Gedankentagebuch #56 – Nicht nur Zeugnistag
Jedes Jahr wieder begleiten uns zwei Emotionen, wenn die Sommerferien in den Startlöchern stehen. Einmal die Vorfreude auf die Ferien und dann noch die etwas verhaltenere Vorfreude auf das Zeugnis. Im Groben sind die Noten ja meist bekannt und wir rechnen nie wirklich mit bösen Überraschungen, aber dennoch ist man ja an der einen oder anderen Stelle etwas unsicher, was letztendlich tatsächlich drauf stehen könnte.
Ein paar Tage vorher stelle ich immer eine Frage
Meistens wenn wir gemeinsam beim Mittagessen sind, frage ich die Kinder unvermittelt “Gibt es etwas, was wir wissen sollten, bevor es Zeugnisse gibt? Irgendwas, was ihr uns lieber vorher schon sagen wollt oder wo ihr ein ungutes Gefühl habt?”.
Danach gehen die Kids ein paar Minuten in sich und überlegen dann laut, wo sie vielleicht eine Note abgesunken sein könnten oder ob es ein Fach gibt mit dessen Ergebnis wir nicht so glücklich sein könnten. So haben wir das schon einmal gemeinsam durchgesprochen und die Angst am Zeugnistag selbst ist nicht mehr ganz so groß. In den meisten Fällen werden wir dann sogar nochmal positiv überrascht, weil es nicht ganz so schlimm ausgefallen ist, wie sie befürchtet hattem.
Am Tag selbst gehen wir dann gemeinsam die Noten durch und setzen uns dann Ziele für das neue Schuljahr. Es gibt immer Schulfächer, die ein echter Kampf sind und andere, die wiederum wirklich leicht fallen. Das kennt wirklich jeder von uns. In manchen kann man stolz sein, dass es eine gute 3 geworden ist, in anderen weiß man allerdings, dass es keine hätte sein müssen. Und darüber reden wir dann halt.
Grundsätzlich mussten wir bisher aber nie mit wirklich bösen Überraschungen rechnen
Ja, es gab Noten, die waren unnötig. Wirklich unnötig. Es gab auch mal Aussetzer, weil etwas verpennt, nicht genug gelernt oder schlicht weg auch mal eine Seite übersehen. Ja wirklich, auch das ist bestimmt jedem schon einmal passiert. Aber insgesamt können wir wohl in all den Jahren im Fazit sagen, dass sich beide Jungs auf einem vernünftigen Niveau bewegen und recht gut klar kommen und dafür bin ich echt dankbar. Oft genug bekomme ich von anderen mit, wie sie sich alleine schon durch die Hausaufgaben-Situation quälen müssen, die bei uns selten länger als 20 Minuten dauert.
Es gibt solche und solche Phasen. In manchen Bereichen müssen sie mehr tun, in anderen weniger und beide sind manchmal recht ungeduldig, wenn sich das Ergebnis nicht schnell genug einstellt. Beim großen Sohn konnte ich im Laufe der Jahre drei Phasen beobachten: In der Grundschule konnte er einfach alles. Er musste nie lernen, sich die Dinge nicht anschauen. Er konnte es einfach. In der Oberschule brach er irgendwann mal etwas ein. Sicherlich auch mit etwas Hilfe der wirklich schweren Corona-Phase, dem Homeschooling und mehr, dass ihn in dem einen oder anderen Bereich raus brachte. Aber besonders im letzten Jahr ist er mir nicht nur körperlich über den Kopf gewachsen, ich konnte auch so einen enormen Wachstum seiner mentalen Reife feststellen und gerade diese Entwicklung im letzten Jahr hat mir wirklich gut gefallen.
Dem kleinen Sohn fällt die Grundschule ähnlich leicht, auch wenn er sich eher mal hinter die Sachen klemmen muss und weniger ungeduldig sein sollte.
Aber ich mache mir wirklich keine Sorgen heute
In knapp zwei Stunden kommen die beiden nach Hause, zeigen mir ihre Zeugnisse und ich glaube, wir werden zufrieden sein. Es war ein aufregendes Jahr für beide. Mit Klassenfahrten, Ausflügen, Praktikum und Veränderungen. Der große Sohn hatte seine MPA Prüfung auch noch oben drauf und der kleine seine Radprüfung und zudem auch noch eine große Entscheidung zu treffen, die ihm am Ende deutlich leichter fiel, als uns Eltern.
Wir werden gemeinsam auf die Zeugnisse schauen, die Kinder drücken und dann gedanklich erst einmal in die Ferien starten…
Das neue Schuljahr wird nämlich anders aufregend!
Ich glaube, ich habe es in den letzten Wochen und Monaten immer wieder angedeutet, aber nach den Sommerferien wird es für beide Kinder spannend, denn sie treten nun neuen Herausforderungen entgegen. Ich bin ehrlich etwas nervös und hoffe, dass sie das gut wuppen werden.
Beide verlassen nun einen Pfad, um einen neuen zu betreten. Während es für den großen Sohn nun mitten rein ins Abitur geht, verlässt der kleine Sohn nun die Grundschule und wird nach den Sommerferien ebenfalls auf das Gymnasium gehen. Auf seinen Wunsch hin. Der Mann und ich hatten so lange überlegt, ob das die richtige Entscheidung ist, aber der kleine Sohn war sich so schnell sicher, nachdem die Zusage der Schule kam, dass es falsch wäre ihm diesen Versuch zu verwehren.

Und damit ist das heutige Zeugnis in unserem Haus das letzte Grundschulzeugnis, was es bei uns jemals geben wird und das macht schon irgendwie sentimental. Es gab Umarmungen heute früh vor der Schule von befreundeten Eltern, die auch traurig sind, dass wir im neuen Jahr nicht mehr jeden Morgen ein bisschen schnacken können und irgendwie blitzten immer wieder Bilder auf, die mir zeigten, wie wir doch vor vier Jahren hier erst standen und unser Kind mit der großen Schultüte einschulten. Ähnlich 2017, wo es der große Sohn war mit seiner gigantischen Pikachu Schultüte.
Wo sind nur all die Jahre hin…
Aber ich bin auch dankbar für die Pause, die wir jetzt erst einmal erwarten können. Durchatmen. Uns freuen, dass die Kinder diese Hürden schon einmal so gut genommen haben und jetzt einfach mal ein paar Tage all das sacken lassen.



Ein Kommentar
bullion
Oh ja, Zeugnisse und Noten. Irgendwie doch immer ein Thema. Bei uns haben sie im Gymnasium vor zwei Jahren regelmäßige Notenberichte eingeführt, die es alle paar Monate gibt, so dass man in jedem Fach sehr detailliert aufgedröselt eine gute Übersicht hat, wie denn die Noten sind. Das nimmt vor den Zeugnissen deutlich den Druck draus, da es kaum Überraschungen geben kann.
In ein paar Fächern ist es bei uns auch immer ein Kampf. Teils selbstverschuldet, teils durch unfaire Lehrer:innenaktionen, aber immer auf jeden Fall machbar. Die Kids sind beide auch gut motiviert und wollen von selbst gut sein und lernen. Oft sitzen sie auch viel zu lang an den Hausaufgaben (oft bis nach 18 Uhr abends, was ich schon krass finde). Im Grunde können wir uns da nicht beschweren. Außer über das teils doofe und rückständige Schulsystem. Aber da muss ja leider jeder durch.
Schöne und erholsame Ferien euch! :)