Einschulung

Ein spannender Tag voller (Mama-) Gefühle. So war unser erstes Mal Einschulung

Da stand ich nun also. In einer kleinen, engen Turnhalle. Sie ist voll. Wir alle sind etwas durchnässt, da es ausgerechnet heute regnet. Ich hatte so Angst vor diesem Moment. Diesem Regen. Nun ja. Es ließ sich nicht ändern. Einschulung. Es passiert gerade wirklich.

Die meisten wenigen Sitzplätze waren schon belegt. Was soll’s. Ich habe das Heldenkind in der Trage auf dem Rücken. Hinsetzen wäre da eh nicht unbedingt die gemütlichste Lösung. Also stehe ich. Im Gang. Eingekeilt zwischen einem riesigen Mann und einer Frau, die ebenfalls größer ist als ich. Wie ich, hält sie die Schultüte ihres Kindes im Arm. Der Moment, in dem man eventuell die gewählte Größe der Schultüte bereuen könnte. Gut, dass ich eine Plastikspitze gekauft hatte. Diese erlaubte mir zumindest unsere Schultüte ab und an auf den Boden zu stellen.

Einschulung

Es geht los. Mein Sohn wird tatsächlich eingeschult.

Eine Dame betritt den Mittelpunkt des Raumes und stellt sich als Direktorin vor. Der Held hatte sich weiter vorne mit dem Fotoapparat positioniert, damit wir wenigstens dann und wann vielleicht einen kurzen Schnappschuss bekommen von diesem großen Moment.

Einschulung

Ein kleines Programm beginnt. Es wird gesungen, getanzt und auch ein kleines Stück von den verschiedenen AGs vorgeführt. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich mal ein bisschen umzusehen. Nach bekannten Gesichtern zu suchen. Die Erzieherin des Minihelden war gekommen. Sie winkte mir zu und ich freute mich, sie zu sehen. Hier und da blitzt ein bekanntes Gesicht auf. Nachbarn, Eltern vom ersten Elternabend, den wir Anfang der Woche hatten. Freunde, die ebenfalls ihre Kinder einschulten. Dazwischen Eltern die leise mit sangen oder tanzten, weil ihr Kind gerade etwas aufführte. Ob ich im nächsten Jahr auch eine von denen sein würde? Wer weiß.

Nach 30 Minuten erscheint die Direktorin wieder. Sie spricht die Kinder direkt an. Bereitet sie mit ein paar wenigen Worten auf die nächsten Minuten vor. Die Lehrer treten vor. Sie wirken genauso aufgeregt wie wir. Ich weiß noch, wie gespannt ich immer am ersten Tag nach den Ferien auf meine neue Kindergruppe war. Ein neues Kennen lernen. Neue Erfahrungen. Alles auf Anfang. Alles neu. Aufregend.

Und dann passiert es. Der Name meines Kindes fällt.

Falsch ausgesprochen. Mal wieder. Wir kennen das schon und der Miniheld trägt es mit Fassung. Aufgeregt läuft er mit seinem großen Schulranzen nach vorne und ich versuche mich durch die Masse an Eltern zu drängeln, um ein zwei Bilder machen zu können. Aber vor allem, um ihm zu zeigen, dass ich da bin. Ein Name nach dem anderen wird aufgerufen und mehr und mehr Kinder stehen vor uns. Gemeinsam mit ihrer zukünftigen Klassenlehrerin und ihrer Erzieherin laufen die Kinder los. Weg sind sie…

Das ganze Prozedere erleben wir vier Mal. Vier Klassen. Erst wenn alle Kinder weg sind dürfen auch wir langsam los ziehen Richtung Schulhof. Die Kinder haben nun ihre erste offizielle Schulstunde und wir warten. 

Einschulung

Nach und nach finden sich die Eltern auf dem Schulhof ein. Finden sich in kleinen Gruppen zusammen. Unter Regenschirmen, denn es regnet immer noch. Es gibt etwas Kuchen und Kaffee vom Förderverein und ein kleines Zelt zum Unterstellen. Hin und wieder entdecke ich noch ein neues Gesicht, das mir bekannt vor und sogar jemanden, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe.

Wie auch die Kinder merkt man, dass die Eltern ebenfalls froh sind, dass sie jemanden haben, den sie kennen. Sie unterhalten sich und warten. Auf den erlösenden Ruf der Lehrer, die sie in das Klassenszimmer rufen. In den Raum, der von nun an einen wichtigen Anteil an der Entwicklung deines Kindes haben wird. 

Wir alle haben etwas Angst. Angst den Ruf zu überhören und dann den Moment zu verpassen, wo wir endlich unsere Kinder – nun Schulkinder – in die Arme schließen dürfen. Natürlich wollen auch wir den Klassenraum sehen. Wie alles aussieht, wo das Kind sitzt. Mit WEM das Kind zusammen sitzt. Wir sind ja so schrecklich neugierig, nicht wahr?

Große Erleichterung macht sich in uns breit.

Einschulung. Man denkt, man weiß, wie alles abläuft und am Ende ist wohl keine Einschulung wie die andere, oder?

Wir betreten also das Klassenzimmer. Es ist liebevoll geschmückt mit kleinen Schultüten und Girlanden, die die anderen Kinder aus der Klasse für die Neuzugänge gebastelt haben. Suchend gleitet mein Blick durch den Raum. Wo ist mein Kind. Ich entdecke es zwischen einen Haufen Menschen und es strahlt mich an. Ich bin erleichtert. Alles ist gut gelaufen.

Stolz zeigt er mir seinen Platz und erzählt mir aufgeregt, dass er sogar mit einem Jungen zusammen sitzt, den er ein bisschen kennt und nett findet. Außerdem spielt er genauso wie er Fußball. Sie haben gemeinsam einen Paten, der sie durch das erste halbe Jahr geleiten wird.

An der Tafel prangt groß und bunt der Schriftzug „Mein 1. Schultag“ und Eltern stellen ihre Kinder vor die Tafel, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Wir natürlich auch. Wir wissen, dass die Familie sich später sehr über diese Impressionen freuen wird und wir natürlich auch.

Einschulung

Gemeinsam räumen wir noch all das gekaufte und beschriftete Schulzeug in die Fächer ein und verabschieden uns in ein kurzes Wochenende. Morgen geht es ja schon los. Wir sind sehr froh, wie das alles verlaufen ist.

Die Erlösung – Endlich darf gefeiert werden.

„Darf ich jetzt“, der Miniheld schaut uns zu Hause mit großen Augen an. In den Händen hält er seine Schultüte. „Mama“, sagt er dabei, „das ist die schönste Schultüte, die ich heute auf dem Schulhof bei meiner Einschulung gesehen habe“. Natürlich bin ich sehr glücklich über dieses Feedback. Wir nicken. „Moment!“, ruft er noch aufgeregt.,“Ich habe für meinen Bruder doch auch eine Tüte gebastelt.“

Ja, ihr lest richtig. Es gab nach all meinen Überlegungen, die gegen eine Geschwistertüte sprachen, dennoch eine. Aber eben, weil der große Bruder es unbedingt für den kleinen wollte und ich bin froh, dass ich mich habe überreden lassen. Das Leuchten in den Augen des Heldenkindes, als sein Bruder ihm die grüne Fußballtüte überreichte, die er tatsächlich am Vortag noch selber gebastelt hatte, war unbezahlbar.

Einschulung

Gemeinsam hockten sie sich auf den Boden des Wohnzimmers. Es waren noch gut 40 Minuten Zeit, bevor die Omas und Opas kommen würden. Sie öffneten ihre Schultüten und zogen eine Kleinigkeit nach der anderen heraus. Einer dieser wundervollen Lieblingsmomente und mit einem Mal fragte ich mich, ob meine beiden Jungs über Nacht noch einmal gewachsen waren. Vielleicht täuschte es auch nur…

Einschulung

Dann kam die Familie. Feierte das Schulkind, fragte nach der Einschulung, überreichte (natürlich) viele schöne Dinge und insgesamt verbrachten wir wohl einen schönen und aufregenden Tag. 

„Und“, fragte ich den Minihelden am Abend, „bist du glücklich?“ „Jaaaa, Mama, ich bin sehr glücklich“; antwortete er strahlend. „Und freust du dich auf Montag, auf die Schule“; fragte ich weiter. „Ja, Mama, ich freue mich“, erwiderte und ging müde ins Bett…

sari-unter

 

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6 thoughts on “Ein spannender Tag voller (Mama-) Gefühle. So war unser erstes Mal Einschulung

  1. Ja, diesen ganz, ganz großen Schritt in ein neues Abenteuer hatte wir schon letzte Woche. Diese Woche geht es dann richtig los; Schon etwas ungewohnt, das kleine Mädchen ein kleines Stück loszulassen, wenn sie den Schulweg ab jetzt teilweise alleine (ok zumindest mit der besten Freundin) gehen soll und nicht immer und überall behütet ist.
    Einen guten Start in Eure Schulleben 😉

      1. Bei uns ist der Schulweg glücklicherweise wirklich sehr überschaubar: Den „wilden“ Teil mit Überquerung eine stark befahrenen Straße macht das Mädchen mit Bruder und Frl. S. und erst ab dem Kindergarten geht sie den Rest zur Schule alleine.
        Das bedeutet: Eine Distanz von etwa 150 Metern, geradeaus auf einer Straße die in der Früh zu Schulbeginn für den Straßenverkehr gesperrt ist. Besser geht es also nicht für eine Schulanfängerin 🙂

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