Wie ich plötzlich zu dem wurde, was ich nie sein wollte…

Da stehe ich also auf der Tribüne und blicke hinunter zum Spielfeld, das Heldenkind um mich gebunden und friedlich schlummert und höre mich selber laut den Namen der Mannschaft des Minihelden rufen und den Kinder aufmunternd zujubeln. Ich blicke zum Helden rüber und merke, wie er mich etwas sonderbar ansieht. „Nun bist du das geworden, was du nie sein wolltest!“, sagt er und ich frage etwas irritiert „Was meinst du?“ und mir wird klar, dass er etwas ganz Bestimmtes meint. Das Unwort hoch 10 für mich…eigentlich. Es war immer klar, dass ich das niemals sein wollte: Eine Fußballmutti. Ich wollte nicht am Spielfeldrand sitzen und rumbrüllen wie eine Besenkte. Wobei ich immer noch finde, dass ich das nicht bin.

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Ich gebe zu, ich genieße es inzwischen durchaus eine von vielen zu sein in den 1 1/2 Stunden, in denen unsere Jungs jede Woche von ihrem geliebten Trainer durch die Halle gejagdt werden, während wir in der Umkleidekabine oder auf einer Bank im Flur sitzen und warten bis unsere kleinen Nachwuchsweltmeister zu uns gestürmt kommen, verschwitzt aber happy und wir quatschen und tauschen uns aus. Als der Miniheld noch einen anderen Verein im letzten Jahr ein paar Mal besuchen durfte, da habe ich ein vollkommen anderes Bild von Fußballmutti vermittelt bekommen. Da wurde sehr viel Leistungsdruck auf die Kinder ausgeübt, die Nasen ragten sehr hoch in die Luft und es wurde viel am Spielfeldrand geflucht und geschimpft. Und genau das wollte ich nie sein.

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Das ich inzwischen vielleicht tatsächlich in meiner Rolle als Mutti, die Ihr Kind jede Woche zum Training bringt und tapfer die Zeit dort absitzt, etwas aufgehe und mich ganz wohl darin fühle liegt sicher an der kleinen Gemeinschaft, die da mehr und mehr entsteht. Es sind jede Woche die gleichen Mütter und sie sind alle so wenig typisch Mädchen, wie ich es bin. Wir teilen viele Gedanken und Ideen, ich habe Mütter kennen gelernt, die wie ich gerne an der Nähmaschine sitzen oder meinem Charakter recht ähnlich sind. Die Väter wirken wie gute Kumpels und nicht wie die Leistungsforderer, die ich schon woanders gesehen habe. Wenn wir zusammen am Spielfeldrand stehen und unsere Minis beobachten, dann hat es irgendwie immer etwas von einem gemütlichen Picknick und ja, das gefällt mir irgendwie und ich freue mich auch irgendwie ein bisschen auf die wärmere Jahreszeit, wo wir nicht in müffelnden Umkleidekabinen oder schmuddelligen Sporthallenfluren sitzen und warten, sondern auf der Bank in der Sonne am Spielfeldrand oder in der Nähe…

Wenn das von der Atmosphäre her so bleibt dann ja…dann bin ich wohl nun plötzlich doch eine Fußballmutti geworden. Sei’s drum *lach*…

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Kategorie Gedankenwelt, Heldenkinder

Frau Mondgras – Das bin ich, Sari. Gerne auch als Sari Mondgras bekannt und im Internet zu finden. 2-Fach-Mutter, Heldenehefrau, Kreativling, Harmoniesüchtig und ständig auf der Suche nach Glück. Ich komme aus Berlin, bin hier aufgewachsen und lebe hier seit ich denken kann.

6 Kommentare

  1. So kann es manchmal gehen. Man hat Vorurteile, aber es ist immer wieder schön, wenn sie widerlegt werden. Ich wünsche dir viel Spaß am Spielfeldrand mit all den anderen Elternteilen.

    • Nein, widerlegt nicht wirklich, denn in den anderen Vereinen wurde ja mein Vorurteil mehr als bestätigt und bei den Tunieren sehe ich das auch deutlich bei den anderen Eltern aus den anderen Vereinen, die ebenfalls antreten, wenn auch nicht überall. Aber ja, es ist schön zu sehen, dass es auch anders geht ^^

      • Ja, aber ist es nicht immer so?
        Vorurteile bestehen ja nicht ohne Grund. Aber nicht alle Menschen sind gleich. Es kommt ja auch immer darauf an, wie man sich selbst verhält. Du wolltest keine am Spielfeldrand stehende brüllende Fußballmami sein und eigentlich hindert dich auch niemand daran. Du kannst ja auch dort stehen und zuschauen ohne rumzuschreien und anzutreiben. Es ist schon erschrecken wie sich so manche Eltern und Trainer aufführen, aber kann es selbst auch anders machen.
        Wenn man dann auch noch Gleichgesinnte findet, ist es doch umso schöner. Und es hat sich eben doch etwas revidiert, denn es sind nicht alle Fußballeltern so (und ich kenne viele, die einfach nur einfeuern, jubeln bei einem Tor und sich auch noch unterhalten mit den anderen Eltern – die Ausnahmen bleiben die fanatischen Eltern).

  2. Hahaha – na wer weiß wie der andere kleine wird? Ich befürchte, Sari, du wirst noch viele Stunden dort verbringen. Für 2 Jungs. Ich glaube zum Geburtstag schenk ich dir eine Fanausstattung.

  3. Pingback: Saisonabschluss und Erdbeerliebe - Unser #WIB am 02./03.06.2018

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