erstes Wort „Tor“ (natürlich nicht ganz, aber irgendwie schon).

Geschwister

Es hätte nicht sein müssen, war aber doch irgendwie absehbar, dass der kleine Sohn dem großen Bruder nacheifern würde. Es gab eine Zeit mittendrin, wo er weniger Interesse daran hatte und einfach spielen wollte, aber der Nachbar prophezeite und schon früh einen Fußballstar und meldete sich schon einmal als zukünftigen Manager an *lach*. 

Willkommen also in Runde 2 als Fußballmama!

6 Jahre später geht das Ganze also für mich von vorne los. Mit neuem Feuer und neuer Begeisterung. Genau genommen hatte der kleine Sohn ja schon letztes Jahr sein erstes Probetraining kurz bevor dieses Pandemie-Drama los ging und es gab dadurch viele Pausen und Auszeiten, in denen nicht trainiert werden konnte und durfte, aber immerhin immer wieder ein paar Regelungen, die zumindest ein wenig Fußball erlaubten. Und der kleine Sohn liebt und lebt es. Manchmal sogar mehr als der große Bruder. Seit einiger Zeit ist es nun geordneter im Verein und seiner Mannschaft und er sammelt nun die ersten richtigen Spielerfahrungen. Wie sein großer Bruder vor 6 Jahren.

Für mich ist das extrem spannend, denn im Laufe der letzten Jahre habe ich vergessen, wie das damals beim großen Sohn war. Wie wir jedes gelungene Tor, jeden Pass feierten und uns über kleine Medaillen freuten, die die Kinder als Andenken mit nach Hause nehmen durften. Wie wir bunte Kuchen zauberten und so etwas wie eine kleine Familie am Spielfeldrand wurden. Nicht so extrem, wie gerne in den oben genannten Serien dargestellt (bei uns trägt keiner ein Motto-Shirt und Reinrufen geht ja gar nicht), aber eben doch irgendwie so etwas. Immerhin hat man viel Freizeit miteinander verbracht und auch die Kinder wurden zu Freunden.

Heldenkind

Beim großen Sohn hat sich seitdem einfach viel verändert. Inzwischen spielen sie in Staffeln, haben festgelegte Spiele, wichtige Turnier und Wettbewerbe gewonnen (oder auch mal verloren), brauchen wie in der Bundesliga jeden Punkt um nicht abzusteigen und müssen sich ständig beweisen.

Es ist einfach so viel ernster geworden…

… und auch anders spannend als bei den Kleinen damals. Jedes Spiel ist wichtig und die Kinder, die heute noch dabei sind, haben eigentlich auch klare Ziele vor Augen. Zumindest in der Mannschaft vom Sohn, die sich in den letzten Jahren durch einige Erfolge auszeichnete. Das sind Kinder, die es wirklich gerne später mal auf die eine oder andere Art wissen wollen und da fiebert man als Elternteil ganz anders mit am Spielfeldrand, sofern man sich für Fußball interessiert. An manchen Tagen ist es tatsächlich wie Bundesliga gucken.

Durch den kleinen Sohn werde ich nun gerade aber wieder ein wenig in die Vergangenheit zurück versetzt. Ich sitze da mit Müttern, die das zum ersten Mal erleben und ganz aufgeregt sind. Neben uns stehen Väter, die ganz angespannt sind, weil sie wollen, dass ihre Kinder gut mitmachen und keine Blümchen pflücken (die übliche Floskel für Kinder, die nicht so richtig wollen, ihr kennt das sicher). Und dann die Kinder, die nach dem Training aufgeregt angehüpft kommen und stolz erzählen, dass sie ein Tor geschossen haben. Das, was in dem Alter meist noch das Wichtigste in ihren Augen ist. Der Rest kommt noch von ganz alleine.

Fußballmama

Wir planen einen Kuchenverkauf und Geburtstagsgeschenke und feiern jeden noch so kleinen Erfolg, klatschen für den Torwart und jubeln bei einer 10:1 Niederlage über dieses eine Tor, was uns stolz macht. Alles wie damals und irgendwie schön, dass ich das nun doch noch einmal erleben darf, auch wenn ich immer sagte, dass ich alles mitmache, nur kein Fußball bitte. Ich wollte doch niemals eine Fußballmama werden und nun starte ich Durchgang Nummer 2 und verbringe doppelt so viel Zeit am Spielfeldrand wie vorher…

Ich bin gespannt, wie sich das alles weiter entwickeln wird und welche Träume und Ziele meine Kinder später wirklich einmal umsetzen werden. Vielleicht werden sie ja wirklich einmal Profis und ich feuere sie in einem großen Stadion an, bin für sie da und fange sie auf, wenn es mal nicht gut läuft.

Aber vielleicht werden sie auch Sportlehrer und Tischler. 
Bis dahin ist jedoch noch gaaaaaaanz viel Zeit…

Welche Hobbys haben eure Kinder und wie viel Zeit nehmen diese ein?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.