Drama pur – Ich und meine Uhr!
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Vor ziemlich genau 5 Jahren bestellte ich damals meine Fitnessuhr. Ich besaß zwar schon vorher die eine oder andere schmalere, aber ich war nie so wirklich zufrieden. Nicht zuletzt, weil die irgendwie nie lange hielten. Es gab relativ schnell immer Probleme, obwohl sie schön schmal und unauffällig an meinem Handgelenk saß. Da die Marke scheinbar bekannt dafür war, war das auf Dauer ziemlich unbefriedigend…
Eigentlich bin ich keine Schmuckträgerin. Wobei… kann man eine Uhr – vor allem eine Fitnessuhr – überhaupt als Schmuck betrachten? Ich trage in jedem Fall keine Ohrringe, Armbänder oder Ketten. Ganz selten sieht man mich mal damit und dann meist nur, um ein Kostüm zu vervollständigen *lach*. Während andere sich gerne damit behängen, empfinde ich solche Sachen eher als störend oder hinderlich. Ich fühle mich nicht lange wohl damit und irgendwann nehme ich es doch wieder ab.
Fun Fakt: Ich trage nicht mal meinen Ehering. Der Mann übrigens auch nicht.
Die Fitnessuhr wurde mir wichtig, als ich zum 2. Mal schwanger war
Ich war wirklich gerne schwanger. Beide Male. Ich hatte nur in den ersten 16 Wochen massiv Probleme mit Übelkeit von morgens bis abends, aber sobald diese 16 Wochen überstanden waren, fühlte ich mich selten ausgeglichener mit mir und meinem Körper als zu dieser Zeit. Ich war irgendwie geerdeter und zufrieden mit mir. Zumindest in meiner Erinnerung.
Aber eine Sache gab es doch, als ich mit dem kleinen Sohn schwanger war. Etwas fühlte sich seltsam und nicht richtig an, auch wenn der Arzt dahingehend nie etwas feststellte. Ich hatte so ein Pochen… naja, ich weiß nicht, wie ich es genauer beschreiben soll, aber manchmal fühlte es sich an als ob jeder 4. oder 5. Herzschlag bei mir einfach aussetzte. Wie ein Holpern in der Brust. Damals äusserte ich den Wunsch nach einer Uhr, um meinen Puls und Co im Auge behalten zu können. Es beruhigte mich irgendwie. Man muss es nicht nachvollziehen können. Manchmal braucht man etwas, an dem man sich festhalten kann und in dem Fall gab es mir irgendwie etwas Kontrolle über mich und meine Werte und ich konnte besser damit umgehen.
Von da an wurde die Fitnessuhr meine ständige Begleitung.
Ein Upgrade zu Corona-Zeiten?
6 Jahre lang trug ich also immer mal die eine oder andere Fitnessuhr, die eher schmal an meinem Handgelenk saß. Seit dem 1. Kind war ich ein deutlich aktiverer Mensch geworden, der öfter mal Sport zu Hause machte, viel spazieren ging und auch mit dem Rad ständig unterwegs war. Vieles davon trackte ich irgendwann mit dem Handy. Meine Uhr hatte kein GPS oder so. Ab und an versuchte ich es ja bekanntermaßen auch mal mit dem Laufen, wurde aber nie so richtig warm damit.
Erst durch Corona wurde ich zur Läuferin (mal mehr und mal weniger). Die Angst sich nicht vernünftig bewegen zu können trieb mich erneut vor die Türe und ich beschloss dem Laufen nochmal eine Chance zu geben. Wer sich sportlich betätigen wollte, durfte ja immerhin raus. Mein Ausweis steckte in meiner Handyhülle und das Handy trackte die Läufe.
Ich weiß nicht wieso, aber irgendwann wurden wir anspruchsvoller. Also nicht nur ich, sondern auch der Mann. Die eine Uhr war wieder einmal defekt und so langsam hatten wir die Nase voll von der Marke. Also recherchierten wir. Durch meine Schwester wusste ich, dass sie eine vollkommen andere Marke bevorzugte. Übrigens inspirierte sie mich damals es mit dem Laufen noch einmal zu versuchen. Da sie lange Zeit mit der Lunge massive Probleme hatte, beeindruckte es mich, dass sie dennoch so viele Kilometer laufen konnte und ich dachte, wenn sie das unter diesen erschwerten Bedingen schaffen kann, dann kann ich das auch. Wir schauten uns also ihre Uhr näher an und entschieden uns am Ende auch für eine ähnliche.
Und hey: 5 Jahre habe ich sie nun getragen. FÜNF!! Das ist fast drei Mal so lange, wie meine Modelle zuvor und ich habe sie wirklich lieben gelernt.
Aber man wird irgendwie auch abhängig!
Ich hätte ja nie gedacht, dass ich so eine große, massige Uhr am Handgelenk tragen würde. Ich meine… ich bin ein kleiner Mensch und dieses Ziffernblatt (bzw. Display) ist einfach mal so groß wie mein Handgelenk breit ist. Meine Mutter hat schon früher immer regulär gerne so riesige Uhren getragen und ich habe es nie ganz verstanden. Und nun trug ich sie selbst. Nur eben mit anderen und vor allem mehr Funktionen. Und ja, das große Display macht natürlich Sinn wenn man mittendrin etwas erkennen möchte. Seinen Puls zum Beispiel oder wie weit man schon gelaufen ist.
Was ist das nur für ein Hochgenuss, wenn du jeden Tag beobachten kannst, wie sich der türkisblaue Kreis mehr und mehr schließt und dir damit signalisiert, dass du wunderbar aktiv bist. Wie es einen doch motiviert eben doch nochmal den Spaziergang am Abend zu machen, um die fehlenden Prozent noch voll zu bekommen.
Und Zack: Gestern wollte ich mein Radfahren beenden und den Knopf drücken. Nichts ging. Die Zeit ließ sich nicht anhalten. Der Knopf reagierte auf einmal nicht mehr. Die Zeit lief unerbittlich weiter. Ein paar Tage zuvor gab ein anderer Knopf schon den Geist auf, aber der war egal, weil ich einfach das Menü nun nur noch in eine Richtung bedienen konnte. Aber die Aktivitäten nicht starten oder beenden zu können, das macht einfach keinen Sinn. Und so musste ich zuschauen, wie das Radfahren immer weiter aufgezeichnet wurde, obwohl ich gut drei Stunden im Kino saß. Obwohl ich eine weitere Stunde bei meiner Schwester saß. Nichts ging… ich legte die Uhr am Abend auf den Esstisch und sie lief und lief und lief… bis sie irgendwann brummte, weil der Akku zu schwach war und sie endlich die Aufzeichnung beendete. Ein letzter Hoffnungsschimmer: Sie mit dem Laptop verbinden und neu starten. Aber nein, dieser will sie nicht erkennen. RIP Fitnessuhr.
Es ist irgendwie frustrierend…
Nun blicke ich auf meinen gebräunten Arm. Die Stelle, wo die Uhr immer ist bleich wie die Haut von Schneewittchen. Es sieht so albern aus und die Macht der Gewohnheit lässt mich immer wieder dorthin schauen. Vordergründig nach der Uhrzeit, aber eben auch aus Reflex heraus. Für den Rückweg gestern musste ich die App auf dem Handy starten. “Mama, das ist doch nicht schlimm”, sagte der große Sohn noch… aber da ich inzwischen am Ende des Jahres gerne einen Bilanz ziehe, hat es mich eben doch gewurmt. Das sind Daten, die dann fehlen in der Statistik…

Erschreckend, oder? Wie sehr man sich daran gewöhnt hat seine Daten zu sammeln. Wie abhängig man doch davon geworden ist. Mir hilft es zwar sehr mich selbst zu motivieren und bei Laune zu halten, aber eigentlich ist es wirklich nicht schlimm. Wirklich nicht… aber es fehlt mir. Kann man es sinnvoll erklären? Vermutlich nicht. Ist es wie eine kleine Sucht? Vermutlich.
Ich hoffe einfach, dass es dem einen oder anderen von euch bekannt vor kommt und ich nicht ganz so albern da stehe *lach*. Erzählt doch mal von euren Erfahrungen!
PS: Ich habe Glück. Meine Schwester leiht mir ihre alte, bis ich eine Neue habe. Aber dafür muss ich erstmal sparen. Blöd, dass mein Geburtstag gerade erst war *laach*.
*Anmerkung: Der Artikel enthält evtl. Bilder mit Produkten, die wir in unserem Alltag nutzen oder Linkempfehlungen. Wir haben keine Bezahlung für das Zeigen oder Nutzen derselbigen erhalten.

