Heute vor 10 Jahren…

Jahren

Ich sitze seit einer Stunde am Computer und durchforste meine Bilder – Ordner. Wirklich. Könnt ihr euch das vorstellen? Ich suche nach einem Foto für diesen Beitrag hier heute. Ein Foto, das ausdrücken kann, was heute in mir vorgeht. Die vielen Gedanken und Erinnerungen an die letzten Jahre. Erinnerungen an Tage, Erlebnisse, Begebenheiten, Vorfälle und Gefühle. Erinnerungen, die weit über die Zeitspanne hinaus gehen, um die es heute eigentlich geht. 

Heute sitze ich hier und denke an einen Tag vor 10 Jahren…

Eigentlich müsste ich sogar einen Tag vorher nehmen. Der 11. September ist ein Datum, das für viele mit einem negativen Vorfall behaftet ist. Einer der Gründe, warum wir uns damals gegen diesen Tag entschieden. Am 11. September 2008 war dennoch ein besonderer Tag für mich. Ich packte meine Tasche und traf mich mit einer Freundin. Zusammen mit meiner Schwester gingen wir auf einen Spielplatz, auf dem ich in meiner Kindheit viel Zeit verbracht hatte. Gemeinsam ließen wir einen Luftballon steigen und hatten uns viel zu erzählen. Es wurde gelacht und erinnert. Der Luftballon flog erst weit und stürzte ungefähr 100 Meter weiter wieder ab. Ob das was zu bedeuten hatte? Wer weiß…

Danach ging ich weiter zu meinen Eltern. Der Held war alleine zu Hause und sollte dort die Nacht auch alleine verbringen. Ich schlief bei meinen Eltern. Und die Freundin auch. Ich konnte nicht wirklich schlafen und saß bis tief in die Nacht mit meinem Vater vor dem Fernseher. Wir schauten eine Folge CSI, soweit ich mich noch erinnern kann. Ich weiß nicht mal mehr, was der Rest gemacht hatte. Die Freundin hatte zuvor mein Gesicht noch mit diversen Gesichtsmasken gequält und auch meinen Haaren eine Kur verpasst. Es sollte ja alles perfekt sein… 

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum ich nicht schlafen konnte, denn nervös war ich nicht.

„Bist du aufgeregt“, wurde ich immer wieder gefragt und ich wusste nicht so recht warum ich das sein sollte. Ich hatte keine Angst, dass der Mann auf einmal einen Rückzieher machen würde. Ich war mir sicher. Und ich war sicher, dass es bei ihm nicht anders sein würde. Das einzige, was mich nervte war, dass ich (natürlich) eine fette Erkältung bekam.

Der 11. September hatte übrigens auch noch eine andere Besonderheit für uns. Es war das Datum, an dem wir zum allerersten Mal Maru und ihren Prinzen persönlich trafen. Zuvor hatten wir eine lange Internetfreundschaft gepflegt und nun sollte es an der Zeit sein, dass wir uns endlich trafen. Wir luden sie ein und sie kamen tatsächlich. Ein weiteres kleines Jubiläum also, das man feiern könnte.

Heute vor 10 Jahren war es dann soweit: 12. September 2008!

Am nächsten Morgen stand ich in der Küche. Das Kleid passte und die Freundin schminkte mich. Sie hielt mir einen Spiegel hin und ich wunderte mich über die Person, die ich darin entdeckte. Sie sah gar nicht mehr aus wie ich. Ich bat die Freundin etwas von dem Make Up wieder wegzunehmen. Ich wollte doch, dass der Held mich auch als die Person erkannte, die er gewählt hatte. Danach steckte sie mir die Haare hoch. Ich hatte sie lange dafür wachsen lassen und sie hatte mir eine Woche zuvor extra Strähnchen reingemacht. Die Haare wollten irgendwie nicht so richtig und rutschten immer wieder aus den Spangen hinaus. Am Ende bekamen wir das dann aber doch irgendwie hin.

„Hier nimm“, man hielt mir ein Glas Sekt hin. Das mache man wohl so. Das gehöre dazu. Um die Nervosität zu bekämpfen. Dabei war ich immer noch nicht nervös, ich wollte nur endlich zum Helden.

Als wir das Haus verließen, stand da die Freundin meiner Eltern. Sie hatte ein schwarzen Cabriolet, einen Zylinder auf dem Kopf und auf der Haube einen fetten Strauß roter Blumen, die das Auto verzierten. Damit sollte ich nun gefahren werden. Ein komisches Gefühl. Ich kann mich noch gut an den schmunzelnden Blick meiner Eltern erinnern.

Und dann war der große Moment endlich gekommen.

Wir trafen am Standesamt ein. Alle waren schon da. Sogar meine Trauzeugin, der am Vortag noch die Tasche samt Ausweis geklaut wurde, den sie ja nun eigentlich brauchte. Es war ihr tatsächlich gelungen in letzter Sekunde die nötige Papiere zu organisieren, damit sie doch noch Trauzeugin werden konnte. Mit einem Handschlag vom Trauzeugen wurde der Held begrüßt. Gut sah er aus mit seinem schwarzen Anzug und dem roten Hemd. Hier und da schloss man uns in die Arme und strahlte uns an. Endlich waren wir wieder zusammen. Wir hielten uns an den Händen und wollten uns erst einmal nicht wieder los lassen.

Im Standesamt saßen wir erst einmal und warteten. Vor uns war noch ein anderes Paar dran. Ganz traditionell in weißem Kleid war die Braut angezogen. Mit Schleier und allem drum und dran. Ich fühlte mich jedoch in meinem schwarzen Kleid irgendwie wohler. Ja, ich trug schwarz. Es hatte auch lange gedauert, bis ich das passende Kleid gefunden hatte. Es entsprach noch immer nicht ganz dem, was mir eigentlich so vorgeschwebt hatte, aber ich fühlte mich dennoch wohl darin.

10 Jahre verheiratet. Unglaublich, wie die Zeit vergeht…

Wenn ich heute hier sitze und an diesen Tag zurück denke, dann kann ich gar nicht glauben, dass wirklich schon 10 Jahre Ehe hinter uns liegen. Man muss dabei bedenken, dass wir zuvor schon 9 Jahre zusammen waren und dementsprechend im nächsten Jahr tatsächlich schon 20 Jahre miteinander verbringen. 

Was sich in all der Zeit getan hat bei uns. Unglaublich. Und nach wie vor hat sich für uns gefühlt kaum etwas geändert. Gut, wir sind inzwischen Eltern geworden und zwei Mal umgezogen, aber es fühlt sich immer noch richtig an. Es bestand für mich nie ein Zweifel, dass wir zusammen gehören. Natürlich haben auch wieder unsere Hochs und Tiefs, Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Herangehensweisen an die Dinge. Dennoch waren wir schon immer ein Klumpen. Immer irgendwie zusammen. Eine von diesen Beziehungen, die aus einer Jugendliebe heraus entstanden ist und bis heute anhält.

10 Jahre Ehe. 10 Jahre verheiratet und ich bin heute etwas wehmütig. Viele der Menschen, die diesen Tag damals mit uns geteilt haben, sind heute nicht mehr in unserer Nähe. Ein wichtiger Mensch sogar nicht mehr unter uns. Ich denke an die letzten 10 Jahre zurück und versuche mich zu erinnern. Niemals zu vergessen, was für besondere Momente, was für Gefühle uns an diesem Tag begleitet haben und hoffe, dass dem noch viele, viele Jahre folgen werden. Ein niemals endendes zusammen sein…

Jahren

Kann es dafür überhaupt ein Foto geben, das all diese Gedanken und Gefühle ausdrücken kann?

2 Kommentare

  1. Pingback: #Freitags5 – 5 Tage 5 Fotos im September #02 - Heldenhaushalt

  2. Pingback: Ist das schon Herbst oder noch Sommer? Unser #WIB am 15./16.09.2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.