Dinge, die ich mir zu oft sage und Dinge, die ich mir öfter mal sagen sollte

Dinge

„Weißt du“, sagte meine Oma neulich am Telefon zu mir und dieser Satz ging mir auf dem Weg zur Kita einfach nicht mehr aus dem Kopf, „es kommt auch immer darauf an, wie man sich selber gerade fühlt. Das kann enorm viel Einfluss darauf nehmen, wie man aussieht“.

Stimmt das? Würdet ihr das so unterschreiben? Ich meine, wenn ich mich schlecht fühle, sei es nun gesundheitlich oder emotional, dann schaue ich in den Spiegel und mag mich nicht. Gar nicht. Aber das ist dann meine Selbstwahrnehmung. Nimmt das auch Einfluss darauf, wie man auf sein Umfeld wirkt. Ja, ich glaube schon. Aber nimmt es auch Einfluss darauf, wie gesund deine Haut, wie frisch dein Teint wirkt. Und ich spreche nicht von einem geschminkten Gesicht. 

Einen anderen Satz, den sie dann noch übrigens sagte war: „Ganz wichtig ist aber auch immer cremen. Du musst immer schön dein Gesicht eincremen. Am besten morgens und abends“. Innerlich musste ich seufzen. Das hatte ich schon öfter gehört, doch nie wirklich die Ruhe dafür mich abends und/oder morgens vor einen Spiegel zu stellen, meine Haut vernünftig zu reinigen und anschließend mit einer guten Creme einzucremen.

Dinge, die ich mir viel zu oft sage…

So viel mal zu dem, was meine Oma mir alles so erzählt hat. Man muss dazu sagen, dass meine Oma mit ihren 80 Jahren definitiv nicht wie 80 aussieht. Keine Ahnung, wie sie das macht, denn so einfach war und ist ihr Leben beileibe auch nicht. 

Neulich lief ich zur Kita und kam dabei an einem großen Schaufenster vorbei, in dem ich mich spiegelte. Ich weiß auch nicht, warum ich das immer mache. Es ist wie ein Reflex. Vielleicht kennt ihr das ja. Genauso wie der Spiegel im Flur. Man muss vor dem Gehen unbedingt noch einmal reinschauen, oder? Manchmal denke ich, man sollte ihn einfach von dort verbannen und so vor die Türe gehen, wie man in dem Moment nun mal ist. Ohne diesen letzten Kontrollblick. Aber es geht einfach nicht. Ich brauche das. Bitte sagt mir, dass es euch auch so geht.

  Dinge

Dann stehe ich da jeden Morgen vor diesen Spiegel, betrachte mich und bin selten wirklich zufrieden. Momente, in denen ich mir dann Dinge sage wie:

  • Dein fliehendes Kinn ist eine Katastrophe. Wie unfair, dass Männer so etwas hinter einem Bart verstecken können
  • Warum sitzen die Haare immer so verdammt schlecht und nie so, wie sie sollen?
  • Man, sind die Augenringe schon wieder dunkel und tief. Ob ich die jemals wieder weg bekomme?
  • Falten im Gesicht? Ja, Lachfalten. Oder so… aber warum müssen genau an dieser Stelle Falten sitzen?
  • Sind meine Oberarme nicht viel zu dick und schwabbeln meine Oberschenkel?
  • Ich mag vielleicht nicht dick sein, aber ich sehe gestaucht aus, oder? Kleine Menschen Drama?
  • Warum muss ich auch nur so klein sein?
  • Nur 5 Kilo und mein Bauch würde viel besser aussehen…
  • Ich sehe nicht so aus, wie ich mich gerne sehen würde

… und, und, und… Warum tue ich mir das eigentlich selber an? Warum sage ich mir immer wieder solche Dinge? Warum bin ich mir selber so ein schrecklich kritischer Spiegel? Eine Freundin war deswegen mal ziemlich direkt zu mir, als wir zusammen in einer kleinen Bar saßen. Sie sagte mal zu mir „Es macht mich immer ganz traurig, wenn ich von diesen Selbstzweifeln bei dir lese. Ich wünschte, du könntest dich mal so sehen, wie ich dich sehe“.

Was ich mir stattdessen dringend mal öfter sagen sollte!

Wisst ihr, ich denke das Leben könnte für so viele Menschen so viel einfacher sein, wenn sie sich einfach mal durch die Augen der Menschen sehen könnten, die sie wirklich lieben und wertschätzen. Nicht mit diesem ständig selbstkritischen Blick, sondern so, wie wir nun mal wirklich von anderen Menschen wahrgenommen werden. Ich denke wirklich, es würde einem so manche Last von den Schultern nehmen und das Leben in einigen Bereichen erleichtern.

Manchmal wünschte ich, ich könnte das. Sehen, wie meine Kinder mich sehen. Sehen, wie ich für meinen Mann aussehe und sehen, wie Freunde und Verwandte mich wahrnehmen. Menschen aus meinem Umfeld, die mir wichtig sind. Die Dinge zu mir sagen, die ich mir wirklich mal zu Herzen und regelmäßig selber mal sagen sollte. Wie zum Beispiel:

  • Ich sehe gut aus
  • Ich bin nicht dick
  • Ich kann andere Menschen inspirieren
  • Ich habe Ausstrahlung
  • Ich kann auch niedlich sein
  • Ich habe Kraft
  • Ich bin ein kreativer Mensch
  • Ich bin nicht alleine
  • Es gibt Menschen, für die sehe ich schön aus
  • Nur ich sehe die Makel, die mich stören und andere nicht

Für mehr Selbstliebe. Liebe, an der ich nun schon so lange zu knabbern habe. Die ich so schwer für mich selber (wieder-)finden kann. Es gibt diese guten Tage, da macht es Spaß in den Spiegel zu schauen. Ich mag was ich sehe und wandere fröhlich und selbstbewusst durch den Tag. Anders als an den Tagen, an denen ich aufstehe und alles an mir irgendwie nicht zusammen passt.

Dinge

Wahrscheinlich hat meine Oma ein Stück weit recht: Ich kann mit meiner Stimmung beeinflussen, wie ich aussehe und auch nach außen hin wirke. Tief in mir drin weiß ich das alles. Tief in mir drin.

Ich muss mir einfach immer wieder die Dinge sagen, die die Menschen um mich herum zu mir sagen. Und auch selber daran glauben. Ob ich das kann? Ich weiß es nicht, was ich aber weiß ist, dass ich es versuchen möchte. Aus ganzem Herzen.

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