Corona – Ein Jahr später… es ist so skurril!

Corona

Ein seltsames Gefühl, wenn man die Beiträge von vor einem Jahr liest. Davon, wie es den Kindern nach zwei Wochen “Corona-Ferien” geht oder dass die Zahlen nicht besser werden und man deshalb nur noch mit einem triftigen Grund das Haus verlassen darf. Wenn ich das heute so lese, denke ich: Wie naiv waren wir eigentlich?

Ich kann mich erinnern, wie ich noch bevor der Sommer zu Ende war sagte, dass es im Winter sicherlich wieder Rückschläge geben würde, nachdem sich im Juli vieles schon fast wieder normal anfühlte. Ich kann mich auch erinnern, wie dankbar ich für unseren Garten in Zeiten war, wo man quasi nicht aus dem Haus durfte. Spielplätze waren geschlossen und wenn ich jetzt bei schönem Wetter aus dem Haus gehe, kann ich ein Stück weit verstehen wieso, denn sie sind übervoll an solchen Tagen. Unsere Möglichkeiten waren wirklich mehr als nur eingeschränkt und unsere täglichen Spaziergänge ein wertvolles Gut.

Was hat sich seitdem getan?

Zwischendurch sah es ja wirklich mal ganz gut aus. Die Zahlen sanken, es wurde besser, mehr war wieder möglich obwohl Corona-Partys auf dem Wasser stattfanden und bewusst auf den Straßen zu Tausenden provoziert wurde. Inzwischen hatten wir auch Fälle im unmittelbaren Umfeld. Es ist nicht mehr so fern wie damals, als es sich so unwirklich anfühlte und auch wir kennen Menschen inzwischen, die daran gestorben sind, aber erfreulicher Weise auch genug, die inzwischen wieder gesund und ganz die alten sind.  Erschreckend finde ich, dass immer noch Menschen da draußen herum rennen, die das Ganze leugnen und nicht sehen wollen, dass es real ist, seltsame Vergleiche suchen und eben weiter provozieren und ignorieren. So lange das so ist, wird es wohl nie so ganz eine Besserung geben.

Jahr

Aus “sobald es einen Impfstoff gibt wird alles besser” wird nun ein ewiges Hin und Her welcher denn nun gut und richtig ist. Erst wird geimpft, dann wieder nicht. Neue Unsicherheiten werden geschürt. Schulen schließen, öffnen, schließen teilweise und dann doch wieder ganz. Kitas sind auch nur teilweise offen und ich merke immer wieder wie dankbar ich bin, dass wir mit unseren Mitteln hier halbwegs gut durch diese Krise kommen.

Aus “es wird langsam besser” ist nun ein Jahr später eine Situation geworden, in der die Zahlen denen vor einem Jahr gleichen, wenn nicht gar höher sind und wir zu allem Überfluss auch noch verschiedene mutierte Formen bewältigen müssen, die vieles auf Anfang setzen und neue Ängste schüren. 

Ich bin müde, doch die Kinder sind erschöpft…

Was auch noch anders als vor einem Jahr ist: Damals war ich motiviert meine Familie gut durch diese Zeit zu bringen. Inzwischen bin ich nur noch müde. Vor allem nach einem langen und dunklen Winter. Kleine Highlights zwischendurch sorgen für einen Aufschwung und ich bin mir sicher sobald das Wetter kontinuierlich besser wird, wird auch der Energiepegel bei uns wieder ansteigen. Aktuell möchte ich aber eigentlich nur auf dem Sofa lümmeln, mimimi machen und Schokolade in mich reinstopfen. All das positive Körpergefühl, das ich in den letzten Wochen aufgebaut habe einfach mal zu Nichte machen und mich gehen lassen. Self-Care? Ich weiß nicht, wohl eher Selbstmitleid.

Und dann sehe ich meine Kinder, sehe andere Familien, die so einen harten Kampf führen, um das alles halbwegs gut zu überstehen. Ich habe das Gefühl die Berichte im Social Media sind unser neues soziales Umfeld, denn vielmehr bekommt man ja nicht wirklich mit. Man schaut wie es andere machen, wie es anderen geht, teilt sich eben über Feeds, Reels und Co mit, tauscht sich aus, chattet miteinander und macht Video-Calls. Der große Sohn hat sich nun sogar einen eigenen Meeting-Raum eingerichtet, um dort mit Schulfreunden zu quatschen und zu lernen.

Homeschooling

Während ich mich Phasenweise einfach nur noch müde und ausgelaugt fühle, sehe ich die Erschöpfung in den Gesichtern meiner Kinder und wie dankbar sie für jedes bisschen soziales Umfeld sind. Wenn sie eben doch mal in einer Phase wo es erlaubt ist Oma und Opa sehen dürfen, an der frischen Luft Sport treiben können oder sogar mal für ein zwei Tage in Schule und Kita dürfen. Wenn die Kinder rufen “Ich will in die Schule” nachdem sie vor einem Jahr fast eine Party zu Hause gefeiert haben, weil sie zu Hause lernen durften, dann ist das aus meiner Sicht schon ein ziemlich krasses Zeichen dafür, wie elend es unseren Kindern eigentlich gerade geht.

Das geht von Vermissen bis hin zu Verzweiflung

Als der Lockdown in diesem Jahr ausgesprochen wurde dauerte es keine zwei Tage und der kleine Sohn weinte vor Verzweiflung, denn er hatte Dank Weihnachtsferien und vorgezogener Ferien nun über zwei Wochen keinen Kontakt mehr zu seinen Freunden. Er war nur zu Hause, keiner hatte so richtig Zeit für ihn, denn Arbeit und Schule hatten wieder angefangen. Wirklich, keine zwei Tage hat es gedauert und alles fehlte ihm. Vor allem seine Freunde und immer, wenn er jemanden beim Spazieren gehen aus der Ferne entdeckte, sagte er im Anschluss zu mir “Es war so schön sie wiederzusehen”. 

Frische Luft

Als es wieder in die Kita ging, erzählte mir die Erzieherin, wie dankbar die Kinder wären und das auch zeigten. Ehrlich zeigten. Immer wieder sagten sie wohl in den ersten Tagen zu ihr, dass sie sie ganz furchtbar vermisst hätten. Mir blutet in solchen Momenten wirklich das Herz.

Der große Sohn jubelte laut, als es endlich hieß, dass seine Klassenstufe nun mit Wechselunterricht dran wäre. Er jubelte. So richtig! Klar sind die Einschränkungen nervig, aber er trägt lieber 6-7 Stunden am Tag IN der Schule eine Maske, als noch länger zu Hause arbeiten zu müssen, wo es ihm merklich immer schlechter mit der schulischen Situation ging. Ein richtiges Abschalten und Lösen vom Schulthema zu Hause war kaum noch möglich, denn die Grenzen wurden immer schwammiger für ihn und flossen mehr und mehr ineinander über. 

Natürlich habe ich bei all dem nach wie vor Bauchschmerzen…

Ich freue mich so für meine Kinder, dass sie ein Stück Alltag für sich zurückgewinnen konnten, aber natürlich drückt mir dabei auch täglich der Bauch. Vor allem, wenn ich halt sehe, wie wenig Positives sich bei den Zahlen tut. Doch warum ist das so? Warum will es einfach nicht besser werden? Steckt da so viel Unvernunft hinter? Ist es die politische Irrfahrt, die uns mehr und mehr in diesen Strudel hineinlenkt? 

Es sind sicherlich viele Faktoren, die da mit reinspielen und es erschreckt mich, dass der gesunde Menschenverstand an so vielen Stellen immer noch ein Hindernis zu sein scheint. Und teilweise kann ich manches aber auch verstehen. Nach inzwischen über einem Jahr Verzicht auf so viele Dinge ist man irgendwann an einem Punkt angekommen, an dem man nicht mehr kann.

Jahr

Wie erwähnt: Irgendwie sind wir wieder an dem Punkt, an dem wir vor einem Jahr waren. Mit erschreckenden Zahlen, dafür zwar verschiedenen Impfstoffen (die immer noch teilweise angezweifelt werden und scheinbar ebenfalls Folgen aufzeigen) und Mutationen, die sich neue Ziele gesucht haben. Was tun?

Wir verlieren eine Generation

Was mir als Mutter immer wieder auffällt ist, dass vor allem einige der jungen Generationen große Opfer bringen müssen. Die Kinder, die jetzt unter diesen schwierigen Bedingungen lernen und Leistung bringen müssen, die zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht hin und her wandeln und nicht so recht wissen, wie das Ganze weitergehen soll, sind die, die später unsere Zukunft tragen? Aber zu welchen Bedingungen? Da wird hier teilweise vom freiwilligen Wiederholen der Schuljahre gesprochen zum Beispiel. 

Nur mal so nebenbei: Der große Sohn liebt das Konzept der halbierten Klassen. Statt 30 Kinder in einem engen Raum, meist laut und voll, der verständlicher Weise auch für einen Lehrer eine gigantische Herausforderung darstellt, sitzen da jetzt 15 Kinder, ein wenig nach ihren Stärken sortiert, und arbeiten deutlich effektiver zusammen. Sagt er zumindest. Die Lehrer sind besser gelaunt und der Unterricht deutlich ruhiger. Etwas, das man vielleicht als Erfahrung mit aus dieser ganzen Geschichte nehmen sollte, denn das da die Kapazitäten schon vor Corona deutlich ausgereizt waren, ist ja nichts Neues.

Die Fußballvereine büßen mehr und mehr Kinder ein, die Mannschaften schrumpfen und selbst angebotene Lockdown-Programme werden nicht unbedingt wahr genommen. Die Kinder versacken zu Hause, werden teilweise zu Couch-Potatos und wer kann es ihnen verdenken, denn die Möglichkeiten werden schwindend gering. Nichts darf man mehr, nirgendwo kann man hin. Einen Schwimmkurs für meinen 5 Jährigen zu finden ist gerade zu unmöglich. Wie bringe ich ihm jetzt schwimmen bei? Nicht jeder hat die Möglichkeit sein Kind zeitlich und räumlich zu Hause gut zu schulen.

Jahr

Am Ende ist jeder auf seine Art irgendwie ausgebrannt…

Wir alle kommen unter unterschiedlichen Voraussetzungen mit dieser Pandemie, mit dieser Situation… mit Corona klar. Jeder hat andere Möglichkeiten. Für die einen ist es leichter Thema Homeschooling und Kita-Schließung zu meistern (wir haben da zum Beispiel Glück), für andere ist es ein echt hartes Thema mit vielen Einschränkungen. Home-Office soll möglich sein, ist aber auch nicht für jeden machbar.

Die Menschen, die zu den Risiko-Gruppen gehören sind einsam und haben Angst. Und am Ende all dieser vielen Gedanken und Worte steht eben doch nur eines: Wie vor einem Jahr sitzen wir da, wissen nicht wie es weiter geht und kämpfen vor allem mit den gleichen Sorgen und Unsicherheiten. Nur dass wir jetzt viel ausgelaugter und müder sind…

2 Kommentare zu „Corona – Ein Jahr später… es ist so skurril!“

  1. Huhu Sari,
    kann das alles sehr nachvollziehen. Total unschön, auch die Konzepte einzelner Schulen.
    Das geht doch so nicht!
    Haltet durch, ich hoffe ja auf den Frühling, der ein wenig Licht ins Dunkel bringt. Wie metaphorisch. Aber auch tatsächlich. Das wird es ein wenig abmildern, hoffe ich.
    <3
    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Vor allem, weil die Schulen teilweise so unterschiedlich agieren. Wenn ich nur den direkten Vergleich der Grundschule nehme, die der Sohn zu Beginn der Pandemie noch besucht hat und nun die aktuelle. Da ist der Direktor digital so weit und interessiert, dass er sich da echt extrem drum bemüht, dass die Kinder digital zu Hause beschult werden und steht ständig in Kontakt mit ihnen.
      Ja, wenn das Wetter besser wird, bessert sich mit Sicherheit auch wieder die Stimmung. Ist so.

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