Manchmal ist alles einfach nur doof…

doof

„Uff… was für ein Tag war das denn bitte?!“, fragte ich mich neulich, als ich müde auf dem Sofa zusammen sackte. Dass es in letzter Zeit sowieso nicht einfach ist, das wissen wir alle und die Tage wechseln zwischen gut und doof hin und her. Dabei dachte ich morgens noch, als ich aus dem Fenster blickte „Endlich mal so richtig schöner Sonnenschein“ und freute mich schon auf unseren täglichen Spaziergang am Nachmittag. Dann die erste Ernüchterung – Wenn das Homeschooling durch ist, wird es langsam schon wieder dunkel. Erwähnte ich eigentlich schon mal, dass der große Sohn ganz normal jeden Tag nach Stundenplan Unterricht hat. Nur eben zu Hause? Das heißt, dass hier vor 14.30 Uhr definitiv nicht Schluss ist und wenn es noch Aufgaben gibt, die erledigt werden müssen, geht es manchmal noch länger. Aber gut, vielleicht haben wir ja Glück und die Sonne hält sich auch mal über den Mittag hin. „Hauptsache es bleibt trocken“, denken ich vor Optimismus strotzend und gehe das Tageswerk an. 

Ich schwinge die Beine über die Bettkante und zucke zusammen…

Seit Tagen hatte ich übrigens unter höllischen Rückenschmerzen zu leiden (inzwischen ist es aber wieder besser). Wer weiß, wo die nun wieder herkommen, aber sie fingen irgendwann am Abend mal an und wurden von da an erst einmal kontinuierlich schlimmer und zogen sich irgendwann bis in die Schultern rein. Die nächsten drei Tage würde ich nur mit Wärmflasche, Körnerkissen und Decke bewaffnet durch die Gegend schleichen. So richtig brauchbar war ich nicht und das ärgerte mich. Vieles blieb nun die letzten Tage liegen und das nervte mich.

Ich schwinge mich also nicht aus dem Bett, sondern krieche wie eine alte Frau daraus hervor. Der Sohn hatte mir nämlich schon eine Nachricht aus seinem Zimmer oben geschrieben, dass er bitte etwas ausgedruckt bräuchte. Also ab nach unten, Laptop an, mit diesem weiter zum Drucker und das Ausgedruckte ab zum Sohn, der schon wieder vor dem Tablet in einem Meeting sitzt.

Das Homeschooling fiel dieses Mal irgendwie unglaublich schwer

Normaler Weise können wir nicht klagen. Nachdem wir die Herangehensweise vor einiger Zeit etwas geändert hatten, läuft es insgesamt wieder runder und der Sohn wirkt auch nicht mehr ganz so ausgelaugt nach den Schultagen. Meetings in Ruhe und ungestört in seinem Zimmer, Schreibarbeiten bei uns am Esstisch, wo auch der Mann sitzt und arbeitet. So gibt es dennoch eine ruhige Arbeitsatmosphäre, aber er ist nicht alleine. Das scheint schon eine Menge auszumachen und animiert auch den kleinen Sohn öfter mal seine Vorschulhefte hervorzuholen und „fleißig“ zu sein (so nennt er es gerne). Klingt alles erstmal sehr idyllisch, nicht wahr? Ist es im Groben auch, wenn es eben nicht den ganzen Tag fast auffressen würde. Deshalb sind uns wohl die Spaziergänge so wichtig geworden. Wenigstens etwas frische Luft und Bewegung am Tag. Wir sind da auch echt hartgesotten geworden und gehen wirklich bei Wind und Wetter raus. Sogar bei aktuellen eisigen Minusgraden.

Aber an diesem Tag war der Wurm drin. Alles erschien unerträglich kompliziert und schwer und die Konzentration kaum greifbar. Frust machte sich breit. Bei allen. Immer wieder in Schüben. Unsere Köpfe waren kurz vor dem Platzen und die Stimmung mehr als nur gereizt. Dieser Tag tat uns allen nicht gut. Und so zog ich die Reißleine und wir gingen an die frische Luft. So lange die Sonne noch da war, die so gut und wichtig für das Gemüt und die Gesundheit ist. Wir brauchten Luft zum Atmen. Vor allem jetzt, wenn gerade alles so doof ist. Also legten wir alles zur Seite und gingen in den Garten. Die Kinder toben sich mit Fußball und was sie sonst noch fanden aus, während wir darauf warteten, dass auch der Held mit seinem letzten Meeting für diesen Tag durch sein würde.

Manchmal ist Innehalten so wichtig und wertvoll!

Manchmal muss man schauen, was für den Moment gerade gut und wichtig ist. Und wenn es darauf hinaus läuft, dass man die Arbeit (oder das Homeschooling) einfach mal für ein paar Stunden bei Seite legt, dann sollte man das auch tun. 

Wir alle wissen doch, dass Arbeit unendlich schwerer fällt, wenn uns der Kopf raucht und kurz vor dem Platzen ist und warum sollte es Kindern dabei anders gehen. Einzig die Tatsache, dass der Sohn nach Stundenplan Unterricht hat und dort auch die Lehrer in Chats und Videoräumen verfügbar sind und natürlich darauf achten, dass die Kinder anwesend sind, erschwert diese Auszeiten sehr. Doch wenn sich einem die Möglichkeit bietet, dann sollte man sie auch nutzen. Wenn man sich dann später gestärkt wieder gemeinsam an den Tisch setzt und wieder etwas klarer sieht, kann man auch direkt wieder produktiver sein. Jeder kennt das und Kinder haben in der Schule nicht ohne Grund Bewegungs- und Frühstückspausen zwischendurch. Diese gehen zu Hause aber häufig eher nahtlos und unbemerkt ineinander über, sind nicht so deutlich differenziert, wie es in der Schule ist. Ein Fach ist beendet, die Sachen werden in die Tasche gepackt, ein Stück Apfel gegessen und ein Schluck getrunken und die neuen Materialien hervor geholt, ein anderer Lehrer betritt den Raum oder man wechselt diesen gar. Es ist eben doch anders und das spüren wir alle. Zu Hause ist zu Hause und das Arbeitsumfeld bleibt irgendwie immer gleich. Manchmal muss man Abwechslung dazwischen schieben, um wieder offen für die nächste Herausforderung zu sein.

Herausforderungen haben alle derzeit zu meistern…

… genauso die Kinder und für die ist es teilweise so viel schwerer greifbar und nachvollziehbar wie für Erwachsene. Es ist einfach doof. Nehmen wir den kleinen Sohn, der zu Hause sitzt. Tag für Tag. Um ihn herum ein großer Bruder, der arbeiten muss, ein Papa, der zwar da ist, aber auch zu tun hat und Mama, die überall hin wuselt und sich nur schwer auf das gewünschte Spiel konzentrieren kann. Verständlicher Weise hat der kleine Sohn auch nicht immer Lust mit am Tisch zu sitzen und etwas zu malen, sich ein Buch anzuschauen oder „fleißig“ zu sein. Manchmal möchte er einfach nur spielen. 

Ich weiß, diese Themen wiederholen sich mehr und mehr und werden es wohl noch eine Weile tun und ich weiß, euch allen da draußen geht es nicht anders und ihr findet es genauso doof.

Also werden diese Auszeiten, diese Momente, in denen man mal ausbrechen muss, umso wichtiger und wertvoller. Jeder sollte aktuell Verständnis dafür haben, wenn es einfach mal für 5 Minuten nicht geht. Wenn man mal durchatmen und wieder klar werden muss. Nicht jeder ist für Homeschooling und dergleichen geeignet. Nicht jeder kann zu Hause besser lernen oder lehren.

Und so sind die Tage manchmal einfach nur doof. Andere dafür aber auch sehr gut. Es nimmt sich die Waage und könnte (zumindest in unserem Fall) deutlich schlimmer sein. Durchatmen, sich einen Moment nehmen, um wieder zu sich zu kommen. Schultern hoch, Blick fixieren und weiter geht es… 

Nicht alle Tage sind doof!

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